28.05.2016

In Dossenheim und Schriesheim schmückt buntes Sägemehl die Kirche

Seit 60 Jahren legt ein Team um Dieter Schmich den ungewöhnlichen Fronleichnamsteppich. Der Brauch kommt aus dem Schwarzwald.

Ein eingespieltes Team: Mit dem Dossenheimer Wappen fing es 1956 an, heute schmückt ein filigranes Bild den Schriesheimer Altar. Foto: Alex

Von Doris Weber

Dossenheim/Schriesheim. Mit einer ungewöhnlichen Frage vor 60 Jahren fing alles an: "Dieter, können wir einmal einen Sägemehlteppich legen?" Dieter, das war Dieter Schmich. Er leitete damals als 20-Jähriger eine katholische Jugendgruppe. Und der Fragesteller war kein geringerer als Emil Stehle. Der spätere Bischof von Ecuador war damals Kaplan in Dossenheim.

Seit jener Frage vor 60 Jahren gestalten Schmich und seine Jungs jedes Jahr zu Fronleichnam einen Bildteppich aus Sägespänen. Aus den Jugendlichen sind gestandene Männer geworden. Manche sind nicht mehr dabei, andere sind dazu gekommen. Geblieben ist die selbst auferlegte Aufgabe, diesen besonderen Teppich zu Fronleichnam herzustellen. Eine Aufgabe, bei der seit etwa 30 Jahren auch die Ehefrauen helfen.

"Beim ersten Teppich haben wir nicht daran gedacht, dass wir als Dossenheimer einmal einen Teppich in Schriesheim legen würden", gesteht Schmich. Doch in den letzten 60 Jahren hat sich viel verändert: Bundeskanzler ist nicht mehr Konrad Adenauer, sondern Angela Merkel; Bürgermeister ist nicht mehr Karl Miltner, sonder Hans Lorenz und die Pfarrgemeinden von Schriesheim, Altenbach und Dossenheim sind nicht mehr selbstständig, sondern bilden eine große Seelsorgeeinheit.

Dass der Teppich mittlerweile vor dem Hochaltar im Gotteshaus und nicht mehr im Freien platziert wird, ist dem gemeinsamen Pfarrer Ronny Baier zu verdanken. Dieser habe nur ein einziges Mal den Aufwand beim Verlegen miterlebt, erinnert sich Schmich. Aber das habe gereicht: Sofort habe er erklärt, dass er den Teppich gern im Altarraum liegen haben wolle. Jetzt wird er dort wohl drei Wochen lang die Kirche schmücken. Schmich ist anzumerken, dass er dies als Anerkennung empfindet.

Der erste Teppich war noch vor dem ehemaligen Feuerwehrgerätehaus in der Dossenheimer Schulstraße platziert worden, später am Kronenburger Hof. Als die "Mädchen" nicht mehr das Hauptportal der katholischen Kirche schmückten, rückte die Arbeit der "Jungen" an diese Stelle im Freien.

Wie es zu den Teppichen aus Sägespänen statt den üblicherweise verwendeten Blütenblättern kam? Kaplan Stehle hatte diese Idee aus dem Schwarzwald mitgebracht, wo die Natur zum Fronleichnamsfest noch nicht so reich entwickelt ist. Blütenblätter seien Mangelware. Daher die Sägespäne. Eingefärbt könne man mit dem Naturprodukt ebenfalls prächtige Bilder gestalten. Die Idee gefiel den Dossenheimern, zumal den damaligen Jungen eine Aufgabe mit intensivem Gemeinschaftserlebnis zufiel.

Es klingt einfach, mit eingefärbten Holzschnipseln ein Motiv zu gestalten. Tatsächlich ist das Verfahren für das große Format sehr aufwendig und zeitintensiv. Schon Wochen zuvor gilt es, ein geeignetes Motiv zu finden, das sich übertragen und den örtlichen Gegebenheiten anpassen lässt. Das erste Bild zeigte 1956 noch das Dossenheimer Wappen. Motive mit christlicher Symbolik folgten. Mit zunehmender Erfahrung und verfeinerter Technik stiegen die Ansprüche an die Bildgestaltung. Zum aktuellen Jubiläum der Teppichleger fiel die Wahl auf ein Bild aus einer 1904 erschienenen Bibel. Ein Lamm ist dabei im Zentrum.

Eine der Herausforderungen ist, dass sich die verschiedenfarbigen Teilchen am Ende nicht mischen. Am Anfang machte man die Abgrenzungen mit Gips. Auf einer großen Spanplatte wurde das Bild aufgezeichnet, dann Buchstaben und Konturen geformt, die anschließend mit dem Baumaterial verfestigt wurden. In den ersten 15 Jahren hatte Klaus Mühlbauer diese Aufgabe übernommen.

Seit 45 Jahren - bis heute - macht das Helmut Ruland. Als Techniker entwickelte er Methoden, wie das ausgewählte Motiv leichter auf den Untergrund projiziert werden kann. Er ersetzte die Gipskonturen durch Styropor. Die Felder, die bunt gestaltet werden sollen, werden seither aus dem Schaumkunststoff ausgeschnitten und auf dem heute neun Quadratmeter großen Untergrund befestigt. Dann kann das gefärbte Sägemehl in die freien Flächen gestreut werden. Die Färbung des Sägemehls ist ein eigener Schritt. Von Anfang an und inzwischen in der dritten Generation stellt die Firma Meisel die Farben nebst Geräten zur Verfügung.

Nachwuchs, der irgendwann die Aufgabe übernimmt, ist nicht in Sicht. "Wir machen das, so lang wir können", sagt der 80-jährige Dieter Schmich.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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