12.07.2016

Schriesheim: Schnelles Internet ab Dezember

Schriesheim. (sk) Der Volksmund nennt sie "Verteilerkästen", die grauen, im Laufe der Jahre verwitterten Kisten an den Straßenkreuzungen. In den kommenden Wochen werden die Kabelverzweiger, so die korrekte Bezeichnung, ausgetauscht gegen neue, größere "Multifunktionsgehäuse" (MFG); die zu ihnen führenden DSL-Kupferleitungen werden ersetzt durch Glasfaserkabel. Das Ziel soll die Versorgung der 5000 Kernstadt-Haushalte mit schnellem Internet sein, los geht es in der Schubertstraße. "Dafür müssen wir keine Vorgärten aufgraben", versichert Ana Pia Engel von der Telekom. Denn ausgetauscht werden nur die Strecken zwischen den Technik-Knotenpunkten, nicht aber die Leitungen zu den Verbrauchern.

Engels Kollege, Karl-Heinz Kaspers, spricht von Datenmengen, von 100 MBit pro Sekunde, die künftig dank Vectoring-Technologie übertragen werden können. Mit dem Vectoring werden elektromagnetische Störungen, die auf Kupferleitungen auftreten, künftig beseitigt; je näher ein Haushalt dran ist an einem MFG, desto besser ist seine Verbindung. Telefonieren, Surfen im Internet und Fernsehen, auch in zeitversetzter Form, sollen dann gleichzeitig möglich sein. Die Technologie hat ihren Preis, und zwar sowohl für die Telekom als Bauherrin als auch für den Kunden; denn der bekommt das schnelle Internet nicht automatisch. "Der Kunde muss aktiv werden", sagt Kaspers. Man erteilt dem Unternehmen einen Auftrag und zahlt dann monatlich zwischen zehn und 15 Euro Aufpreis, je nach Vertrag.

Von Seiten der Telekom rechnet man mit Kosten von 70 000 bis 80 000 Euro pro Kilometer: 8,4 Kilometer Kabel werden bis August oder September von der Firma Wagner aus Wald-Böckelheim verlegt. Dafür werden Gehwege aufgegraben und die Kabel etwa 60 Zentimeter tief versenkt. Jeweils sechs Röhren sind gebündelt, jede Röhre enthält bis zu 96 Fasern. "Die Glasfasern werden mit Druckluft in die Speednet-Röhrchen eingeschossen, und zwar immer so viele, wie auch gebraucht werden", erklärt Kaspers. Größere Verkehrsbehinderungen dürfte es bei der Verlegung nicht geben, bemerkt Engel: "Denn es wird immer gleich alles wieder zu gemacht." Einmal muss das Kabel über die B 3 gelangen, doch dafür gibt es eine elegante Lösung ohne Presslufthammer und Verkehrsstaus: Mit einer Bohrung wird die Straße unterquert. Sind die Kabel verlegt und die Kästen aufgestellt, kümmern sich Techniker um die Software, und im Dezember soll das schnelle Internet verfügbar sein. Allerdings, wie Bürgermeister Hansjörg Höfer weiß, nur im Vorwahlbereich 0 62 03. Was bedeutet, dass die Ortsteile, die unter 0 62 20 angewählt werden, ausgenommen sind.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung