05.09.2016

Schriesheim ist bereit für Kerwe und Straßenfest

Von Karin Katzenberger-Ruf

Schriesheim. Freitagnachmittag gegen 14 Uhr in der Schriesheimer Altstadt: Während vor dem "Kaffeehaus" Gäste in der Sonne an Kaffee und Apfelschorle nippen, steigen einige Männer am Stadtbrunnen gegenüber in die Unterwelt hinab. Schließlich müssen für das Straßenfest die Leitungen der Bierfässer vom Schacht unter dem Brunnen in die Zapfhähne gelegt werden.

Seit vier Jahrzehnten betreibt die Abteilung Ringen des Kraftsportvereins (KSV) den Ausschank. Wie viel Arbeit vorab dahinter steckt, weiß kaum jemand. Außer denen natürlich, die immer wieder beim Aufbau anpacken und denen dabei die Schweißperlen auf der Stirn stehen.

Der schöne Spätsommer ist genau das, was es zum Straßenfest braucht. Dann wird auch viel Bier getrunken. Rund 1500 Liter in unterschiedlich großen Fässern sind vorrätig. Ausgeschenkt werden Export, Pils, Weizen und Alt - alkoholfreies Bier und sonstige "Softdrinks" gibt’s an einem extra Stand. Das Speisenangebot ist auf belegte Brötchen beschränkt. Alles andere mache keinen Sinn mehr, weil die Auflagen des Wirtschaftskontrolldiensts (WKD) seit einigen Jahren so hoch seien, ist zu erfahren.

Die Techniker, die die Bühnen aufbauen, sind zu am Nachmittag ebenfalls schon fleißig am Werkeln. Bis zum ersten Soundcheck dauert es allerdings noch ein bisschen.

Erst müssen alle Kabel verlegt sein. Zeltgestänge, Planen, Stehtische und ganze Stapel an Sitzgarnituren lagern zum Teil noch am Straßenrand und in Innenhöfen. Die meisten Helfer kommen aber gleich nach Feierabend, manche haben sich einen Tag freigenommen oder sind schon im Rentenalter. Auf dem Rummelplatz vor dem Neuen Rathaus stehen schon Fahrgeschäfte und Buden, an den Wagen sind die Rollläden heruntergelassen, es ist still. Nur an einem Schießstand wird das, was ab dem heutigen Samstag "zum Abschuss freigegeben" ist, nochmals ordentlich platziert. Auffällig sind die vielen Halteverbotsschilder in den Straßen. Sie gelten ab Samstagmorgen 5 Uhr.

Dann dürfen die Flohmarktstände aufgebaut werden. Jener der Evangelischen Kirchengemeinde nimmt dabei immer größere Ausmaße an. Im Gemeindehaus, in dem sich gestern noch an die 400 Kartons bis an die Decke stapelten (dies systematisch, die leichteren waren oben platziert), werden am heutigen Samstag Kaffee und Kuchen serviert. Derweil sind die Kirchenbänke im Gotteshaus, das ebenfalls als Zwischenlager diente, wieder frei. Nach einer kurzen Andacht um 6 Uhr machen sich über 100 Ehrenamtliche daran, den Flohmarkt zu bestücken. Das "Bücherzelt" ist doppelt so groß wie letztes Jahr, der Lesestoff wird zum 100-Gramm-Preis angeboten. Das hat sich bewährt.

Auch die selbst gemachte und hübsch verpackte Marmelade wird wieder zum Verkauf angeboten. Der Erlös, den die Kirchengemeinde aus ihren Aktivitäten erzielt, kommt wie bereits berichtet in voller Höhe zwei Hilfsprojekten in Argentinien und Bolivien zugute. "Es ist schon bewundernswert, was die Kirchengemeinde und die Vereine da so alles auf die Beine stellen", findet eine Passantin und meint, sie selbst komme ja "nur" zum Feiern.

Dann aber richtig und drei Tage lang mit Familie und Freunden. "Wir geben da auch richtig Geld aus, damit sich das für die Veranstalter lohnt." Was bleibt noch zu wünschen? Dass die für Sonntag angekündigten Gewitter an "Schriese" einfach vorbeiziehen mögen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung