21.09.2016

Schriesheimer Laubelt droht die Schließung Im Juli 2015 hat der Gemeinderat dem Laubelt als reiner Notabfahrt vom Bra

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Alle Appelle des Gemeinderats und sogar der Branich IG an die Vernunft der Autofahrer, den Laubelt nicht mehr als zweite Abfahrt vom Branich zu missbrauchen, haben nichts gebracht. Zu diesem ernüchternden Fazit kommt die Stadtverwaltung ein Jahr nachdem die Stadträte mit knapper 13:11-Mehrheit beschlossen haben, dem Laubelt als Strecke für den absoluten Notfall eine letzte Chance zu geben. Regelmäßige Überprüfungen ergaben seitdem, dass der Laubelt weiterhin willkürlich und illegal befahren wird. Daher liegt dem Gemeinderat für seine Sitzung am 28. September (19 Uhr, Rathaus) erneut der Beschluss zur Abstimmung vor, beim Straßenverkehrsamt des Rhein-Neckar-Kreises eine feste Sperrung des Landwirtschaftsweges zu beantragen. Dieses Mal rechne er dafür mit einer Mehrheit, so Bürgermeister Hansjörg Höfer.

Gemeinsam mit Ordnungsamtsleiter Willy Philipp und dessen Mitarbeiter Dominik Morast schilderte er gestern die Verkehrssituation im Laubelt und das Verhalten renitenter Autofahrer: "Die Energie, die da an den Tag gelegt wurde, ist schon einmalig", sagte Höfer und meinte das nicht als Lob.

Es sei schon "eine Unverschämtheit", pflichtete ihm Philipp bei, wie sich Unverbesserliche "mit aller Gewalt" über den Gemeinderatsbeschluss vom 22. Juli 2015 hinweggesetzt hätten. Damals folgte der Gemeinderat dem Antrag des Rathauses nicht, den Laubelt mit festen Pfosten zu sperren. Stattdessen setzte man nach einem Antrag der Freien Wähler auf die Einsicht und behielt bei Enthaltung Höfers die beweglichen, also überfahrbaren Kunststoffpoller, sogenannte "Leitboys", zunächst bei. Gestern präsentierte der Bürgermeister in seinem Büro einen dieser Sperrpfosten, der mal am Wendehammer des Blütenwegs installiert war.

Der "Leitboy" sah völlig ramponiert aus. Die rote Signalbeklebung war zum Teil abgerissen. Der weiße Kunststoffholmen war mit schwarzen Schleifspuren übersäht, sein flexibles Gelenk vom vielen Abknicken völlig eingedrückt: "Wir haben die Pfosten mehrfach austauschen müssen", so Höfer. Dass diese oft überfahren worden seien, könne man eindeutig erkennen, ergänzte Morast mit Blick auf das Ansichtsexemplar: "Oft war es so, dass sich die Poller irgendwann von selbst gar nicht mehr aufrichteten." So kaputt gefahren waren sie.

Schon im März 2013 hatte das Straßenverkehrsamt des Rhein-Neckar-Kreises die Montage der "Leitboys" angewiesen. Geredet wird über den Laubelt aber schon viel länger: "Sieben Jahre haben wir diskutiert. Es ist alles gesagt", so Höfer. Mit Branich IG-Vorsitzender Isolde Nelles habe es daher kein weiteres Gespräch über die Sitzungsvorlage vom 28. September gegeben, so Höfer. Über die Zählungsergebnisse habe er sie aber informiert. Immer wieder hat die Verwaltung die Verkehrsbewegungen im Laubelt erhoben und wurde auch dabei behindert. So sei das Messgerät ständig verdreht oder der Rohrpfosten, an dem es installiert war, einfach verbogen worden, wie Morast berichtete. So blieb dem Ordnungsamt gar nichts anderes übrig, als Wolfgang Ehrhard an den Laubelt zu stellen und quasi manuell zählen zu lassen. Das tat das Rathaus sogar nach der Öffnung des Branichtunnels, um abzuwarten, ob sich dadurch etwas ändert. Die Ergebnisse waren ernüchternd. Am 26. Juli fuhren in der Zeit von 6 bis 10.20 Uhr genau neun Autos in Richtung Stadt und zwei hoch zum Branich. Tags darauf, etwa in der gleichen Zeit, fuhren sogar 17 Fahrzeuge ins Tal und fünf auf den Berg. Selbst am 2. September, also in der Ferienzeit, waren es zwischen 6 und 11 Uhr genau zehn Verkehrsbewegungen gen Kernstadt und zwei in entgegen gesetzter Richtung. Im Laubelt werde also trotz des Tunnels noch immer gefahren, so Philipp. Um zu veranschaulichen, wie unmöglich er dieses Verhalten findet, griff Höfer zu einem Vergleich. In den Wohnstraßen am Ölberg komme ja auch keiner darauf, durch die Weinbergwege des Kuhbergs zur B 3 zu fahren. Zum Argument der Laubelt-Befürworter, der Branich brauche eine Notzufahrt für Rettungsdienste, wenn es im Ernstfall um Sekunden gehe, sagte der Bürgermeister: "Der Krankenwagen kommt heute aus Heidelberg, Mannheim oder Weinheim. Und da kennt keiner den Laubelt." Also solle die Feuerwehr dem Rettungsdienst ab dem Festplatz künftig über den Laubelt voraus fahren und oben am Blütenweg mit einem entsprechenden Schlüssel die festen Poller öffnen.

Durch Tunnel und Talstraße gebe es überdies auch gar keine Notwendigkeit, an einen Ausbau des Laubelt zur Durchgangsstraße zu denken, so Höfer. Auch liege der Verwaltung keine juristische Klage der Sperrungsgegner Frank Funcke und Hans-Jörg Goerlach vor. Diese hatten auch damit argumentiert, dass im Bebauungsplan zum Branich aus den Sechzigerjahren eine zweite Zufahrt über den Laubelt ausgewiesen sei. Daraus sei gar kein Anspruch abzuleiten, so Höfer. Außerdem stehe dem Bebauungsplan das Verkehrsrecht gegenüber: Nämlich die Installation der "Leitboys" als verkehrsrechtliche Anordnung. Diese allein hat aber offensichtlich nicht gereicht, um den illegalen Schleichweg zu schließen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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