30.09.2016

Gemeinderat Schriesheim beschließt Sperrung am Laubelt

Nach einem "Probejahr": Pfosten umgefahren, Verbot missachtet. Die Abfahrt solle deshalb mit festen Barrieren gesperrt werden

chriesheim. (sk) Etwas einsam stand der Kunststoff-Pfosten vor dem Bürgermeisterplatz im Halbrund der Ratstische. Die roten Streifen abgeschabt, das weiße Plastik übersät mit Schrammen, der Bereich oberhalb der Bodenbefestigung eingedrückt wie ein Joghurtbecher, machte der "Leitboy" einen schwer mitgenommenen Eindruck. In der Gemeinderatssitzung wartete er auf den Tagesordnungspunkt, der sich mit der Verkehrssituation am Laubelt befasste.

Zuvor stand er am Branich-Wendehammer, um die Autofahrer davon abzuhalten, den Weg verbotenerweise zu befahren, wurde allerdings mehrfach umgeknickt und überfahren. Die "überfahrbare" Sperrung wurde nach einer Gemeinderatsentscheidung im Juli 2015 noch für ein "Probejahr" an Ort und Stelle belassen, bemerkte Bürgermeister Hansjörg Höfer. Um festzustellen, wie viele Branichbewohner in dieser Zeit trotzdem die Abkürzung nahmen, habe die Stadt einen Zählautomaten aufgestellt, doch dem erging es nicht besser als den "Leitboys": Ständig sei das Gerät verdreht oder der Befestigungs-Pfosten verbogen worden. "Mit hoher Energie hat man verhindert, dass ich Ihnen aussagekräftige Zahlen präsentieren kann", beklagte der Rathauschef. Danach habe er Wolfgang Ehrhard zur Laubelt-Einfahrt geschickt, der an sechs Tagen mal vormittags, mal nachmittags den Verkehr vom und zum Branich zählte. Mit 17 Fahrzeugen an einem Morgen Ende Juli (vor Beginn der Sommerferien) wurde ein Spitzenwert erreicht, an zwei Nachmittagen Anfang August fuhr dagegen niemand die Strecke. Die Stichproben seien nur rudimentär, der Zustand des Pfostens spreche jedoch für sich, so Höfer: Die Abfahrt solle deshalb mit festen Barrieren gesperrt werden. Das sah auch die Mehrheit des Gemeinderats so. Robert Hasenkopf-Konrad (GL) fand, dass alle Argumente nach Jahren der emotional geführten Diskussion ausgetauscht seien und man nun sehe, dass der Weg nicht nur im Notfall genutzt werde. FW-Fraktionssprecher Heinz Kimmel musste an seine ersten Jahre als Stadtrat denken; schon vor 30 Jahren sorgte die Verkehrssituation am Laubelt für "hitzige Diskussionen". Da es seinerzeit die Freien Wähler waren, die den Antrag auf das Probejahr stellten, fand er es besonders schade, "dass man zu solchen Maßnahmen greifen muss, nur weil sich ein paar Autofahrer nicht benehmen können."

Michael Mittelstädt wies noch einmal auf die Rechtslage hin, nach der der Weg nur landwirtschaftlich genutzt werden dürfe. Die Kosten eines Ausbaus seien in einer Machbarkeitsstudie geschätzt und die Maßnahme abgelehnt worden. Der CDU-Fraktionssprecher war "extrem enttäuscht" darüber, dass alle Appelle, sich an das Durchfahrverbot zu halten, "ungehört ins Leere gegangen" seien. Leider genüge schon eine Handvoll Autofahrer, "um alles madig zu machen", nickte SPD-Fraktionssprecher Rainer Dellbrügge und erinnerte an den Bescheid des Landratsamts von 2013: "Wir haben dafür zu sorgen, dass die behördliche Anordnung umgesetzt wird." Auch Wolfgang Renkenberger (FDP) war frustriert. Ursprünglich gegenüber dem Anliegen der Notabfahrt aufgeschlossen, finde er nach den Vorfällen dieses Jahres keine Begründung mehr, um die "wenig liberale Lösung" einer festen Sperrung zu verhindern.

Künftig soll die Straße also mit festen Hindernissen gesperrt werden. Höfer erklärte, dass Feuerwehr und Rettungswagen im Notfall trotzdem auf den Branich kämen: Ortsunkundige Sanitäter müssten dann hinter der Freiwilligen Feuerwehr herfahren; oben könnte der Pfosten mit einem Dreikantschlüssel geöffnet werden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung