20.10.2016

Der Schriesheimer Ehering aus der Reilinger Karotte

Der Schriesheimer Ehering aus der Reilinger KarotteKuriose Entdeckung in Schriesheimer Pferdestall - Die Spur führt in die Umgebung von Reilingen

Von Carsten Blaue

Schriesheim/Reilingen. Der Schriesheimer Winzer und Kutscher, Peter Grüber, hätte diese besonders wertvolle Karotte wahrscheinlich schlicht übersehen, weil er sie einfach mit all den anderen in die Futtereimer für seine Pferde geschaufelt hätte. Glücklicherweise schaute seine Lebensgefährtin, Astrid Schöffler, etwas genauer hin. Und fand einen goldenen Ehering, in den die orangefarbene Wurzel kerzengerade hineingewachsen ist.

"Da war ich schon überrascht", sagt Schöffler. Und neugierig war sie natürlich auch, ob sie in dem Ring eine Gravur finden würde, der auf seine Besitzerin hinweist. Die Finderin geht davon aus, dass es eine Frau war, die ihn verloren hat: "Mir würde er jedenfalls passen", sagt sie. Aber sicher ist nichts in dieser Sache. Überhaupt dürfte es schwer werden, die Eigentümerin oder den Eigentümer wiederzufinden. Dennoch machten sich Grüber und Schöffler gemeinsam mit der RNZ auf Spurensuche.

Diese beginnt auf dem Aussiedlerhof der Familie Großhans in Reilingen. Hier holen Grüber und Schöffler immer die Möhren für die Pferde - und das gleich anhängerweise. Auch am vergangenen Donnerstag: "Aber der Hof ist so groß", sagt Grüber, "dass man unmöglich sagen kann, auf welchem Acker diese Karotte gewachsen ist." Von Karlsruhe bis Hockenheim bewirtschafte Karsten Großhans die Felder. Der Geschäftsführer hat am MIttwoch offenbar wenig Zeit, sich an der Aufklärung dieses besonderen Falles zu beteiligen. Jedenfalls bleiben mehrere Versuche, ihn zu erreichen, ergebnislos: "Besprechungen", heißt es. Eine Mitarbeiterin sagt immerhin, es sei ein wichtiger Hinweis, wann Schöffler die Möhren geholt habe. Da könne man die Felder eingrenzen, auf denen geerntet wurde.

Die Finderin hat das Gemüse derweil genau oberhalb des Eheringes abgeschnitten. Dieser steckt gut einen Zentimeter unter dem Ansatz zum Möhrenkraut fest. Der Wuchs der Karottenwurzel war so stark, dass sie den Ring an einer Stelle gebrochen hat. Peter Grüber hat sich eine große Lupe geholt und begutachtet ihn angestrengt wie ein Detektiv.

Denn tatsächlich finden sich undeutliche Initialen und eine Jahreszahl: "Ist das hier eine Eins oder eine Sieben? 19 oder 79?". Grüber ist nicht sicher. Also fährt er zu Juwelier Norbert Gross nach Dossenheim. Den ersten Buchstaben kann auch er nicht richtig erkennen. Es ist ein I oder ein J. Danach folgt die Inschrift "E.L. 79". Viel mehr Anhaltspunkte gibt es also nicht. "Aber wer soll denn bitte seinen Ehering auf einem Acker verlieren? So viele Möglichkeiten gibt es da ja wohl nicht", rätselt Grüber. Eine Landwirtin oder eine Erntehelferin vielleicht?

Ein Anruf beim Fundbüro der Gemeinde Reilingen ergibt gestern jedenfalls auch nichts: "Für einen Ehering hatten wir noch nie eine Anfrage", heißt es da. Die für Fundsachen zuständige Mitarbeiterin im Rathaus von Hockenheim ist gleich Feuer und Flamme: "Schicken Sie mir mal ein Bild." Vor zwei Jahren sei ein goldener Ehering als verloren gemeldet worden: "Und zwar von einer Frau." Unterlagen gebe es zwar keine mehr. Aber vielleicht könne sich eine Kollegin erinnern. Mit der werde sie mal sprechen. Vielleicht findet der Ehering aus der Karotte ja doch noch zu seiner Eigentümerin zurück.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung