04.11.2016

Zur Feier gibt's Schriesheimer Sylvaner: Winzer-Jubiläum für Georg Bielig

Winzer Georg Bielig hat in diesem Herbst seinen 25. Jahrgang eingefahren. Aus diesem Anlass gibt es einen Jubiläums-"Sylvaner". Für ihn kam keine andere Rebsorte in Frage.

Von Carsten Blaue

Schriesheim. Es war ein Lesetag wie aus dem Bilderbuch. Kühl war es, und die Herbstsonne schien aus allen Knopflöchern. Das passte zum Anlass. Am vergangenen Montag hat Georg Bielig im Laubelt Silvanertrauben aus einer rund sechs Jahre jungen Anlage mit einem Mostgewicht von 100 Grad Öchsle geerntet, die nach dem Pressen 1250 Liter Rebensaft ergaben. "Das hat so richtig Spaß gemacht", sagt der Winzer mit einem Lächeln. Dass er die Partie extra lange hängen ließ, hat einen Grund. Bielig hat dieses Jahr seinen 25. Jahrgang geerntet, und was lag da näher, als dieses Jubiläum mit einem ganz besonderen Wein zu feiern?

Er hat sich nicht verzockt

Es sollte ein Silvaner sein. Nichts anderes kam für den 40 Jahre alten Winzer in Frage als diese traditionelle Schriesheimer Rebsorte mit ihrem einzigartigen Charakter: "Außerdem habe ich selbst im Jahr 1992 damit angefangen." Und dann auch noch aus dem Laubelt, in dessen Nähe sich die Weinberge der Familie befanden. Schon damals, zu Beginn seiner Ausbildung, kannte der 15 Jahre junge Georg den Willen seines Vaters Erhard, dass er mal die elterlichen Reben übernehmen soll.

Heute ist Bielig ein gestandener Winzer mit jeder Menge Erfahrung. So war ihm nach der Hauptlese zwar nicht bange um seine Jubiläumstrauben: "Aber etwas gezittert habe ich schon." Immerhin waren seitdem 100 Liter Regen gefallen, und die Beerenhäute waren schon extrem dünn: "Der Silvaner ist jedoch robust genug. Außerdem darf man bei der Kür schon etwas pokern", sagt Bielig. Er hat sich nicht verzockt.

Inzwischen gärt der Most in einem Edelstahltank, um sich danach in einem großen Holzfass ganz in Ruhe und mit viel Zeit zu entfalten. Zum Herbst 2017 kommt der gute Tropfen auf die Flasche und in den Verkauf - als Schriesheimer "Sylvaner". Auch hier ist Bielig ganz traditionsbewusst.

Mit gerade mal 18 Jahren hat er seinen Betrieb in der Talstraße gegründet. Seinerzeit war er noch in der Lehre. Am Anfang bewirtschaftete Bielig drei kleine Weinberge mit 25 Ar. Er hatte ein paar Fässer und eine alte Kelter. Er bezog Keller der Nachbarschaft mit ein, lagerte Holzfässer auch mal einfach nur auf dem Hof oder machte Garagen zu Kelterräumen und Weinlagern. Die ganzen Geschichten rund um die Weine aus dem "Château Garage" sind legendär. Vor zehn Jahren folgte der Umzug in den neuen Aussiedlerhof in den Feldern zwischen Schriesheim und Dossenheim. Heute gehören zum Weingut der Familie Bielig rund 4,5 Hektar Rebfläche. "Der Wein begleitet mich schon mein Leben lang", sagt Bielig. Winzer zu sein, genieße er. Auch wenn es Licht und Schatten gebe, wie in jedem Beruf. Licht, wenn man an die tollen Weinlesen der Neunzigerjahre denkt. Schatten, wenn es mal Katastrophenjahrgänge gab: "Aber die sind alle verkauft", grinst Bielig.

Im Jahr 2009 wurde er erstmals in den "Eichelmann", also in das Standardwerk zum deutschen Wein, aufgenommen. Der Ritterschlag. Bielig hat darin inzwischen seinen festen Platz. "Das bedeutet mir auf jeden Fall etwas", sagt er. Feedback bekomme er zwar von seinen Kunden. Aber hier gehe es auch um den Vergleich mit Kollegen. Das gebe einerseits Bestätigung. Andererseits grüble er aber auch, was er noch besser machen könnte, gesteht der Winzer. Doch sein Credo steht fest: Weine müssen ein stimmiges Preis-Leistungs-Verhältnis haben und bezahlbar sein: "Verrückte Weine kann ich nicht jeden Tag trinken." Nichts für jeden Tag dürfte auch sein Jubiläums-Sylvaner werden. Aber nicht, weil es ein "verrückter Wein" werden dürfte, sondern eben ein besonderer.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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