13.12.2016

Viel Frustration bei den Flüchtlingshelfern: Es sind weniger Freiwillige geworden

Ihre Situation war Thema bei der Kreisversammlung der Grünen.

Schriesheim. (sk) "Das ist unsere letzte Zusammenkunft in diesem Jahr", sagt der Landtagsabgeordnete Uli Sckerl zu Beginn der Kreisversammlung der Grünen im "Hirsch"-Saal. Es geht um die Flüchtlingssituation aus Sicht der ehrenamtlichen Betreuer. Ursula Prandhoff und Friedel Zinn berichten aus Schriesheim. In Zinns Worten schwingt viel Enttäuschung mit: "Wir waren am Anfang sehr euphorisch, hatten noch keine schlechten Erfahrungen gemacht." Im Hinblick auf die Betreuung durch Sozialarbeiter laufe allerdings "null".

Die Suche nach Wohnungen werde mittlerweile von Isabel Herschel koordiniert. Sckerl ergänzt, dass das Land für drei Jahre die Stellen der Integrationsbeauftragten in den Kommunen finanziert. Doch etwas anderes frustriert Zinn: Etwa, dass viele arbeiten wollten, ihnen aber die Voraussetzungen fehlen: "Ich habe den Eindruck, das kostet den Steuerzahler eine Menge Geld, bringt aber nichts." Außerdem seien die Integrationskurse zu anspruchsvoll, weil viele Flüchtlinge Analphabeten seien.

Während die Zusammenarbeit mit den Jobcentern gut laufe, sei sie bei den Ausländerämtern "eine Katastrophe: "Nie bekommt man jemanden ans Telefon", schildert er unnötige Lauferei und zu wenig Kommunikation der Behörden. Prandhoff geht auf das Schicksal eines Jungen ein, über dessen auffälliges Verhalten es Beschwerden der Schule gab, Nun werde ihm mit Ergo- und Psychotherapie geholfen: "Er öffnet sich langsam."

Fadime Tuncer von der Flüchtlingshilfe Schriesheim spricht von aktuell 30 Helfern. Prandhoff merkt an: "Wir waren mal 50. Es sind weniger geworden." Sie und Zinn haben erlebt, dass viele Neuankömmlinge mit überzogenen Erwartungen hergekommen seien, mit großen Wohnungen oder hohen Kindergeld-Zahlungen rechneten. Prandhoff erklärt: "Wir müssen ihnen klarmachen, dass es auch in Deutschland Armut gibt."

Sckerl findet die Sozialbetreuung "aus unserer Sicht ungenügend" und setzt auf mehr Druck aus den Gemeinden: "Die Bürgermeister müssen sich zusammensetzen." Trotzdem kritisiert er, dass die Integrationsbeauftragten in manchen Rathäusern auch für andere, "fachfremde" Aufgaben eingesetzt würden. Vorbildhaft sei Dossenheim, dessen Bürgermeister Hans Lorenz sich "von Anfang an dahintergeklemmt" habe.

Andrea Schieder und Max Keller helfen in Ladenburg: In der dortigen Anschluss-Unterbringung leben 130 Personen, Familien und alleinstehende Männer. 150 Helfer seien eingetragen, aber nur 60 seien wirklich "Aktive", die zusammengerechnet schon mindestens 30.000 Stunden gearbeitet hätten: "Manche haben sich in den zwei Jahren völlig verausgabt. Trotzdem ist die Stimmung gut."

Am besten würden sich Familien vom Balkan integrieren, doch die würden nun abgeschoben, trotz Lehr- oder Arbeitsstellen. Keller sagt: "Die Ehrenamtlichen wissen am besten, welche Menschen aus sicheren Herkunftsländern hier ’funktionieren’." Wenn aber in ganzen Familien geklaut und die Kinder nicht zur Schule geschickt würden, wenn viele vorbestraft seien, "dann wollen die auch nicht. Dann sind wir gottfroh über die Abschiebung."

Das größte Problem sei der Wohnraum; nächstes Jahr seien weitere 80 Personen unterzubringen. Sckerls Lösung: "Bauen." Was die Abschiebungen angeht, stellt er die Gesetzeslage dar: "Es ist politischer Wille, dass es gegenüber Menschen aus sicheren Herkunftsländern keine aufenthaltsverfestigenden Maßnahmen geben darf." Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner spricht sich deshalb im Falle von Menschen, die schon jahrelang hier sind, für eine "vernünftige Altfall-Regelung" aus.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung