12.01.2017

Am heutigen Mittwoch werden die Akten des Schriesheimer Grundbuchamts abtransportiert

Künftig ist das Amtsgericht Mannheim zuständig. Was das Notariat angeht, bleibt dieses Jahr noch alles beim Alten.

Schriesheim. (sk) Staubig und kahl stehen die Aktenschränke aus Metall da; der Blick fällt durch die Tür auf das Archiv und seine meterlangen Hängeregistraturen. Auch hier ist alles ausgeräumt, nur noch ein paar leere Aktenmappen hängen an den Bügeln. "Es ist ernüchternd", sagt Wilhelm Körbel und blickt auf die Überreste des einstigen Schriesheimer Grundbuchamts. Seit dem Spätjahr war der Amtsleiter zusammen mit zwei Helfern beschäftigt, das Ganze, wie es oft herzlos heißt, "abzuwickeln". Wochenlang wurde nach einem vorgegebenen Schema alles in Kartons gefüllt, in denen Grundbücher und Sondergrundbücher landeten, Jahrzehnte, zum Teil ein Jahrhundert alt.

Gestern wurde der letzte von insgesamt 640 Kartons gepackt und in den Keller gefahren, heute werden sie auf 30 Europaletten geladen und abtransportiert. Der Umzug ist Teil einer landesweiten Maßnahme, überall werden die Ämter in den Gemeinden aufgelöst: Die 600 Grundbuchämter in Baden-Württemberg werden zentralisiert in 13 "Grundbuch führende Amtsgerichte". Die Schriesheimer Akten kommen nach Mannheim, dessen Amtsgericht in Zukunft nicht nur für die Quadratestadt, sondern auch für Wiesloch, Heidelberg, Schwetzingen, Weinheim und alle Gemeinden "dazwischen" zuständig ist.

Vor Ort wird lediglich eine "Grundbuch-Einsichtsstelle" verbleiben, doch zuvor, sagt Körbel, werde auch der Amts-Server "platt gemacht": "Alle Dateien werden runtergezogen und kommen ebenfalls nach Mannheim." 36 Jahre lang arbeitete er im Grundbuchamt, kümmerte sich um den Umzug und die nach wie vor eingehenden Anfragen: "In der letzten Woche musste immer jemand in den Keller gehen und dort nach der passenden Akte suchen."

Kürzlich war er abends noch allein im Büro und wurde melancholisch beim Anblick der traurigen Überreste. Die Arbeit im Grundbuchamt habe ihm immer Freude gemacht, sagt Wilhelm Körbel: "Sie ist schon sehr speziell. Entweder man liebt sie oder man hasst sie." Für ihn gilt Ersteres.

Wie die Räume in Zukunft verwendet werden, weiß er nicht. Es gäbe genug Platz für das Archiv des Hauptamts, man könnte aber auch mehrere Büros einrichten. Der Altenbacher selbst will in anderthalb Jahren in Pension gehen; nach wie vor leitet er das Standesamt, in dem auch Ute Waterstraat und Nina Marouzé arbeiten. Trotzdem sagt er: "Mein Hauptjob ist weg. Ich werde sehen, wo mich die Verwaltung jetzt einsetzt."

Ob die Zentralisierung auch im Sinne der Bürger sein wird, weiß er nicht. Soweit es den Service angeht, scheint es allerdings noch recht holprig zu laufen: "Eine Frau aus Sandhausen hat erzählt, dass sie da schon oft angerufen hat und nicht durchkommt. In der Zentrale ist immer besetzt."

Soweit es das Notariat angeht, bleibt dieses Jahr noch alles beim Alten für die Schriesheimer: Jeden Donnerstag kommt entweder Sebastian Zander oder Steffen Ott aus Weinheim zum Beurkunden. 2018 wird sich auch das ändern: Dann soll es nur noch private Notariats-Kanzleien geben und keine beamteten Notare mehr. Vielleicht, überlegt Körbel, könnten sich die beiden auch ein Büro im Rathaus mieten: "Das wäre eine Win-Win-Situation."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung