01.02.2017

Schriesheim: Neuer Wohnraum und Anschluss-Unterbringung von Flüchtlingen haben Priorität

Die Kommune rechnet mit der Zuweisung von bis zu 130 Flüchtlingen. Platz soll auch für junge Familien geschaffen werden.

Von Carsten Blaue

Schriesheim/Rhein-Neckar. In der Weinstadt an der Bergstraße gibt es eine ganz spezielle Zeitrechnung: vor und nach dem Mathaisemarkt. Das erste große Volksfest in der Region, dieses Jahr vom 3. bis 12. März, ist Schriesheims Zäsur. Entweder, etwas passiert vorher oder eben später. Egal wie: Auch 2017 hat die Stadt einige Themen zu bieten.

Schon zu Jahresanfang musste eine Kommission aus Gemeinderat und Verwaltung eine wichtige Personalie klären. Nach nur etwas mehr zwölf Monaten hatte Stadtbaumeister Markus Foltin die Verwaltung in Richtung Heidelberg wieder verlassen. Neun Kandidaten bewarben sich um die Nachfolge, das Ergebnis der Bewerbungsgespräche ist noch nicht bekannt.

Unter Foltins Regie hatte im vergangenen Jahr die Sanierung des großen Zehntkellers der Stadt begonnen. Dieser soll pünktlich zur Vorstellung der künftigen Weinhoheiten am 24. Februar fertig werden - also vor dem Mathaisemarkt. Dann kann man das runderneuerte Gewölbe bewundern. Die alten Fässer wurden abgerissen, ein zweiter Fluchtweg wurde gebaut und der Thekenbereich verlagert. Dazu ein neues Beleuchtungskonzept und die Freilegung des alten Gemäuers. Bei einer Begehung sah das alles schon viel versprechend aus. Allerdings scheint noch völlig offen, welche Möglichkeiten Caterer in Zukunft in Schriesheims guter Stube haben werden - der bisherige tritt beim Mathaisemarkt jedenfalls nicht mehr an.

Von besonderer Priorität ist dieses Jahr aber, wie auch in anderen Städten der Region, die Schaffung von Wohnraum im Rahmen der kommunalen Anschlussunterbringung von Flüchtlingen. Das Schriesheimer Rathaus rechnet mit der Zuweisung von bis zu 130 Personen. Für sie sollen Wohnungen gemietet, gebaut oder gekauft werden. Über die Varianten entscheidet im Einzelfall ein Arbeitskreis. Der Erwerb von Wohnraum wäre für die Stadt ein Paradigmenwechsel, nachdem in den vergangenen Jahren vor allem der Verkauf von Gebäuden forciert wurde.

Platz soll auch für junge Familien geschaffen werden. In Schriesheims Ortsteil Altenbach plant die Baugenossenschaft Familienheim Rhein-Neckar eG ein nicht unumstrittenes Baugebiet mit 15 Häusern. Ortsvorsteher Herbert Kraus will dieses Projekt - auch weil die kleine Grundschule am Ort immer weniger Schüler hat. Insgesamt aber wächst Schriesheim. Zu Jahresanfang hatte die Stadt genau 15.079 Einwohner.

Die künftige Bauamtsleitung wird sich darüber hinaus mit dem Neubau eines Kindergartens beschäftigen müssen. Außerdem bekommt Schriesheim einen neuen Schülerhort. Der Vorgängerbau, ein alter Schulpavillon mitten in der Altstadt, wurde vergangenes Jahr abgerissen. Dabei gab es Probleme mit Schadstoffen, Fundamenten und elektrischen Anschlüssen, was zu Verzögerungen im Zeitplan und höheren Kosten führte.

Außerdem laufen in der Stadt zwei große Tiefbaumaßnahmen in Wohnstraßen. Hier werden Abwasserkanäle und Wasserleitungen erneuert und schließlich die Fahrbahnbeläge. Ein Thema bleibt auch die Sanierung und künftige Gestaltung der Talstraße. Seit der Öffnung des Branichtunnels wird diese nur noch ausnahmsweise als Ortsdurchfahrt gebraucht. In einigen Abschnitten ist sie völlig kaputt und muss saniert werden.

Geht es nach der Stadt, dann übernimmt das Land Baden-Württemberg die Reparatur möglichst vollständig. Schließlich war die Talstraße bislang als "L 536" ausgewiesen. Über die Frage der Kostenverteilung ist das letzte Wort noch nicht gesprochen - und ebenso wenig darüber, wer die Sanierung von zwei maroden Brücken in diesem Bereich bezahlt.

Fest steht der kommunalpolitische Wunsch, dass in der Talstraße endlich auch Platz für Fußgänger und Radfahrer geschaffen wird. Auch städtebaulich soll längs der ehemaligen Ortsdurchfahrt etwas tun, einem alten Kernbereich der Stadt. Dafür wurde ein Sanierungsgebiet ausgewiesen, das mit der Aussicht auf Landesförderungen Anreize für Investitionen schaffen soll.

Noch nicht abgehakt ist die Frage, ob Schriesheim in seiner großen Forstgemarkung einen Bestattungswald ausweisen wird. Das bisher ins Auge gefasste Areal zwischen Altenbach und Wilhelmsfeld fiel in einem bodenkundlichen Gutachten durch. Jetzt will der Gemeinderat prüfen, ob es eine Alternative zu diesem Gelände gibt.

Kaum noch Chancen eingeräumt werden dagegen einer großen Lösung für die architektonische Um- und Neugestaltung des Bildungszentrums, dessen Gebäudeteile aus den Siebzigerjahren stammen. Seit einer von viel Euphorie begleiteten Machbarkeitsstudie stehen dafür Kosten in Höhe von 40 bis 70 Millionen Euro im Raum. Zum Vergleich: Der Entwurf des Schriesheimer Vermögenshaushalts für Investitionen sieht in diesem Jahr ein Gesamtvolumen bei den Ausgaben in Höhe von 6,4 Millionen Euro vor. Bürgermeister Hansjörg Höfer sagte zu, sich weiter um Fördermöglichkeiten zu bemühen. Doch die Gemeinderatsfraktionen halten das Schulbauprojekt angesichts der anderen Aufgaben momentan für nicht finanzierbar.

Sicher wird in diesem Jahr auch weiter über die geplante Flurneuordnung zwischen Schriesheim und Dossenheim diskutiert, die inzwischen sowohl bei Umweltschützern, als auch bei Winzern umstritten ist.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung