02.02.2017

Mathaisemarkt-Kunstausstellung 2017: Spiel von Licht und Schatten im alten Gemäuer

Mathaisemarkt-Kunstausstellung 2017: Spiel von Licht und Schatten im alten Gemäuer"Bilder aus der Sternwarte" ist der Titel der diesjährigen Mathaisemarkt-Kunstausstellung mit Werken von Walter Stallwitz.

Schriesheim. (sk) "Künstlerisch zu Hoffnungen berechtigt, falls er nicht verhungert im prosperierenden Deutschland": Oskar Kokoschka schrieb diesen Satz einst über Walter Stallwitz, der bei ihm 1956 eine Sommerakademie besuchte. Verhungert ist er nicht, sondern zählt mittlerweile zu den Größen der Mannheimer Kunstszene; davon kann man sich bald in Schriesheim überzeugen, denn der Kulturkreis lud Stallwitz zur diesjährigen Mathaisemarkt-Kunstausstellung ins Haus der Feuerwehr ein, und er sagte zu.

1929 geboren, studierte Stallwitz an der Freien Kunstakademie Mannheim; 1985 gehörte er zu den Wieder-Gründern der Hochschule, an der er bis 2004 Zeichnen unterrichtete. Die Ausstellung hat den Titel "Bilder aus der Sternwarte" und weist darauf hin, dass Stallwitz’ Atelier seit 1958 an einer besonders exponierten Stelle in der Quadratestadt zu finden ist: Wie schon seine Lehrer malte und malt er in der Sternwarte, einem von Mannheims ältesten Gebäuden.

Es kommt auch vor, dass er das Bauwerk selbst malt: Tageslicht, das durch ein Sprossenfenster fällt, das Spiel von Sonne, Schatten und flimmernden Farben spielen die Hauptrolle in dem 2009 entstandenen Gemälde aus dem Treppenhaus. Im Atelier entstanden auch seine politischen Werke, "Schlingen"- und Schattenbilder, in denen er in lebhafter Farbigkeit dem Problem der Vereinsamung des Menschen nachspürt.

Bekannt geworden sind auch seine Porträts: Er stellt bekannte und unbekannte Zeitgenossen dar, die zumeist dem Betrachter zugewandt sitzen und ihn direkt anblicken. Von Willy Brandt gibt es eine Lithografie aus dem Jahr 1975, die den Bundeskanzler mit offenem Blick darstellt.

Die Kreidezeichnung von Günther Grass, zehn Jahre früher entstanden, ist schlicht, aber sehr wirkungsvoll. Pastellig, mitunter abstrakt gestaltete der Maler dagegen 1963 die Türen der Sickinger-Schule; sein erster Auftrag für "Kunst am Bau" machte aus den nüchternen anthrazitfarbenen Klassenzimmertüren kleine Kunstwerke.

Büffel, Pinguine und Schneeleoparden, Reagenzgläser oder Landkarten zeigten, um welches Fach es im jeweiligen Raum ging. Die Werke überlebten den Abriss der Schule und sind heute in einem Depot.

Bis 1963 war Stallwitz zudem als Illustrator für die Deutsche Zeitung tätig, sammelte Preise und Stipendien im In- und Ausland, unternahm Reisen nach Indien und Marokko und stellte in der Kunsthalle Mannheim aus, in Düsseldorf, Landau, Speyer und Ludwigshafen.

Seine Werke gehören heute zu den Sammlungen renommierter Museen, er bekam zahlreiche Auszeichnungen. Nicht alle Ehrungen, die Stallwitz in seinem langen Leben erhielt, nahm er auch an; so gab er 1994 das ein Jahr zuvor erhaltene Bundesverdienstkreuz wieder zurück - aus Unzufriedenheit mit der Asylpolitik der Bundesregierung.

Die Bilderschau mit dem Titel "Bilder aus der Sternwarte - Gemälde und Graphiken von Walter Stallwitz" wird am Freitag, 3. März, um 17 Uhr mit einer Vernissage eröffnet. Barbara Gilsdorf, Kulturreferentin der Stadt Schwetzingen, stellt die Werke des Künstlers vor. Zu sehen ist die Ausstellung samstags von 12 bis 19 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr sowie Montag, Dienstag und Freitag von 16 bis 19 Uhr.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung