08.03.2017

Gute Musik, zu wenig Resonanz bei Schriesheimer Mathaisemarkt-Montag

"Von Schriesemer für Schriesemer" heißt die Nachfolge-Veranstaltung des einstigen "Vereinsabends" am Mathaisemarkt-Montag. Leider gab es ein paar "Kinderkrankheiten".

Von Stephanie Kuntermann

Schriesheim. Es dürfte wohl kaum einen Moment geben, der im wahrsten Sinne des Wortes entblößender ist: Vor dem Haus der Liebsten ohne Kleidung zu stehen. Dieter "Bluesgosch" Reinberger ist das nicht peinlich, ganz im Gegenteil, er hat sogar einen Bluessong daraus gemacht, in dem er sein Erlebnis "Uff de Läder ohne Kläda" in rustikale Reime kleidet, mit einer eingängigen Melodie unterlegt und mit einem Gitarrensolo garniert. Petra Arnold-Schultz, Jürgen "Mojo" Schultz, Klaus Pelzer und die "Huhu-Mädels" Katerina Gein und Claudia Böhmer kleiden das Ganze mit Instrumenten und Stimmen in einen mitreißenden Bluessound, den man von Auftritten erst in der "Pfalz" und dann im "Goldenen Hirsch" kennt. Jetzt feiern sie beim Mathaisemarkt Festzelt-Premiere: "Von Schriesemer für Schriesemer" ist der grammatikalisch nicht ganz korrekte Name für die Veranstaltung, die die Nachfolge des einstigen "Vereinsabends" am Mathaisemarkt-Montag angetreten hat. Leider mit ein paar "Kinderkrankheiten".

So fehlt ein Moderator, der den Abend irgendwie zusammenhält; zudem ist es streckenweise einfach zu hell im Zuschauerraum. Trotzdem schaffen es Reinberger und Band, das Zelt warmzuspielen. Traditionsgemäß beschließt der "Hoina" den Auftritt des Mundartkünstlers, und als er das Lied anstimmt, wird überall begeistert mitgesungen.

Besonders lautstark am Tisch der Jugendgemeinderäte, die sichtlich gut gelaunt in den Abend starten. Der wird klangstark vom Fanfarenzug "Schriesheimer Löwen" fortgesetzt, der in geschlossener Formation ins Zelt ein- und ausmarschiert; zwischendurch kommt ein kurzes Grußwort von Bürgermeister Hansjörg Höfer und den Weinhoheiten. Vor allem an den hinteren Tischen ist noch ziemlich viel Platz, auch wenn die Besucher kommen und gehen.

Manche haben sich offenbar vorgenommen, nur für das Gastspiel von "TBBT" zu kommen. "The Bigband Theory" heißt die Schulband des Kurpfalz-Gymnasiums, deren neue Leiterin, Rebecca Ohlig, die Soli der vielen begabten Instrumentalisten ankündigt. Glenn Millers wunderbarer Standard "In The Mood" gehört bei den Schülern ebenso auf die Setliste wie "Treasure" von Bruno Mars oder Otis Reddings Ohrwurm "Respect", dem Sängerin Fenja Rothfels ihre schöne Stimme leiht.

Danach wird das Licht gedimmt, Trockeneisnebel wabert, rote Scheinwerfer tauchen die Bühne in geheimnisvolles Licht: Shazadi und Senay vom TV Schriesheim zeigen ihre Bauchtanz-Show, die vor allem das männliche Publikum mit viel Grazie und gekonnten Hüftschwüngen verzaubert.

Die letzte Stunde des Abends ist den "Straßenpoeten" vorbehalten, einer Deutschrock-Band, die nach einem aufwändigen Soundcheck schließlich doch noch loslegt; vielleicht hat sich der Tontechniker verschätzt, vielleicht fehlt nun endgültig Publikum. Jedenfalls beginnen die vier Gitarristen und der Schlagzeuger mit einem so mächtigen Geräuschpegel, dass die sicherlich intelligenten Strophen von "Du bist so mainstream" oder "Zehntausend" einfach untergehen.

Mancher hält sich schützend die Hände vor die Ohren, andere verlassen fluchtartig das Zelt - man hätte den engagierten jungen Männern etwas anderes gewünscht.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung