17.03.2017

Ein Pflastergeldstreit störte einst die Harmonie zwischen Ladenburg und Schriesheim

Im 18. Jahrhundert führten Ladenburg und Schriesheim eine erbitterte Fehde - Heute necken sich die Städte höchstens noch

Das Schönste an Ladenburg sei der Blick an die Bergstraße nach Schriesheim, witzelte Schriesheims Altbürgermeister Peter Riehl in den 1970er Jahren. Wirkliche Feindschaft besteht zwischen den beiden Städten nicht mehr. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit gingen die Kommunen aber nicht gerade zimperlich miteinander um. Foto: Sturm

Von Axel Sturm

Ladenburg/Schriesheim. Gute nachbarschaftliche Beziehungen zwischen den Kommunen sind heute beinahe selbstverständlich. Die Bürgermeister treffen sich zum Beispiel regelmäßig im Bürgermeistersprengel oder arbeiten zusammen, wenn es um die touristische Vermarktung geht. Ladenburg teilt sich mit Ilvesheim einen Hubsteiger, der etwa für die Anbringung der Weihnachtsbeleuchtung genutzt wird. Gerne verweisen die Bürgermeister Rainer Ziegler und Andreas Metz auf diese Zusammenarbeit.

Auch das Verhältnis mit Schriesheim ist mittlerweile sehr gut. Schon vor 20 Jahren arbeiteten die Bürgermeister Rolf Reble aus Ladenburg und sein Schriesheimer Amtskollege Peter Riehl an der Gründung eines gemeinsamen Bauhofs, der am Rosenhof zwischen den Kommunen entstehen sollte. Das Projekt wurde aber nie verwirklicht. Streit zwischen den Nachbarkommunen gibt es schon lange nicht mehr. Waren in den 1970er Jahren die Fußballduelle zwischen dem FV 03 Ladenburg und dem SV Schriesheim noch regelrechte Schlachten, und pflegten auch die beiden Kraftsportvereine damals eine echte Rivalität, necken sich die Ladenburger und Schriesheimer heute höchstens einmal. So prägte Schriesheims Alt-Bürgermeister Peter Riehl einst den Spruch: "Das Schönste an Ladenburg ist der Blick nach Schriesheim."

Was heute witzig gemeinte Kommentare sind, hatte vor einigen Jahrhunderten noch einen ernsten Hintergrund. Damals sah das Verhältnis der beiden Städte noch ganz anders aus. Im Mittelalter gingen beide Kommunen nicht sonderlich freundlich miteinander um. Die Schriesheimer, die von den Ladenburgern gerne "Winterbären" genannt wurden, waren damals ein wenig neidisch auf ihre Nachbarn. Das Städtchen am Neckar wurde schon wegen seiner strategisch günstigen Lage von den Römern geschätzt, während das Dorf am Rande des Odenwalds eher ein Schattendasein fristete. Am Steueraufkommen und an den prächtigen Bauten - Ladenburg war einst Sitz der Bischöfe von Worms - war der Wohlstandsunterschied abzulesen.

Die Ladenburger waren nicht gerade zimperlich, wenn es um die Schriesheimer ging, wie der Pflastergeldstreit von 1780 zeigt. Alle Händler, die das Ladenburger Straßenpflaster befahren wollten, mussten damals ein sogenanntes Pflastergeld entrichten. Am Schriesheimer Tor war dafür eigens eine Mautstelle aufgebaut. Auch die Schriesheimer Müller, die ihr Mehl nach Ladenburg brachten, sollten diesen Wegzoll bezahlen. Das wollten sie aber nicht hinnehmen und verklagten die Stadt Ladenburg. In erster Instanz lehnte das Kurpfälzische Hofgericht die Klage ab. Das wollten sich die Schriesheimer aber nicht gefallen lassen. Und so drehten sie den Ladenburgern die Wasserzufuhr des Kanzelbachs ab. Die Rautenthaler Mühle und die Stadtmühle mussten daraufhin ihre Produktion einstellen.

Das ausgetrocknete Bachbett stank derart, dass die Bürger der Altstadt die Verwaltung zum Handeln aufforderten. Die Kommunenvertreter jedoch blieben stur. Erneut wurde das Hofgericht bemüht. In zweiter Instanz bekamen die "Winterbären" dann recht.

Die Ladenburger wurden dazu verurteilt, das erhobene Pflastergeld an die Schriesheimer zurückzuzahlen. Denen wiederum wurde untersagt, den Ladenburgern das Wasser abzudrehen. Damit endete der Pflastergeldstreit, und er wurde bis heute nicht mehr aufgenommen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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