22.03.2017

Schriesheim: Problem mit ärztlichem Bereitschaftsdienst - Patient bleibt ungehört

Schriesheimer wandte sich vor einem Monat mit Herzinfarkt-Symptomen an ärztlichen Bereitschaftsdienst - Bis heute ohne Antwort

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Michael Treml wachte mitten in der Nacht zum 21. Februar mit Schmerzen im Brustkorb auf. Zunächst dachte er, er habe komisch gelegen. Doch die Schmerzen wurden heftiger. "Und dann merkte ich, dass ich immer kürzer atmete", erinnert er sich. Waren das die Symptome eines Herzinfarkts?

Treml griff zum Telefon und wählte die 116117, die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes. "Ein Mitarbeiter hat mit mir gesprochen, meine Symptome aufgenommen und meine Adresse erfragt", sagt Treml, "dann hieß es, ein Arzt würde sich bei mir melden." Auf diesen Rückruf wartet er bis heute.

Auf den Beschwerdebrief gab es keine Rückmeldung

"Zum Glück hat sich mein Zustand dann stabilisiert", sagt Treml. Er habe daher später auch nicht noch einmal die 112 angerufen, die für lebensbedrohliche Situationen die richtige Nummer ist. "Aber was wäre, wenn das tatsächlich ein Herzinfarkt gewesen wäre?", fragt er, "dann hätte ich ja schlecht noch einmal anrufen können." Sein Schriesheimer Hausarzt diagnostizierte später einen gequetschten Nerv, Tremls Zustand verbesserte sich wieder.

Doch der 50 Jahre alte Schriesheimer ist kein Einzelfall: Die RNZ hatte bereits im November über eine 31-Jährige aus Mückenloch berichtet, die unter der 116117 fast 30 Minuten brauchte, um einen Notruf für eine 86-Jährige mit einem leichten Schlaganfall abzusetzen. Im Internet ist in mehreren Fällen von ähnlichen Erlebnissen die Rede.

Vor der Zentralisierung des Dienstes mussten Patienten je nach Region unterschiedliche Nummern anrufen. Jeder Arzt war damals verpflichtet, beim Bereitschaftsdienst mitzumachen. Heute ist die Teilnahme freiwillig.

Zwar ist der ärztliche Bereitschaftsdienst nicht als erste Anlaufstelle für Notrufe in lebensgefährlichen Situationen gedacht. Doch wie im Mückenlocher Fall wurden Anrufer zumindest an die 112 weiterverwiesen. "Wenn die mir das gesagt hätten, hätte ich das auch getan", sagt Treml. Ihm sei aber nur explizit zugesichert worden, dass sich ein Arzt bei ihm melden werde. Danach blieb Treml noch zwei Stunden wach - von 1.50 Uhr bis kurz vor vier Uhr morgens. Nichts tat sich.

Für den Bereitschaftsdienst verantwortlich ist die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg. Deren Pressesprecher Kai Sonntag verwies gestern darauf, dass die Anrufe der bundesweit einheitlichen Nummer 116117 bei den regionalen Leitstellen eingingen - im vorliegenden Fall also in der integrierten Leitstelle Rhein-Neckar in Ladenburg. "Die entscheidet dann, was danach passiert", so Sonntag.

Diese habe Tremls Fall aber an den diensthabenden Arzt weitergeleitet, sagt Ralf Dussinger, Sprecher des DRK-Kreisverbands Heidelberg und Leiter des Rettungsdienstes: "Wir haben ihn einmal erfolglos um 1.53 Uhr kontaktiert, dann noch einmal um zwei Uhr." Tremls Symptome und Adresse seien dem Arzt mitgeteilt worden. "Dort endet unsere Zuständigkeit", sagt Dussinger, "wir sind in diesem Fall nur Vermittler."

KVBW-Sprecher Sonntag sicherte zu, sich um Aufklärung zu bemühen, wenn der Betroffene den Arzt von seiner Schweigepflicht entbinde.

Michael Treml wandte sich nur zwei Tage nach dem Vorfall mit einer schriftlichen Beschwerde an den ärztlichen Bereitschaftsdienst in Heidelberg. "Ich habe das an die Adresse in der Alten Eppelheimer Straße geschickt", sagt er, "auch da gab es bis heute keine Antwort." Kai Sonntag sagt dazu nur: "Möglicherweise können die gar nichts damit anfangen, er war ja nie persönlich dort."

Treml hat jedenfalls entschieden, dass er sich nicht mehr an die 116117 wenden wird. "Das war auf gut Deutsch eine Schweinerei", sagt er. Über eine Entschuldigung - von wem auch immer - würde er sich dennoch freuen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung