19.04.2017

Plastikeier zu Höchstleistungen angefeuert

Über 1200 nummerierte Eier traten im Kanzelbach an - Hauptgewinn: Cupcake-Workshop

Von Karin Katzenberger-Ruf

Schriesheim. Die Nummer 116 in Rot liegt kurz nach dem Start klar vorne, gerät nach etwa 100 Metern in einen Strudel, kann ihre Position zunächst halten und wird dann doch von der Konkurrenz in Orange überholt. Am Ende des aufregenden Rennens auf dem Kanzelbach hat sich schließlich ein blaues Exemplar an die Spitze gekämpft und schafft es doch nicht auf Anhieb durch die Zielröhre. Sieger wird nach einem knapp 20-minütigen Wettkampf das rote Ei mit der Nummer 901.

Sieben Helfer malten sechs Stunden Nummern auf die Eier

Kann man Plastikeier zu Höchstleistungen anfeuern? Dass das geht, war beim elften Ostereierrennen in Schriesheim zu erleben. Bei kühlem Wetter herrscht aufgeheizte Stimmung am Kanzelbach, wo über 1200 nummerierte Eier mittels dreier großer Weidenkörbe zu Wasser gelassen werden. Die Veranstaltung des Fördervereins "Kinderschachtel" der aus dem Erlös Neuanschaffungen für die Betreuungseinrichtung finanziert, ist in all den Jahren zum Renner geworden.

Es gibt ja auch schöne Preise zu gewinnen. Hauptgewinn ist ein ganztägiger Cupcake-Workshop, den "Leonor’s sweat creations" aus Heidelberg/Handschuhsheim spendierten. "Wir haben dieses Jahr 335 Preise bekommen, vor allem Spielsachen, Bücher und Gutscheine, auch für den Friseurbesuch und sogar für die Zahnreinigung", so die Vorsitzende des Fördervereins, Anna-Maria Jukic.

Das bedeutet rein rechnerisch: Mindestens jedes vierte Ei gewinnt. Zusätzlich gibt es Trostpreise. Auf dem Festplatz werden neben Getränken selbst gebackene Kuchen wie die "Möhrchentorte", Waffeln und Würstchen verkauft. Die Zeltlinge, unter denen alles stattfindet, stellen Unternehmen kostenlos zur Verfügung. Damit nochmals zurück an den Kanzelbach.

Dort bildet sich kurz vor dem Ziel an einem Baumstumpf ein regelrechtes Osternest aus bunten Plastikeiern. Die Exemplare, die dort landen, kommen einfach nicht mehr weiter. Jedenfalls solange, bis einer der vielen "Bachhelfer" mit dem Rechen nachhilft. Möglicherweise ist dennoch das eine oder andere Ei für längere Zeit abgetaucht.

Das Ostereierrennen ist für die "Kinderschachtel" eine gute und überdies originelle Einnahmequelle und das Geld von der elften Veranstaltung quasi schon ausgegeben. Die vier Gruppen der Betreuungseinrichtung durften Wünsche äußern und haben sich für ein Schaukelpferd, ein Trampolin, einen Riesen-Rechenschieber und ein großformatiges Holzpuzzle entschieden.

Als Bürgermeister-Stellvertreterin überzeugt sich Barbara Schenk-Zitsch am Start vom ordnungsgemäßen Zustand der Plastikeier.

Am Ziel kommt ein blaues Ei mit der Nummer 1185 auf Platz zwei, gefolgt von der 107 in Lila. Die Eingänge an der Endstation werden der Reihe nach in Eierkartons gesetzt und zur Registrierung auf dem Festplatz gebracht. So entsteht mit Laptop und Drucker eine Liste, die auch sogleich ausgehängt wird. Auf diese Art und Weise erfahren die Teilnehmer, ob sie auf das richtige Ei beziehungsweise auf die richtigen Eier gesetzt haben.

Das Vorstandsteam des Fördervereins hat zum Kanzelbach-Rennen wieder viel Vorarbeit geleistet. Man stelle sich vor: Sieben Menschen sind sechs Stunden damit beschäftigt, Nummern auf Plastikeier zu malen und ein gleichlautendes Zettelchen dranzuhängen. Aber irgendwie ist das Ostereierrennen auf dem Kanzelbach ja auch ein Riesenspaß, hat inzwischen schon Kultcharakter. Deshalb kommen auch nicht nur Eltern zu dem Ereignis. Die Kinder sind wiederum unschlagbar, wenn es darum geht, schneller als das erste Ei am Ziel zu sein.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung