04.05.2017

Kundgebung im Naturfreundehaus Schriesheim Binding holte den Zollstock raus

SPD-Bundestagsabgeordneter sprach bei Maikundgebung am Naturfreundehaus - Bei schlechtem Wetter blieben dort viele Plätze leer

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Das Erstaunen im Plenarsaal des Deutschen Bundestags war groß gewesen am 17. Februar: Lothar Binding, SPD-Abgeordneter des hiesigen Wahlkreises, holte während seiner Redezeit einen Zollstock hervor. Auf einer Länge von vier Zentimeter markierte er die Lohnhöhe eines durchschnittlichen Arbeitnehmers. Für manche Managergehälter reichte dagegen im Vergleich nicht einmal die volle Länge von zwei Metern.

Auch gestern bei der traditionellen Maikundgebung der Sozialdemokraten am Naturfreundehaus hatte Binding wieder seinen Zollstock parat. "Ich mache das ganz gern", so Binding, "denn gegen optische Illustration hilft alle Verharmlosung nicht." Dass die Zahl seiner Zuhörer wegen des schlechten Wetters im Vergleich zur vergangenen Maikundgebung und zu seiner Plenarrede im Februar deutlich niedriger war, interessierte ihn dabei nicht.

"Krakenarm" der Lobbyisten

Denn nicht nur in Berlin ist Lohngerechtigkeit für die SPD ein wichtiges Wahlkampfthema: "Es gibt in der Region ein Unternehmen, bei dem der Top-Manager das 190-Fache des durchschnittlichen Arbeitnehmers verdient", so Binding. In diesem Fall müsse man sich überlegen, ob Lohn wirklich noch seinen Zweck erfülle. Schuld an diesem Missverhältnis ist seiner Meinung nach auch der "Krakenarm" der Lobbyarbeit der Industrieverbände, der in "viele Fraktionen" im Bundestag reiche.

Mit Kritik gegenüber dem Koalitionspartner CDU hielt sich Binding ansonsten trotz Wahlkampf weitestgehend zurück. Nur beim Thema Leih- und Zeitarbeit warf er den Christdemokraten vor, bessere Regelungen zugunsten von Arbeitnehmern zu verhindern.

Der Schriesheimer SPD-Ortsverbandsvorsitzende Sebastian Cuny griff das Motto des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) "Wir sind viele - wir sind eins" vor dem Hintergrund des Wohnraummangels in der Weinstadt auf: "Wir haben in den letzten zwei Sitzungen des Technischen Ausschusses drei Wohnungen umgewidmet", so Cuny, "das darf nicht so weitergehen."

Unabhängig vom Einkommen müssten "Schriesemer, Neigeplackte und Geflüchtete" in der Weinstadt und ihren Ortsteilen wohnen bleiben können. Auch das Thema Europa kam zur Sprache: Lothar Binding plädierte für eine solidarische EU ("Man kann als Exportnation nur reich bleiben, wenn nicht alle Nachbarn arm sind") und für eine klare Position pro Europa: "Deutschland hat ohne Europa keine gute Zukunft." Zum Abschluss der Kundgebung sangen die Sozialdemokraten daher die Europa-Hymne aus Beethovens "Ode an die Freude" - mit Gitarrenbegleitung.

Zu Beginn hatten die SPD-Mitglieder noch das Arbeiterlied "Brüder, zur Sonne, zur Freiheit" gesungen - auf das Naturfreundehaus regnete es trotzdem während des gesamten Nachmittags. "Wir hätten Ihnen und uns schöneres Wetter gewünscht", sagte Sebastian Cuny, "aber nächstes Jahr - wenn wir einen neuen Bundeskanzler haben - wird das Wetter auch wieder besser."

Die Naturfreunde tröstete dies wenig, die Umsätze hielten sich am Montag sehr in Grenzen. Viele Bierbänke blieben selbst in den überdachten Außenbereichen leer. Statt Bier war bei den Wanderern vor allem Kaffee gefragt.

Auch die jugendlichen Mitglieder des Vereins hätten vermutlich gern mehr Waffeln gebacken und verkauft: Der Erlös kommt dem Tierheim in Heppenheim zugute.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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