16.05.2017

Künstlerpaar bespielt den "White Cube"

Ariane Faller und Mateusz Budasz reagieren mit ihren raumgreifenden Installationen auf die Architektur sowie Kergs Werke

Fotografie einer Sandsteinmauer als Wandbild im 1:1 Format. Foto: Museum

Von Julia Behrens

Zweimal im Jahr verwandeln sich Teile des Théo Kerg Museums in einen "White Cube": Die Werke des 1993 verstorbenen Luxemburger Künstlers, die sonst überall im Haus präsent sind, verschwinden hinter weißen Stellwänden, um Platz für Sonderausstellungen zu machen. Nur im obersten Stock - auf der Galerie - bleiben die starkfarbigen Arbeiten sichtbar.

Für Ariane Faller und Mateusz Budasz wirkt das im Rahmen ihrer Schau "Unfolding" wie eine Einladung: Mit ihren raumgreifenden Installationen reagieren sie nicht nur auf die Parameter der Architektur, sondern auch auf Kergs Œuvre.

Durch ihre "Site Specific Art" verleihen sie dem Museum an der Bergstraße ein ganz neues Gesicht: Schmale, naturbelassene oder grün imprägnierte Dachlatten bahnen sich dreidimensional einen Weg durch den Ausstellungsraum im ersten Obergeschoss. Sie besitzen eine Art Eigenleben, bilden dominante Diagonalen, verschränken sich mit den rustikalen Stützen des alten Fachwerkhauses und winden sich zur Galerie, zu Théo Kerg hinauf.

Geschickt in diesen Aufbau hinein komponiert sind die eigentlichen Arbeiten der beiden Künstler: Gebrauchte, mit pastosen Farbschichten versehene Kartons und Strickbilder von Ariane Faller, mit filigranen Linien durchzogene Holz- und PDF-Platten von Mateusz Budasz sowie unterschiedlich große Fotografien von beiden. Besonders auffällig und für Gäste wie Einheimische interessant: Die fotografische 1:1 Wiedergabe einer alten Buntsandstein-Fassade aus Schriesheim. Mit dieser Arbeit stellen die beiden Künstler nach eigener Aussage einen Dialog zwischen Innen- und Außenraum her und gehen damit auch im topografisch weiteren Sinne auf den "Ort" der Ausstellung ein.

Das wohl wichtigste und durchgängigste Thema des Paares, das sich während des Studiums an der Freiburger Außenstelle der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe kennengelernt hat und seit 2003 zusammenarbeitet, ist die Aufhebung fester Kategorien. Die beiden Künstler verbinden auf intensive Weise Kunst und Leben, stellen durch ihre Zusammenarbeit die Definition der Autorschaft in Frage und bringen durch ihre Interventionen das Konzept einer architektonisch klar gegliederten Räumlichkeit durcheinander. Faller erweitert den Begriff der Malerei, indem sie sie mit dreidimensionalen Elementen zu "Bild-Körpern" formt und Budasz fräst Elemente des Zeichnens in dafür eigentlich nicht vorgesehene, harte Werkstoffe.

Hier besteht per se eine Verwandtschaft zu Théo Kerg und seinem "Taktilismus", in dem sich Malerei mit anderen, bilduntypischen Elementen verbindet. Aber auch durch die Hinführung der Installation in die Kerg-Etage und eine ausgewählte Farbigkeit nimmt das Künstlerduo Kontakt zu den Materialbildern des Luxemburgers auf.

Info: Unfolding. Ariane Faller und Mateusz Budasz. Bis 11. Juni im Museum Théo Kerg, Talstraße 52, in Schriesheim.

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Künstlerpaar bespielt den "White Cube"-2

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung