18.05.2017

Der Rasenplatz hat vorerst spielfrei

Der Sportverein 1919 Schriesheim hat sein Spielfeld wegen Überbelegung durch den Verband abgemeldet - Der Kreis Mannheim reagiert mit Unverständnis

Wird von den Fußballern künftig nur noch zu Trainingszwecken und bei Kleinfeldturnieren genutzt: Der Rasenplatz am Sportzentrum ist laut SV-Geschäftsführer Klaus Zeller seit über einem Jahr als Spielstätte abgemeldet. Foto: Dorn

Von Frederick Mersi

Schriesheim. "Wenn es draußen schön ist, sollte Fußball auf dem grünen Rasen gespielt werden", findet Günter Vogel vom Badischen Fußballverband. In Schriesheim ist dieser aber nicht mehr als offizielle Spielstätte angemeldet. Alle Großfeld-Begegnungen des Sportvereins 1919 finden nun auf dem benachbarten Kunstrasen statt - auch diejenigen der Ersten und Zweiten Herrenmannschaft, die beide momentan mitten im Abstiegskampf stecken.

Grund für diesen Schritt seien Mehrfachbelegungen bei Jugendspielen gewesen, sagt SVS-Vorsitzender Werner Morast: "Es ist vorgekommen, dass wir mehrere Spiele gleichzeitig auf Kunstrasen- und Rasenplatz hatten - und dann den Rasenplatz für einen einzigen Kick herrichten mussten." Zum Zeitpunkt der Abmeldung habe der Verein 17 Jugendmannschaften gehabt, ergänzt Geschäftsführer Klaus Zeller. Also habe man sich für die Abmeldung entschieden, damit der Spielplan an den Wochenenden entzerrt wird. "Das hat nichts mit dem Zustand des Rasens zu tun", so Morast, "der sieht momentan gut aus."

Genau deshalb findet Harald Schäfer, Vorsitzender des Fußballkreises Mannheim: "Das ist eigentlich der größte Blödsinn." Solange der Platz in einem einwandfreien Zustand sei, müsse man ihn nicht als Spielstätte abmelden. "Man kann bei jeder Mannschaft auf dem Meldebogen eintragen, wo diese spielen soll", sagt er, "da haben die Vereine völlige Wahlfreiheit." Der Kreis zwinge niemanden, auf dem Rasenplatz zu spielen. Außerdem habe er bisher von einer Abmeldung des Platzes in Schriesheim überhaupt nichts gewusst, behauptet Schäfer - und das, obwohl der Kreis für solche Vorgänge eigentlich zuständig sei. "So etwas kommt auch eigentlich nie vor", sagt er, "wenn das Spielfeld nicht gerade der größte Acker ist."

Stimmt nicht, entgegnet SVS-Geschäftsführer Klaus Zeller: "Wir haben den Platz schon vor über einem Jahr abgemeldet." Außerdem liege das Kommunikationsproblem im Badischen Fußballverband: "Wir hatten eine Jugendmannschaft in der Landesliga", erläutert Zeller, "deren Verantwortliche haben sich bei den Spielansetzungen nie mit dem Kreis Mannheim abgesprochen." So habe der SVS auf einmal mehr Spiele ausrichten sollen, als von der Infrastruktur her möglich war.

Einig sind sich der Badische Fußballverband (BFV), der Kreis Mannheim und der SV Schriesheim lediglich darin, dass auf dem Rasenplatz - wenn dieser tatsächlich offiziell abgemeldet ist - keine Spiele mehr ausgetragen werden dürfen. Annette Kaul, beim BFV zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, stellt klar: "Der Platz ist faktisch nicht bespielbar." Ihr sei kein Fall bekannt, in dem sich eine gegnerische Mannschaft über einen solchen Vorgang beschwert habe. Dennoch gelte: "Grundsätzlich muss jedes Spielfeld vorher bei uns gemeldet werden."

Auch in der kommenden Saison wird der Ball laut SVS-Geschäftsführer Zeller in Schriesheim nur auf dem Kunstrasenplatz rollen. Der Rasenplatz wird in diesem Fall vorerst weiterhin nur zum Training und für Kleinfeld-Turniere genutzt werden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung