06.06.2017

Gänse und ihre Hinterlassenschaften auf den Schriesheimer Salatfeldern

Die Risiken sind zumindest nicht völlig auszuschließen

Von Philipp Weber

Schriesheim. Die Übeltäter ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Selbst als ein Radfahrer das Smartphone zückte und Beweisfotos schoss, watschelten sie gemütlich weiter. Die Nilgänse auf den Salatfeldern südwestlich von Schriesheim konnten aber auch nicht ahnen, wie sehr sich der Zeuge über ihr Tun ärgerte.

"Da watscheln, kacken und fressen sich doch tatsächlich Nilgänse durch Felder von Blattsalatköpfen, die uns Verbrauchern dann als ’frisch’ vorgegaukelt werden. So kommen Bakterien von diesen Ungeziefervögeln in menschliche Nahrung und können auch Krankheiten auslösen!", forderte er Konsequenzen: Nilgänse dürften inzwischen geschossen werden.

Die Mitinhaberin eines nahen Obsthofs bestätigt, dass hier öfter Gänse gesichtet würden. Im Schriesheimer Rathaus reagiert man auf Nachfragen allerdings ungehalten: "Was soll ich denn machen, wenn Sie mir Fotos vorlegen?", so Ordnungsamtsleiter Willy Philipp. Solange kein Vogelgrippevirus auftauche oder ähnliche Gefahren in Verzug seien, könne er die Vögel nicht daran hindern sich zu bewegen: "Andernfalls schalten wir den Kreis ein." Wildtiere, deren Hinterlassenschaften und die daraus resultierenden Gefahren haben zuletzt Kontroversen ausgelöst. In Ladenburg fand ein "Gänsegipfel" mit Vertretern der Kommune und der Rechtsaufsichtsbehörden statt. Am Neckarufer hatten sich die wasseraffinen Nil- und Kanadagänse so heftig vermehrt, dass deren Kot vor allem für spielende Kinder gefährlich wurde. In Ilvesheim hatten sich eine Fähe und ihre Jungen auf das Gelände einer Kita zurückgezogen. Als das Thema "Fuchsjagd" aufkam, wurden Gemeindevertreter bedroht.

"Grundsätzlich kann Geflügel unterschiedliche Durchfallerreger übertragen", sagt Anne Kühn, Expertin für Infektionsschutz und übertragbare Krankheiten im Heidelberger Gesundheitsamt. Gerade im Sommer sei dies nicht zu unterschätzen, erläutert sie mit Blick auf Seen oder den Genuss von (Geflügel-)Grillfleisch mit eihaltigen Soßen.

Und das Salatfeld? Feldfrüchte seien hierzulande relativ sicher. Außerdem würden Salate für große Verbrauchermärkte bereits nach der Ernte mit sauberem Wasser gereinigt: "Daheim sollte man Salat aber noch mal waschen." Damit ließen sich nicht alle potenziellen Erreger abtöten, aber die Gefahren blieben überschaubar.

Wäre Gefahr in Verzug, würden wohl nicht einmal Schonzeiten - Nilgänse dürfen nur in Herbst und Winter erlegt werden - die Tiere vor menschlichen Eingriffen schützen, erläutert Ulrich Roßwag, Leiter der Abteilung Landwirtschaft beim Regierungspräsidium in Karlsruhe (RP). "Wir müssen hier einen Abwägungsprozess vornehmen."

Erst einmal müsse erwiesen sein, dass Menschen ein Risiko droht: "Ist das der Fall, kann man die Tiere vertreiben." Erst wenn das nichts bringt, so Roßwag, müssten sie "letal vergrämt" - sprich getötet - werden. Das RP ist als Oberste Jagdbehörde für das Thema Schonzeiten zuständig: "Die Hürden sind besonders hoch, wenn die Tiere Junge haben und man dem Nachwuchs die Mutter nimmt." Um festzustellen, ob von etwas Gänsekot Gefahren ausgehen, müsste dieser also aufwendig untersucht werden. Das dürfte auf der offenen Feldflur allerdings schwierig werden. "Auf Feldern kann Kot von Tieren herkommen, die dann womöglich schon längst weg sind", sagt Infektionsbeauftragte Kühn.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung