12.06.2017

Zwischen Papier und Tablet-Computern

Die Digitalisierung in der Verwaltungsarbeit ist an der Bergstraße je nach Gemeinde sehr unterschiedlich weit fortgeschritten

Von Annette Steininger, Philipp Weber und Frederick Mersi

Bergstraße. Während der Landesinnenminister am Wochenende in Ludwigshafen über Digitalisierung und intelligente Vernetzung spricht, ist Ursenbachs Ortsvorsitzende Rosemarie Edelmann schon froh, dass die dortige Verwaltungsstelle inzwischen einen Internetanschluss hat: "Wir haben zwei Jahre darum gekämpft." Vor zwei Monaten bekam Schriesheims kleinerer Ortsteil dann endlich eine Verbindung zum Internet. Das ist zwar langsam, aber Rentenanträge können die Ursenbacher damit immerhin trotzdem stellen.

"Vorher mussten wir die Leute dafür nach Altenbach schicken oder auf die nächste Woche vertrösten", sagt Edelmann, "das ist jetzt schon eine Erleichterung." Im Ortschaftsrat arbeiten sie und ihre Kollegen dagegen weiter mit Papierunterlagen: "Das liegt mir persönlich mehr, und die Vorlagen sind meistens nicht sehr umfangreich." Für Absprachen ist der Weg von Haustür zu Haustür sowieso nicht weit, im Zweifelsfall wird das Telefon benutzt.

Die Hirschberger Verwaltung dagegen ist schon länger im digitalen Zeitalter angekommen. Der Ordnungsdienst erfasst Parksünder per Smartphone. Melderegister, Personalwesen oder auch Ordnungswidrigkeiten - all das läuft in eine "Cloud" ein, also einen virtuellen Datenspeicherplatz eines Rechenzentrums. "Das ist nach außen total abgesichert", betont der stellvertretende Hirschberger Hauptamtsleiter, Michael Frank.

Auch für den Hirschberger Gemeinderat beginnt bald die papierlose Zeit. So hat das Gremium die Einführung eines Ratsinformationssystems ab 2018 beschlossen, mit dem die Sitzungsvorlagen und die Protokolle auf elektronischem Wege versandt werden. Allerdings können die Gremienmitglieder die Sitzungsunterlagen auf Wunsch für eine Übergangszeit noch in Papierform erhalten.

"Nach den Sommerferien werden einige Gemeinderäte das neue System schon einmal testen", so Frank. Hierfür wurden mobile Endgeräte wie Tablets angeschafft. Mit dieser Neuerung wird Hirschberg gemeinsam mit Heddesheim, Ladenburg, Dossenheim und Edingen-Neckarhausen Teil eines Pilotprojekts des Kommunalen Rechenzentrums. Auch interessierte Bürger können von dem neuen System profitieren: Sie können sich künftig nicht nur Sitzungsunterlagen herunterladen, sondern laut Frank auch eine Suchfunktion nutzen. Zudem sollen neue Bebauungspläne online offengelegt werden. Hierzu habe es vor Kurzem eine Baurechtsnovelle gegeben, erklärt Frank.

In Weinheim ärgert man sich unterdessen im Ortsteil Oberflockenbach über zu langsames Internet. Die große Hoffnung: ein Ausbauprogramm des Kreises unter dem Titel "Fibernet". Doch für die Verwaltung hat die digitale Zukunft begonnen: Zur Speicherung von Meldedaten nutzt sie denselben Clouddienst wie Hirschberg. Dieser sei keineswegs mit bekannten Diensten wie "Dropbox" zu vergleichen, heißt es: "Die Daten sind in dezidierten Standorten und Speichermedien mit hochwertigen Sicherheitssystemen abgelegt."

Das Digitale Rathaus soll aber auch direkt beim Bürger ankommen: Die Stadt will bestehende digitale Services ausbauen - und benutzerfreundlicher gestalteten, so die grobe Zielrichtung. Für die Kommunalpolitik strebt auch Weinheim ein Rats-informationssystem an. "Auf der Internetseite der Stadt kann man aber bereits jetzt die Tagesordnungen aller öffentlichen Sitzungen einsehen", heißt es. Liveübertragungen von Ratssitzungen seien indessen kein Thema: "Damit sind viele datenschutzrechtliche Fragen verbunden." Die Erfahrungen anderer Kommunen damit seien "sehr unterschiedlich".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung