12.06.2017

Fünf Lesetipps fürs Sonnenbaden

Bibliotheksleiterin Johanna Krämer stellt fünf ihrer Lieblingsbücher vor – Die Bücherei bleibt über Fronleichnam geschlossen

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Sonnenschein und gefühlt knapp 30 Grad: Für dieses Wetter muss man nicht in die Ferne schweifen. Für den heutigen Samstag und den morgigen Sonntag ist in Schriesheim bestes Sommerwetter vorhergesagt. Johanna Krämer, Leiterin der Stadtbibliothek, hat der RNZ fünf empfehlenswerte Begleiter für ein entspanntes Sonnenbad im Waldschwimmbad, am Badesee, auf der Neckarwiese oder dem eigenen Balkon vorgestellt.

Zum Mitlachen: "Tanztee" von Hendrik Groen. In seinem Tagebuch schreibt der Protagonist vom Alltag in einem Seniorenheim in Amsterdam und dem "Alanito"-Club - was für "alt, aber nicht tot" steht. Um nicht ins Jammern zu verfallen, verbieten sich die Clubmitglieder am Tisch über Krankheiten zu sprechen - bei der Menge an Arztbesuchen gar nicht so leicht. "Der Schreibstil ist zwar sehr sarkastisch, aber nie schwermütig", sagt Krämer. Wer will, kann auch mit dem Vorgänger "Eierlikörtage" anfangen - für die Fortsetzung muss man den ersten Teil allerdings nicht gelesen haben.

Zum Zuhören: "Ein wenig Leben" von Hanya Yanagihara. Vier völlig unterschiedliche Freunde, die während der Unizeit zusammenwohnen, stehen im Mittelpunkt des Buchs. "Das ist bisher mein absolutes Lieblingsbuch dieses Jahr", so die Bibliotheksleiterin. Hauptperson Jude, als Findelkind in einem Kinderheim aufgewachsen und dabei Missbrauch ausgesetzt, wird - wie seine Mitbewohner - immer wieder durch die gemeinsame Freundschaft gerettet. "Wenn man das Buch gelesen hat, versteht man den Hype, den es darum gegeben hat", sagt Krämer, "deshalb sollte man sich von den 985 Seiten nicht abhalten lassen." Für alle, denen das trotzdem zu viel ist, gibt es in der Bücherei auch das leicht gekürzte Hörbuch. Gesamtdauer: 2028 Minuten. Die zweite Ferienwoche dürfte damit gefüllt sein.

Zum Mitfühlen: "Gott, hilf dem Kind" von Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison. Lula Ann wächst ohne Vater auf - und mit einer Mutter, die sich für ihr Kind schämt. Eine Karriere in der Kosmetikbranche verspricht Hoffnung, doch Ann wird von ihrer Erlebnissen und Ängsten eingeholt. "Es geht um Liebe, Kindheit, aber auch um Rassismus", sagt Krämer, "ein Buch, das meiner Meinung nach eigentlich jeder lesen sollte."

Zum Dahinschmelzen: "Penguin Bloom" von Cameron Bloom. Ein zunächst etwas irreführender Titel, denn eigentlich handelt die Mischung aus Buch und Bildband von der wahren Freundschaft einer australischen Familie mit einer frechen Elster. Die nach einem Sturz querschnittsgelähmte Mutter bekommt durch das neue Haustier ein Stück ihrer Lebensfreude zurück. Auf den sozialen Netzwerken gingen die Fotos um die Welt, das Buch erzählt die Geschichte dazu. "Sehr persönlich, aber nie kitschig", findet Krämer.

Zum Nägelkauen: "Rain Dogs" von Adrian McKinty ist harte Thriller-Kost aus Nordirland um einen Fall, der zunächst nach Selbstmord aussieht. "McKinty bringt wirklich jedes Jahr ein neues tolles Buch heraus", sagt Johanna Krämer. Sein Ermittler, der katholische Polizist Sean Duffy, hat es der Bibliotheksleiterin jedenfalls angetan. "Viel mehr will ich nicht verraten", sagt sie, "außer dass es sehr spannend ist."

Info: Am heutigen Samstag ist die Stadtbibliothek am Schulzentrum von 11 bis 13 Uhr geöffnet, Montag und Dienstag von 10 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr, am Mittwoch nur vormittags. Am verlängerten Fronleichnamwochenende vom Donnerstag, 15. Juni, bis Sonntag, 18. Juni, bleibt die Bibliothek dagegen geschlossen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung