18.06.2017

Ihr Kalender soll anderen Patienten helfen

Vanessa Weil ist 39 und unheilbar an Krebs erkrankt - Bisher 200 Exemplare des Kalenders vorbestellt

Von Carolina Paul

Schriesheim. "Ich habe meine Hochzeit und meine Beerdigung gleichzeitig geplant", sagt Vanessa Weil. Sie hat Dottersackkrebs im Endstadium, eine seltene Krebsart, die bei ihr vor zwei Jahren diagnostiziert wurde. 2015, während ihres Ostseeurlaubs, kam sie mit dem Verdacht auf Nierenkolik ins Krankenhaus. Eine Untersuchung im Computertomografen ergab, dass sich an ihrer Nebenniere ein Tumor gebildet hatte.

Zuerst gingen die Ärzte davon aus, dass der Tumor gutartig ist und sich durch eine Operation entfernen lässt. Als sie wieder zu Hause angekommen war, kam Weil direkt unters Messer, und der entnommene Tumor wurde zur pathologischen Untersuchung eingeschickt. Am 23. Juli dann der Anruf mit dem niederschmetternden Ergebnis: bösartiger Dottersackkrebs, ein Keimzellenkrebs, ähnlich dem Hodenkrebs beim Mann.

In der Behandlung von Männern gibt es viele Erfahrungswerte, bei Frauen tritt der Krebs eher selten auf. Vanessa Weil wurde immer wieder gesagt, dass es gute Chancen auf Heilung gebe. Es folgten zahlreiche Chemotherapien und Operationen, doch der Krebs blieb hartnäckig, die Hoffnung auf Heilung wurde immer kleiner. Jetzt ist klar, dass ihre Erkrankung einen tödlichen Verlauf nehmen wird. Niemand kann sagen, wie viel Zeit ihr noch bleibt.

Um so erstaunlicher ist es, mit welchem Lebensmut, Humor und welcher Kraft Weil ihren Alltag meistert. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Feind im Körper ein Gesicht zu geben. Und nicht nur eines, sondern gleich zwölf: Sie werden in einem Kalender zusammengestellt. 13 Fotografen setzten Vanessa Weil dafür über Monate hinweg auf unterschiedlichste Weise in Szene. Mal schreiend bunt, mal märchenhaft, mal lachend und mal nachdenklich. "Das ist mein Lebenswerk, mein Vermächtnis", sagt Weil.

Sie möchte mit den Bildern motivieren, zeigen, dass man den Weg der Krankheit mit Würde und Stolz gehen kann. Die RNZ hatte bereits über die Aktion berichtet, auch bei der "Landesschau" des SWR war Weil zu Gast. Auf ihrer Internetseite www.krebs-hat-ein-gesicht.de kann man den Kalender vorbestellen und damit ein neuartiges Projekt am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg (NCT) unterstützen.

Der gesamte Erlös soll in ein geplantes Patenprogramm fließen, bei dem Krebserkrankte anderen Krebspatienten zur Seite stehen und durch die Therapie begleiten. Jemand, der selbst erkrankt ist oder Krebs hatte, könne viel besser verstehen, wie es einem gehe und welche Bedürfnisse man habe, sagt Weil. Die Lotsen können bei Fragen zu benötigten Unterlagen und den Behandlungsabläufen weiterhelfen und den Patienten dabei detailliert anleiten.

Eine Freundin habe einmal zu ihr gesagt: "Du bist der einzige Mensch, den ich kenne, der über seinen Tod hinaus plant." Sollte nämlich der Fall der Fälle eintreten, wird Weils Projekt von vertrauten Menschen in ihrem Sinne weitergeführt. Ihr Ziel sind mindestens 1000 Kalenderbestellungen, um der Verwirklichung des Patenprojektes ein Stück näher zu kommen. Die gewünschte Bestellzahl ist momentan noch in weiter Ferne, 200 Exemplare wurden bisher geordert.

Wer keinen Kalender bestellen möchte, das Projekt aber dennoch unterstützen will, kann einen Geldbetrag auf das dazugehörige Spendenkonto des NCT überweisen. Am Freitag, 7. Juli, ab 18.15 Uhr will Vanessa Weil auch am NCT-Lauf gegen Krebs teilnehmen und Flyer verteilen. Eine Ausstellung ihrer Bilder ist für Oktober in Schriesheim geplant, im selben Monat sollen die bestellten Kalender versendet werden. Vanessa Weil hofft, dass sie das noch miterleben darf.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung