25.06.2017

Mittagessen vom "Food-Truck"

Schriesheimer "Foodliner" bewirten mit Erfolg aus ihrem Truck heraus - Einen Stellplatz in ihrer Heimat haben sie aber noch nicht

Bernd Müller und seine Frau Sandra Dias Monteiro Müller bereiten in ihrem Truck auf engstem Raum Burger und Sandwiches mit regionalen Erzeugnissen zu. Am heutigen Samstag sind sie auf dem Dorfplatzfest in Altenbach vertreten. Foto: Dorn

Von Annette Steininger

Schriesheim. Aus dem himmelblauen Zehn-Meter-Truck mit Hawaii-Deko steigt eine Rauchwolke empor. Hier steht "Foodliner"-Inhaber Bernd Müller in der Küche und löscht gerade Zwiebeln mit Whiskey ab. "Das hat zwei Vorteile: Zum einen schmeckt es hervorragend, zum anderen duftet es so stark, dass die Firmenmitarbeiter einfach nur der Nase nach gehen müssen", meint Müller lachend.

Gemeinsam mit seiner Frau Sandra Dias Monteiro Müller schmeißt er den Betrieb - die Küche, aus der "Streetfood" auf hohem Niveau kommt, und alles rund ums Marketing und Buchungen. Und da gibt es einiges zu tun. Denn die Nachfrage bei den vor zehn Monaten gestarteten "Foodlinern" ist groß.

Als die RNZ bei ihrem Stellplatz vor der Wild-Stiftung in Heidelberg-Wieblingen vorbeischaut, kommen viele Menschen aus den umliegenden Betrieben, um sich in der Mittagspause zu stärken. "Viele Firmen haben keine eigene Kantine mehr", sagt Müller. Das spielt den beiden in die Karten.

Dienstags trifft man die Zwei in der Mannheimer "Eastside" vor dem Minol-Gebäude, mittwochs an besagtem Standort in Heidelberg und donnerstags in Hirschberg, Im Rott 2, jeweils von 11 bis 14 Uhr. Auch für Events kann man die "Foodliner" buchen: Eine Geburtstagsgesellschaft haben sie schon versorgt, im Juli steht die erste Hochzeit an. Am heutigen Samstag kann man sie beim Dorfplatzfest in Altenbach testen. Auch auf "Streetfood"-Festivals haben sie schon die Gäste bewirtet.

Sowohl der 45-jährige Bernd Müller als auch seine 36 Jahre alte Frau, die sich selbst als "portugiesische Rheinländerin" bezeichnet, kommen aus der Sterne-Gastronomie. Sie hat im "Strahlenberger Hof" in Schriesheim gelernt, er in renommierten Küchen wie derjenigen des "Veneto" auf Sylt gearbeitet. Bernd Müller, ein "Ur-Schriesemer" und Neffe von Wilhelm Müller, betrieb auch schon in seiner Heimatstadt zwei Restaurants, das "Montis" und die Gastronomie des Waldschwimmbads für eine Saison. Dann war er als selbstständiger Koch unterwegs - bei großen Events wie den Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM).

"Wir wollten aber etwas mehr Zeit für unsere fünf- und zehnjährigen Kinder haben", erklärt Müller die Idee mit dem "Foodliner". Also tüftelte das Paar drei Monate lang an Rezepten. Nun kann man sich bei ihnen unter anderem Sandwiches mit Rind- oder Hähnchenfleisch, Vegetarisches oder den "Foodliner Burger" schmecken lassen. Zusätzlich bieten die beiden Tagesgerichte an: Als die RNZ vorbeischaut, gibt es Couscous mit Ratatouille und einem Minz-Joghurt-Dip.

Außerdem bieten sie Salat, Getränke und Kuchen an. Hierfür schnippelt Sandra Dias Monteiro Müller gerade Erdbeeren. "Wir beziehen unsere Zutaten ausschließlich aus der Region und nach Saison", betont sie. Ihr Mann brät derweil das Fleisch an. Ganz schön eng ist es in ihrer Küche mit 8,50 Meter Länge und 2,70 Meter Breite. "Ich habe schon in kleineren Küchen gekocht", zuckt Müller mit den Achseln und schmunzelt. Hier hat er alles, was er braucht: vom Vier-Flammen-Herd bis zur Kühltruhe. Das Fahrzeug ist sogar weitgehend strom- und wasserautark. Aber geht man sich auf so engstem Raum nicht irgendwann auf die Nerven? "Wir haben Spaß", sagen beide.

Einen Wunsch hätten sie aber: einen dauerhaften Standplatz in Schriesheim, zum Beispiel beim Kurpfalz-Schulzentrum, wo sie auch wohnen. Die Müllers sind diesbezüglich auch schon von Schülern und Eltern angesprochen worden, zumal die Mensa dort nur 155 Sitzplätze bietet. Daher haben sie mit der SRH Dienstleistungen GmbH Catering, die die Mensa betreibt, und mit Bürgermeister Hansjörg Höfer Kontakt aufgenommen.

Während die SRH damit keine Probleme gehabt hätte, lehnte Höfer ab. Der Grund: Er wolle nicht, dass dann noch mehr Hähnchen- und Dönerwagen nach Schriesheim kommen. Müller argumentiert dagegen, dass es schon einen Fischwagen gibt, der regelmäßig auf dem Festplatz steht und nicht aus Schriesheim kommt.

Die Regelung mit dem Fischwagen sei vor seiner Amtszeit erfolgt und wohl darin begründet, dass es damals kein weiteres Fischangebot gab, sagte Bürgermeister Höfer auf Anfrage. Dass die "Foodliner" gerne auch in Schriesheim präsent wären, kann er gut nachvollziehen. "Ich finde es auch toll, was die Zwei machen", sagt er. Eine Lösung könne er aus den genannten Gründen aber nicht anbieten. Er wolle keinen Präzedenzfall schaffen - auch um die hiesige Gastronomie zu schützen.

Zudem dürften die Schüler während der Schulzeit das Gelände nicht verlassen. Also wäre die einzige Möglichkeit ein Stellplatz auf dem Schulareal, doch auch dort könnten dann weitere Wagen einen Stellplatz fordern. Er sei aber immer gesprächsbereit, signalisierte Höfer.

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Mittagessen vom "Food-Truck"-2

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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