27.06.2017

Es gibt sogar ein Wartezimmer im Grünen

Großer Andrang bei der Eröffnung des Ärztehauses "Dok:Tor" - Für einen Anbau wurde bewusst Platz gelassen

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Sieben Kinder liegen in der Praxis von Volker Endreß auf Schaumstoffmatten, zu hören ist nur die Stimme von Monika Venninger: "Wenn Ihr nur auf Euren Atem achtet, beruhigt Ihr Euch schon." Neben einer der Yogamatten liegt ein "Fidget Spinner", zur Ruhe zu kommen lernen die Kinder hier ganz ohne Spielzeug. Die Tür zum Yogakurs ist angelehnt, und das aus gutem Grund: Draußen schieben sich am Samstag zahllose Menschen durch das Ostgebäude des Ärzte- und Therapeutenhauses "Dok:Tor", das Interesse an der offiziellen Eröffnung des etwa 14 Millionen Euro teuren Projekts ist groß.

Initiator Kai Wachter schüttelt viele Hände, bekommt Glückwünsche und Gratulationen. Sieben Jahre hat es von der Idee bis zur Eröffnung der beiden Gebäude links und rechts der B 3 gedauert, 20 Monate wurde gebaut. Zu acht plante das Team zu Beginn, heute sind im "Dok:Tor" etwa 120 Menschen angestellt. Vom Kinderarzt über den plastischen Chirurgen bis zum Dentallabor ist das Ärztehaus interdisziplinär ausgestattet und dabei komplett vernetzt.

"Wenn zum Beispiel jemand in seinem Wartezimmer keinen Platz mehr hat, kann er einen externen Raum dafür nutzen", sagt Wachter, "Lautsprecher und Bildschirm dort kann er direkt steuern." Wer lieber im Freien wartet, kann sich in den Garten hinter dem Gebäude auf der Westseite setzen. "Die Patienten bekommen dann eine Art Piepser", so Wachter.

In der Zahnarztpraxis von Ulrich und Carola Holzmann unterhält dagegen ein interaktives, digitales Aquarium die wartenden Patienten, zu den Einrichtungsgegenständen gehören eine lebende Wand aus Pflanzen und eine Moosmauer. Viel lieber spricht Carola Holzmann aber über die neue Labortechnik, die im "dental.h" seit 1. Februar zur Verfügung steht.

"Wir haben hier schon internationale Fortbildungen gemacht", sagt sie. Zahntechniker Paul Müting präsentiert stolz eine Fünffachsimultanfräsmaschine, die auf digitaler Grundlage einen gesamten Kieferbogen aus verschiedensten Materialien fertigen kann. Kostenpunkt: 280.000 Euro.

Hightech gibt es aber in beiden Gebäuden, dazu gehört auch ein Netzwerk mit Geschwindigkeiten von bis zu zehn Gigabit pro Sekunde. "Das können wir bisher noch gar nicht ausschöpfen", sagt Wachter. Doch das Haus sei nachhaltig und für die langfristige Zukunft gebaut. Das betont auch Architekt Manfred M. Fischer: "Es ist mindestens für die nächsten 30, 40 Jahre gedacht."

Stolz ist er darauf, dass der Baukostenrahmen von 8,6 Millionen Euro eingehalten worden ist. Der Rest der Gesamtsumme wurde für die Einrichtung der Praxen ausgegeben.

Das Einzige, was für das "Dok:Tor" nicht umgesetzt werden konnte, ist eine zusätzliche Zufahrt von der B 3 zum Ostgebäude. "Die RNV hatte dort wegen der unmittelbaren Nähe zur Kreuzung mit der Römerstraße Sicherheitsbedenken", so Fischer.

Das sei aber nicht schlimm, die Erschließung von der Römerstraße funktioniere ohne Probleme. Und das, obwohl das Ärztehaus täglich bis zu 1000 Patienten betreut. "Jede Einheit hat ihre Patientenzahlen um mindestens zehn Prozent gesteigert, seit sie hier eingezogen sind", sagt Wachter.

Nach dem Einzug seiner Praxis für Allgemeinmedizin fehlen nur noch die Gefäßchirurgen Sabine und Stephan Rewerk, sie kommen zum 1. Juli ins "Dok:Tor". Ihre zukünftigen Räume sind die einzigen, in denen am Eröffnungstag keine Luftballons und Quizfragen an der Wand hängen oder Snacks und Getränke bereitstehen.

Doch der Bauabschluss ist für Kai Wachter erst der Anfang: "Die interdisziplinäre Arbeit beginnt gerade erst, und das macht mir Spaß." Außerdem hat er schon Ideen, welche Ärzte er gern in Zukunft noch ins "Dok:Tor" holen würde: "Schmerztherapie wäre noch eine schöne Ergänzung", sagt er, "und wir hätten gern noch einen Radiologen." Für einen Anbau auf der Südseite des Ostgebäudes hat die Eigentümergemeinschaft deshalb bewusst Platz gelassen. Dort könnte eventuell auch eine Präventionssparte unterkommen.

Alle bereits geöffneten Praxen können die Besucher bei der Eröffnung eingehend in Augenschein nehmen. Trotz eines aufwendigen Rahmenprogramms mit Musik, Line-Dance und Gewinnspiel denken dabei vermutlich aber viele, was Bürgermeister Hansjörg Höfer bei seiner Eröffnungsrede sagt: "Ich hoffe, ich muss nicht jede Praxis als Patient besuchen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung