30.06.2017

In 70 Jahren zur Interessenvertretung eines ganzen Stadtteils

Vom Saatgut zur Straßenbeleuchtung: Jubiläumsfeier am 21. Oktober

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Mit Saatgut und Gartengeräten fing am 18. Juni 1947 alles an: Peter Hausen, Hans Gutleben, Heinrich Wachter, Lotte Metzger, Victor Bergold und Elisabeth Dowidat wurden zur ersten Leitung der Interessengemeinschaft (IG) Branich gewählt. Material für Kleingärtner war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg nur für Vereine verfügbar. Um von diesem Vorrecht zu profitieren, schlossen sich etwa ein Dutzend Bewohner des Bergs zusammen. Heute zählt die Branich IG 135 Mitglieder und setzt sich für weit mehr als nur die Anschaffung von Gartengeräten ein.

Leicht sei das Leben für die Gründungsmitglieder damals nicht gewesen, erinnert sich Isolde Nelles. Als sie vor acht Jahren den Vorsitz der Branich IG übernahm, trat sie damit gewissermaßen in die Fußstapfen ihres Vaters: Heinrich Wachter war von Anfang an im Vorstand dabei gewesen. "Das waren damals mutige Männer, die sich zusammengetan haben", sagt Karl Balmert, Nelles’ Stellvertreter. Der Branich war damals nur über einige Feldwege erschlossen, eine Kanalisation gab es nicht. "Stattdessen gab es Sickergruben, aus denen dann die Jauche abgeholt wurde", so Nelles.

Schon in der Gründungssatzung wurde die Interessenvertretung der Branichbewohner als ein Ziel des Vereins festgehalten: Damals ging es aber nicht um Zufahrtswege oder Bereitschaftstaxen, sondern um eine bessere Brennholzversorgung. In den folgenden Jahrzehnten zogen immer mehr Menschen auf den Berg, der wegen der Wochenendhütten der wohlhabenden Bürger aus der Quadratestadt zuvor den Beinamen "Klein-Mannheim" erhalten hatte.

Bis in die Sechzigerjahre blieben die Straßen allerdings in einem teils miserablen Zustand. "Der Blütenweg hieß damals ’Straße der tausend Seen’, weil er so viele Schlaglöcher hatte", sagt Nelles und lacht. Ehrenbürger Peter Hartmann habe schließlich als stellvertretender Bürgermeister im Hauruckverfahren die Straße teeren lassen, als der eigentliche Amtsinhaber gerade im Urlaub war, erinnert sie sich.

Auch die Fußwege auf den Berg waren der Branich IG ein großes Anliegen: "Das um die Treppen war ein ewiger Kampf", sagt Karl Balmert. Jahrzehntelang bestanden diese aus unebenen Treppenstufen und rostigen Geländern bei enormer Steigung, Anfang 2016 war die Sanierung schließlich abgeschlossen. "Wir mussten als Kinder immer die Branichstaffel runterlaufen, zur Schule und zum Einkaufen", so Nelles, "damals hatten vielleicht drei Leute ein Auto."

An diese Zeiten erinnern sich manche Branichbewohner heute schon fast sehnsüchtig zurück: 584 Menschen leben auf dem Berg, viele Ein- oder Zweipersonenhaushalte bedeuten dabei auch viele Autos. "Gefühlt fahren hier oben 600 oder 700", sagt Nelles. Für alle, die den eigenen Wagen stehen lassen wollen oder müssen, gibt es inzwischen nach mehreren Jahren Pause wieder ein Bereitschaftstaxi - eine der Haupterrungenschaften der Branich IG.

Jetzt kämpft der Verein, der sich auch die Denkmalpflege der historischen Beschilderung und des Brunnens im Blütenweg zur Aufgabe gemacht hat, für eine günstigere und bessere Straßenbeleuchtung. "Wir haben vor zehn Jahren schon einmal Modelle gezeigt bekommen, aber das ist alles wieder verworfen worden", so Nelles. Dieses Projekt wird sie aber nur noch bis zum nächsten Jahr als Vorsitzende erleben: Dann treten sie und Balmert aus gesundheitlichen Gründen von ihren Ämtern zurück. "Wir haben aber schon ein jugendlicheres Team als Nachfolger gefunden", sagt Nelles, "es ist gut, wenn dadurch ein bisschen frischer Wind reinkommt."

Bis dahin stehen im Jubiläumsjahr aber noch einige Veranstaltungen an, unter anderem die große 70-Jahr-Feier der Branich IG im Heinrich Sigmund Gymnasium am 21. Oktober.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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