04.08.2017

Schwarze Null dank Warnreflektoren

Durch Warnreflektoren gab es auf den Straßen nach Altenbach und Ursenbach nachts keine Wildunfälle - Jäger ziehen positive Bilanz

750 Euro haben die Jäger Michael Schwöbel (l.) und Winfried Wenisch für 150 Wildwarnreflektoren an der L 596a und der Ortsstraße nach Ursenbach bezahlt. Von acht bis zehn Wildunfällen pro Jahr in der Nacht sank die Zahl damit auf Null. Foto: Dorn

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Ihre Erwartungen sind deutlich übertroffen worden: "Perfekt, Wahnsinn", sagt Jäger Michael Schwöbel. 750 Euro haben er und sein Kollege Winfried Wenisch in 150 kleine, blaue Plastikteile investiert - und es hat sich gelohnt: Im ersten Jahr nach ihrer Montage haben die sogenannten Wildwarnreflektoren die Zahl der Unfälle mit kreuzenden Rehen auf der L 596a und der Ortstraße in Richtung Ursenbach auf Null gesenkt - zumindest in den Nachtzeiten.

"Einen Zusammenprall gab es zwar", sagt Schwöbel, "das war aber tagsüber, und da bringen die Reflektoren nichts." Die halbrunden Kunststoffgeräte reflektieren das Licht der Autoscheinwerfer in blauer Farbe an den Straßenrand, was viele Wildtiere vom Überqueren der Straße abhält. Auch nahe Sinsheim wurden die Reflektoren bereits angebracht, Studien bescheinigen ihre Wirksamkeit. Dass es nachts nahe Ursenbach und Altenbach gar keine Wildunfälle mehr geben würde, hatten Schwöbel und Wenisch trotzdem nicht erwartet.

"Normalerweise sind es pro Jahr acht bis zehn Rehe, die auf diesen Abschnitten angefahren werden", sagt Schwöbel. Besonders viel "Fallwild" gebe es im Winter, ergänzt Wenisch, weil die Tiere dann größere Strecken zurücklegen müssen, um Futter zu finden. "Als wir mit dem Ortschaftsrat in Ursenbach erstmals bei einem Grillfest über die Idee gesprochen haben, haben wir erfahren, dass fast jedem am Tisch schon einmal ein Reh vors Auto gesprungen war", sagt Wenisch.

So entstand ein Gemeinschaftsprojekt: Die Jäger finanzierten die Reflektoren, die Ursenbacher halfen an einem Samstagmorgen vor rund einem Jahr etwa drei Stunden lang beim Anbringen. Das Straßenbauamt des Rhein-Neckar-Kreises ist zwar für die Verkehrssicherheit der Straßen zuständig, doch das Anbringen von Wildwarnreflektoren ist nicht gesetzlich vorgeschrieben.

Trotzdem sei auch die Zusammenarbeit mit dem Kreis positiv gewesen, berichten die beiden Jäger: "Wir hatten einmal das Problem, dass das Gras am Straßenrand einen Dreiviertelmeter hoch war", so Wenisch, "da sind die Reflektoren höchstens noch zwei Meter weit sichtbar." Also fragten die beiden beim Straßenbauamt an, und innerhalb einer Woche wurde das Gras an den betreffenden Abschnitten gemäht. Dabei wurden auch gleich schiefe oder umgefallene Pfosten wieder aufgestellt.

Letztendlich haben Jäger, Kreis und Autofahrer alle etwas von den Reflektoren: Die Verkehrssicherheit wird erhöht, die Zahl der Unfälle sinkt, unnötiges Leid der Tiere wird verhindert und die Jäger müssen nachts nicht mehr so häufig aufstehen, um verletzte Wildtiere im Wald zu suchen.

"Wenn man einmal im Monat von der Polizei angerufen wird, hat man ehrlich gesagt irgendwann die Schnauze voll", so Schwöbel. Er überlegt bereits, welche Straßenabschnitte als Nächstes mit den "blauen Wundern" ausgestattet werden könnten. Im Hegering sei das Interesse daran vorhanden, von Stadt und Kreis erhofft er sich allerdings in Sachen Finanzierung nichts mehr: "Ich glaube, da stoßen wir auf taube Ohren."

Abzuwarten bleibt unterdessen, ob die Wirkung der Reflektoren nach einigen Jahren durch einen Gewöhnungseffekt abnimmt, wie dies bei manchen Studien der Fall war. Solange können sich Schwöbel und Wenisch zumindest an weniger schlaflosen Nächten erfreuen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung