16.08.2017

Schriesheimer Serie "FSJ - und jetzt?": Clara würde alles wieder so machen

19-Jährige kehrte nach einem Jahr aus Peru zurück - Psychologiestudium geplant

An einer Grundschule in der Stadt Cajamarca unterrichtete Clara Behringer Englisch, arbeitete in einer Bäckerei, gab den Schülern Nachhilfe, kümmerte sich um die Finanzen und half in der Schulküche aus. Foto: Privat/Repro: Paul

Von Carolina Paul

Schriesheim. Vor etwa einem Jahr haben sich sechs Jugendliche aus Schriesheim nach Peru, Mexiko, Ecuador, Israel, Nepal und Weinheim aufgemacht, um dort als Freiwillige ein Soziales Jahr zu leisten - als Tierretter, Betreuer in Schulen und Waisenhäusern, Sporttrainer, Hausmeister und missionarische Unterstützer. Vor ihrer Reise sprach die RNZ mit ihnen unter dem Titel "Abitur - und jetzt?" über ihre Erwartungen. Jetzt erzählen die Jugendlichen in einer neuen Serie von ihren Erfahrungen und Zukunftsplänen.

Clara Behringer würde es sofort wieder tun. Vor gut einem Jahr begann nach ihrem Abitur ihr Freiwilliges Soziales Jahr in Peru. An einer Grundschule in der Stadt Cajamarca unterrichtete sie Englisch, arbeitete in einer Bäckerei, gab den Schülern Nachhilfe, kümmerte sich um die Finanzen und half in der Schulküche aus. Anders als in Deutschland besuchen hier Schüler von sechs bis 15 Jahren die Grundschule und nehmen dabei Schulwege von bis zu drei Stunden auf sich. Zwei Bekannte von Clara, die ebenfalls an der Schule tätig waren, besuchten einige der Schüler zu Hause und berichteten von katastrophalen Bedingungen. Ein paar der Kinder müssen neben Schweinen im Dreck schlafen, kommen aus den ärmlichsten Provinzen in Peru und haben keine Aussicht auf eine bessere Zukunft.

Dass das Leben in Peru gefährlich sein kann, erlebte Clara schon kurz nach ihrer Ankunft. An der Fensterscheibe eines Taxis waren ihr eine abgebildete Pistole und ein kleiner Text darunter aufgefallen. Da sie aber noch kein Wort spanisch verstand, geschweige denn lesen konnte, wurde ihr erst später klar, dass das Taxi mit kugelsicherem Glas ausgestattet war. Zu diesem Zeitpunkt versuchte sich Clara noch, mit einer Handy-App Spanisch beizubringen. Irgendwann fehlte aber die Zeit dazu und sie begann, die Sprache übers Hören zu lernen. "Ich kann die Grammatik nicht erklären, weiß aber, wie man sie anwendet", sagt sie.

Nicht nur an die Sprache musste sich die 19-Jährige gewöhnen, sondern auch an die körperliche Arbeit, die einiges von ihr abverlangte. In ihrem Arbeitsvertrag wurde zwar eine 40-Stunden-Woche festgehalten, tatsächlich seien es meist 45 Stunden gewesen. Dafür hatte sie am Wochenende frei und erhielt zusätzlich 20 Urlaubstage, die sie zum Reisen nutzte.

Gemeinsam mit Freunden, die sie während des Jahres kennenlernte, reiste sie nach Bolivien, besuchte dort die Salzwüste und den Titicacasee. Auch die Inka-Ruinenstadt Machu Picchu stand auf ihrem Reiseplan, sowie die farbenfrohen Regenbogenberge, die sie bestieg. Zwischen Weihnachten und Silvester ging sie auf eine Wandertour mit Freunden und feierte die Jahreswende am Strand.

Anfang Juni kam ihre Familie sie besuchen und gemeinsam reisten sie zum dritthöchsten Wasserfall der Erde, "Gocta". Eindrücklich im Gedächtnis blieben ihr auch die Märkte: riesige Gemüse-, Obst-, Fisch- und Fleischecken habe es dort gegeben. Da Clara Vegetarierin ist, kam für sie ein gebratenes Meerschwein, die Landespezialität des Landes, nicht in Frage. Generell würde sie vom Marktfleisch abraten, da es dort ohne Kühlung gelagert wird und sich Fliegenschwärme darauf niederlassen.

Während der Zeit an der Schule und den Ausflügen zu den unterschiedlichsten Orten in Südamerika, fiel es Clara manchmal schwer, den Kontakt zu ihren Freunden daheim zu halten. Zu Beginn des Auslandjahres habe sie noch viel mit ihrer Familie telefoniert, im Laufe der Monate habe ihr aber einfach die Zeit gefehlt. "Jetzt ist es komisch, meine Familie und Freunde wieder sehen zu können, ohne weit fahren zu müssen", erzählt sie. Mit Problemen ganz anderer Art hat sie nun, zehn Tage nach ihrer Ankunft in Deutschland, zu kämpfen.

Erst vor ein paar Tagen stand sie mit einem Streichholz vor dem Elektro-Herd in der Küche und versuchte, ihn wie einen Gasherd anzuzünden: "Ich habe es einfach nicht verstanden", sagt Clara. In Cajamarca hatte sie zuletzt in einer Wohngemeinschaft mit Gasherd gelebt. Das Zusammenleben mit vier weiteren Bewohnern sei "der Horror" gewesen, da die hygienischen Vorstellungen einiger Mitbewohner sehr weit auseinander lagen.

In gut zwei Jahren will sie Peru erneut besuchen. Clara möchte Psychologie studieren, aus Mainz hat sie bereits eine Zusage, auf den Bescheid aus Freiburg wartet sie noch. Sobald wie möglich möchte sie dann ein Auslandssemester einschieben und vielleicht sechs Monate in Cajamarca studieren.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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