01.09.2017

Schriesheims Trainer Kai Dittrich über die Probleme im deutschen Ringen

Schriesheims Trainer Kai Dittrich über die Probleme im deutschen Ringen"Wir müssen im 21. Jahrhundert ankommen"

30.08.2017, 06:00 Uhr

Von Claus Weber

Heidelberg. Am Samstag starten die Schriesheimer Ringer bei der Adelhäuser Reserve in die Regionalliga-Saison. Die RNZ sprach mit Trainer Kai Dittrich über die Aussichten seines Aufsteigerteams, die jüngsten WM-Erfolge der deutschen Ringer, die Abspaltung einer Profiliga und was dran ist an den Gerüchten, er würde im kommenden Jahr als Präsident des Nordbadischen Verbandes antreten.

Der 42-Jährige war vier Mal deutscher Einzelmeister und ist seit 2011 an der Bergstraße. Mit Schriesheim feierte er seinerzeit den Bundesliga-Aufstieg und war als Trainer zweimal nordbadischer Pokalsieger.

Kai Dittrich, mit welchen Hoffnungen und Zielen startet der KSV Schriesheim in die neue Saison?

Wir haben die Hoffnung, keine Abstiegsängste haben zu müssen und auch keine Aufstiegssorgen. Denn der käme für uns zu früh. Nach der Meisterschaft in der Oberliga wollten wir schnellstmöglich in die Zweite Liga zurückzukehren. Durch die Umstrukturierung der Ligen haben wir dieses Ziel bereits ein Jahr früher als geplant erreicht. Dieses eine Jahr fehlt uns zur Planung und Entwicklung. Denn wir haben einen jungen Kader.

Aber wäre die Rückkehr in die Bundesliga ein Ziel auf lange Sicht?

Ich finde: Wenn ich das Zeug dazu habe, will ich auch aufsteigen. Das wäre aber jetzt zu früh, zumal es auch innerhalb der Abteilung Umstrukturierungen gab und gibt. Derzeit ist auch schwer zu beurteilen, wie es mit den Bundesligen weitergeht. Kommt wieder eine Zweite Liga? Unser oberstes Ziel ist es, attraktives Ringen zu bieten, damit die Zuschauer in die Halle kommen und dort Stimmung ist.

Wie gut konnte die Mannschaft verstärkt werden?

Wir haben unser Oberliga-Team gehalten, hatten keine großen Abgänge und konnten uns punktuell gut verstärken.

Die Spitzenklubs wie Meister Weingarten und Vizemeister Ispringen haben sich abgespaltet und wollen in einer eigenständigen Deutschen Ringer-Liga antreten. Was halten Sie davon?

Das ist eine logische Konsequenz. Auch im Fußball, Basketball oder Handball gibt es in Deutschland eigenständige Ligen. Ich glaube, das ist die Zukunft. In Polen und Indien wird es auch bei den Ringern so gemacht. Wir müssen mit dem Ringen im 21. Jahrhundert ankommen. Das geht aber nur, wenn Deutscher Ringer-Bund und DRL an einem Strang ziehen.

Deutscher Ringer-Bund und Weltverband drohen ihren Kaderathleten mit Ausschluss, sollten sie in der DRL antreten.

Die Konsequenz ist, dass alle Kaderathleten zu anderen Teams gewechselt sind. In der DRL ringen Athleten aus der zweiten Reihe und diejenigen, die ihre internationale Karriere beendet haben. Wir werden dort viele Topleute sehen, aber keine internationale Nummer eins.

Bei der WM vergangene Woche in Paris gab’s vier Medaillen für Deutschland. Hat Sie das überrascht und könnte das für einen Aufschwung der Sportart sorgen?

Überrascht hat es mich nicht. Weltmeister Frank Stäbler gehört zu den besten der Welt, der junge Denis Kudla hat schon bei den Junioren viele Medaillen geholt und Pascal Eisele war auch schon Europameister. An einen Aufschwung fürs Ringen glaube ich aber nicht. Diese tollen Erfolge sind in den Medien verpufft, waren dem Fernsehen nur Kurzmitteilungen wert. Das Interesse der breiten Öffentlichkeit fehlt einfach. Wir müssen die Zuschauer regional ansprechen. Damit es überall heißt: Der Samstagabend beginnt nach dem Ringen.

Vor vier Jahren drohte den Ringern der Rauswurf aus dem olympischen Programm. Der Weltverband hat mit Reformen reagiert. Reichen die Maßnahmen, um Ringen auf Dauer attraktiv und telegen zu machen?

Ich fand es völlig falsch, Ringen infrage zu stellen. Dazu kommt noch, dass es die Ursportart der Olympischen Spiele ist. Man darf auch nicht nur von Deutschland ausgehen, wo wir eine Randsportart sind, andernorts ist Ringen die Sportart Nummer eins. Ich habe mir die Olympischen Spiele 2016 bewusst unter dem Attraktivitätsaspekt angeschaut und musste feststellen: Ringen ist nicht unattraktiv. Am Rahmenprogramm bzw. am Auftreten und Präsentieren musste sich was ändern. Das ist nun gelungen.

Im kommenden Jahr wird es einen Umbruch im Nordbadischen Ringer-Verband geben. Präsident Gerhard Ronellenfitsch würde Sie gerne als seinen Nachfolger sehen.

Das ist eine Aufgabe, die mich wirklich reizen würde. Es braucht aber nicht nur einen Präsidenten, sondern auch eine Mannschaft drumherum. Deshalb muss man ausloten, wer mit mir zusammenarbeiten möchte.

Schriesheims Trainer Kai Dittrich (rechts, mit Mittelgewichtler Marcus Plodek) hofft auf eine Saison "ohne Abstiegsängste und ohne Aufstiegssorgen". Foto: vaf

Von Claus Weber

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung