08.09.2017

Dossenheimer Schwester Joyce Ezeugos schwerer Kampf

Ihre wissenschaftliche Ausbildung hat sie am Tropeninstitut in Heidelberg gemacht - In ihrer Schwesterntracht ist sie auf der Straße in Lebensgefahr

Schwester Joyce Ezeugo mit Pfarrer Ronny Baier (links neben ihr) von der katholischen Kirchengemeinde Dossenheim-Schriesheim sowie Mitgliedern des Vereinsvorstandes. Foto: zg

Dossenheim. (hm) Schwester Joyce Ezeugo vom Orden "Mother of Mercy" verbrachte jüngst zwei Wochen im katholischen Pfarrhaus in Dossenheim. Sie ist nicht nur Nonne, sondern auch Ärztin, die als Gynäkologin im Krankenhaus von Abuja im Norden Nigerias arbeitet.

Als sie vor einigen Jahren im Heidelberger Tropeninstitut eine wissenschaftliche Ausbildung machte, wurde Michael Huber vom Vorstand des Vereins "Hilfe zur Selbsthilfe - Dritte Welt" mit Sitz in Dossenheim auf sie aufmerksam - es begann eine enge und erfolgreiche Zusammenarbeit.

Während ihres Aufenthalts an der Bergstraße hatte sie täglich enge Kontakte mit den Mitgliedern des Vorstandes. Sie erzählte auch über ihre Arbeit im Krankenhaus und dem ständigen Mangel an Medikamenten. "In der Klinik kommen täglich etwa 20 Kinder zur Welt. Die Mütter verlassen unser Haus meist unbemerkt so schnell wie möglich und versuchen damit, das Bezahlen der Rechnung zu umgehen", berichtet sie.

Eine mindestens eintägige Beobachtung finde nicht statt und so komme es zu vielen Todesfällen. "Die Müttersterblichkeit in Nigeria gehört zu den höchsten der Welt und ist etwa 100 mal höher als in Deutschland", nennt sie erschütternde Fakten. "Schwester Joyce will diesen Zustand ändern. Sie hat probeweise eine vorbeugende medikamentöse Behandlung der schwangeren Frauen selbst mit unserer Hilfe durchgeführt und sehr gute Ergebnisse erzielt", erklärt Helmut Merkel, Vorsitzender des Vereins, gegenüber der RNZ. "Seither sterben in ihrem Krankenhaus deutlich weniger Frauen. Sie will nun auf diesem Weg weiter gehen. Es ist ihr Ziel, die Regierung zu überzeugen, dass diese Vorgehensweise zum Standard in Nigeria werden soll", erzählt Merkel weiter. Dann würde auch die Regierung die Kosten übernehmen. "Wir werden sie bei dieser Arbeit im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen", bekräftigte der Vereinsvorsitzende. Inzwischen habe man gemeinsam mit dem Deutschen Medikamenten-Hilfswerk Medeor einen Weg gefunden, schnell und sicher benötigte Medikamente nach Abuja zu bringen.

Dann erzählt Merkel interessante Details : "Die tapfere Ärztin findet trotz ihrer erfolgreichen Arbeit im Krankenhaus in dieser Tätigkeit nicht die wahre Erfüllung ihrer Berufung. Regelmäßig verlässt sie daher die Klinik, um im Slumviertel der Stadt Sprechstunden abzuhalten und die Armen zu versorgen. Auch wenn Bomben viele Menschen verwunden, ist sie unter den Rettungskräften und hilft Leben retten."

So habe sie auch einmal einen jungen Mann versorgt und ihn auf der Intensivstation untergebracht - er habe überlebt. Er stamme aus einer fanatisch-islamistischen Familie, die ihr als Dank die einjährige Fortbildung am Tropeninstitut in Heidelberg bezahlt habe. Als sie sich persönlich bei den Eltern bedanken wollte, hätten sie dies erschrocken abgelehnt, denn es wäre für sie lebensgefährlich, mit einer christlichen Ordensschwester gesehen zu werden. "In den Gesprächen hat sie viel über ihr tägliches Leben in dem von Terroristen beherrschten Land erzählt, und wir haben Schockierendes erfahren. Aus Sicherheitsgründen können wir darüber nicht berichten", betont Merkel gegenüber der RNZ. "Nur so viel: Wenn Schwester Joyce das Krankenhaus verlässt, um anderen zu helfen, zieht sie ihre Schwesterntracht aus und zivile Kleidung an, weiß Merkel. Sie wäre sonst in Lebensgefahr."

Auch der Dossenheimer Pfarrer Ronny Baier hat sich über den Aufenthalt der Schwester in seinem Pfarrhaus sehr gefreut und ihr mit seinen Mitarbeitern viel Unterstützung zukommen lassen. "Wir freuen uns, gelegentlich auch einmal einen Engel beherbergen zu dürfen", lautet sein Kommentar dazu. Als der Vorstand ihr dann zum Abschied ein Paket mit Schokolade schenkte, machte sie es auf und verteilte die einzelnen Tafeln in Gedanken an ihre schwerkranken Patienten im Krankenhaus ...

Info: Wer die Arbeit der Schwester in Nigeria unterstützen möchte, kann dies gerne tun: Das Konto des Vereins ist bei der Heidelberger Volksbank, IBAN: DE 23 6729 0000 0085 4300 09. Kontakt zum Verein unter der Mailadresse hzs.merkel@t-online.de.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung