08.09.2017

Warum in die Ferne schweifen

Warum in die Ferne schweifenCollin Pedigo will der TSG Weinheim auch nach seinem Freiwilligendienst treu bleiben

08.09.2017, 06:00 Uhr

Von Frederick Mersi

Schriesheim. Das Knie läuft noch etwas unrund, als Collin Pedigo am Marktplatz ankommt. Die Operation am Gelenk ist erst wenige Tage her. Sechs Mal habe er sich die Kniescheibe ausgerenkt, sagt Pedigo, der Eingriff sei also dringend nötig gewesen. Und so legte sich der junge Schriesheimer gleich nach seinem Freiwilligen Sozialen Jahr bei der TSG Weinheim unters Messer. Trotz der Knieprobleme ist er von seiner Zeit dort begeistert: "Es hat sich echt gelohnt."

Während sich viele seiner Mitabiturienten erst einmal ins Ausland verabschiedeten, blieb Pedigo in Schriesheim und schaute sich nach einem Freiwilligendienst in der Region um - hauptsächlich aus Kostengründen. So kam er auf die Weinheimer Turn- und Sportgemeinde, die vier Stellen für eine Dauer von zwölf Monaten anbot. Pedigos wichtigstes Einsatzfeld wurde die Kindersportschule (KISS) des Vereins.

"Das war sehr abwechslungsreich", erzählt er, "ich habe bei den Trainingsstunden geholfen und sie manchmal notgedrungen auch selbst geleitet." Die KISS deckt Sportarten von der Leichtathletik über Ballsport bis zum Ringen und Schwimmen ab. Die jüngsten Teilnehmer sind weniger als 18 Monate, die Ältesten bis zu zwölf Jahre alt. Die Arbeit mit den Kindern habe einen Riesenspaß gemacht, sagt Pedigo. "Die haben auch als Erste gemerkt, dass ich eine neue Frisur hatte", sagt er und lacht.

Überhaupt sei er in der Zweiburgenstadt herzlich aufgenommen worden. Pedigo schob Thekendienst im Hector-Sport-Centrum (HSC), half in der Verwaltung aus und war im vereinseigenen Fitnesscenter aktiv. "Im HSC waren wir an der Theke immer die Ersten, die gefragt wurden, und die Letzten, die informiert wurden", sagt Pedigo, "aber ich habe so mit fast allen Leuten aus dem Verein zu tun gehabt." Bei Problemen habe es zudem immer einen Ansprechpartner gegeben: "Die Betreuung war wirklich top." Ein großes Plus im Vergleich zu anderen FSJ-Stellen.

Dazu kamen Seminare zu verschiedenen Themen rund um die Arbeit in Vereinen und der Sportbetreuung, zum Beispiel zu Kinderpsychologie oder Inklusion. "Dabei haben wir auch mal Rollstuhl-Basketball gespielt", so Pedigo, "was wirklich mega Spaß gemacht hat." Beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) konnte er darüber hinaus einen Trainerlehrgang zur "Übungsli-zenz C" im Ballsport für Kinder und Jugendliche absolvieren. Auch für die Mitarbeiter des Vereins organisierte Pedigo einen Sporttag, inklusive Bogenschießen, Crossgolf und Baseball und einer anschließenden Grillfeier. Die Feier war als "FSJ-Projekt" Teil seines Freiwilligendienstes.

Die größte Herausforderung sei die Umstellung vom Schulalltag auf regelmäßige Arbeitszeiten gewesen, sagt Pedigo: "Man ist es ja als Schüler nicht gewohnt, tagein, tagaus zu arbeiten." Manchmal sei er nach langen Arbeitstagen einfach nur noch ins Bett gefallen, während des Jahres habe er auch mal eine "Down-Phase" gehabt, in der ihm das Weitermachen schwergefallen sei.

Durchgezogen hat Pedigo sein FSJ trotzdem, ab Herbst will er in Heidelberg Geografie studieren. Aus seinem ursprünglichen Plan, bei der Polizei anzufangen, wurde wegen seiner Knieprobleme nichts. Der TSG Weinheim will er aber treu bleiben, vielleicht als Aushilfstrainer oder an der Theke des HSC. "Ich habe in meinem FSJ vielleicht nicht viel von der Welt gesehen", sagt er, "aber ich habe Freundschaften geschlossen, die über das Jahr hinausgehen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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