29.09.2017

Karen Lakar im Museum Theó Kerg Schriesheim

Für Karen Lakar stellen Engel wichtige Vermittler zwischen Himmel und Erde dar

Neue Arbeiten von Karen Lakar mit "Fossil" von 2017 (vorn). Foto: Julia Behrens

26.09.2017, 06:00 Uhr

Von Julia Behrens

Sie fliegen, schweben, stürzen: Die "Engel und Dämonen" aus Karen Lakars gleichnamiger Ausstellung im Museum Théo Kerg in Schriesheim. Als abstrakte Geste, als Lichtschweif oder auch als menschliche Gestalt nehmen sie auf großformatigen Leinwänden Form an. Darüber hinaus sind sie als Skulpturen in Bronze, Stein und Papier fassbar. Dabei sind die Arbeiten in Stil und Farbigkeit vielseitig, was Lakar damit begründet, dass sie immer wieder zu neuen Ausdrucksformen findet und und so unterschiedliche Zyklen entstehen.

Die Werke bauen thematisch aufeinander auf und durchlaufen dann einen Prozess der Reduktion. Anschaulich lässt sich das an der Serie "Seraphin" (2016) ablesen, in der die in München, Berlin und Südfrankreich tätige Künstlerin indirekt auf den Germanwings-Absturz von 2015 in den Alpen Bezug nimmt. Während die ersten beiden Bilder eine tumultartige Akkumulation von halb abstrakten, halb figurativen Elementen zeigen, deuten auf dem dritten Gemälde nur noch einige tief-pinke Pinselschwünge, die an einen abgerissenen, gefederten Flügel erinnern, auf ein tragisches Geschehen hin.

Für Karen Lakar, die an der Hochschule der Künste in Berlin ursprünglich Modedesign studierte, stellen Engel, zu denen auch die "Seraphim" zählen, wichtige Vermittler zwischen Himmel und Erde dar. In ihren Augen kommt die Dualität von Gut und Böse im Themenkreis der Engel, die nach Aussage der Künstlerin als Verkünder schicksalsträchtiger Nachrichten oder als "gefallene" Himmelsboten nicht immer Gutes verheißen, besonders stark zum Ausdruck.

In ihren Werken findet dies eine Entsprechung in der Verwendung von hellen und dunklen Tönen und einem Spiel mit Licht und Schatten. Das ist auch in einem neuen Werkzyklus von 2017 der Fall, in dem sich die unterschiedlichen Kräfte in differenziertem Farbspiel messen. Hier erweitert die von östlicher Philosophie beeinflusste Künstlerin, die nebenbei die Frau des berühmten Sportmediziners Müller-Wohlfahrt ist, das Thema um die Darstellung übergeordneter Zusammenhänge. Dazu gehört auch die Skulptur "Fossil" (2017), die als Hülle organischer Materie auf die Möglichkeit irdischen Seins als Durchgangsstadium hindeutet.

Doch selbst wenn man nicht an Engel, Dämonen oder die Reinkarnation glaubt, ist die Ausstellung spannend.

Info: "Engel und Dämonen. Karen Lakar"; bis 5. 11. im Museum Théo Kerg, Talstraße 52. www.kk-schriesheim.de

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung