15.11.2017

Albert Wagner starb vor 51 Jahren: Er war der Erste in Schriesheims Süden

Wagner war Begründer des Schriesheimer Gewerbegebiets, Unternehmer, Soldat und ein beliebter Bürger.

Von Dirk Hecht

Schriesheim. Gestern vor 51 Jahren, am 13. November 1966, starb in einem Heidelberger Krankenhaus Albert Wagner. Wer war Albert Wagner? Warum soll hier seiner gedacht werden?

Die älteren Schriesheimer werden ihn noch kennen: als Fabrikant, Bauunternehmer und Sportfunktionär. Seine 1945 im Süden Schriesheims ansässige Firma "Warm-Luft-Wagner" war die Keimzelle des heutigen Industriegebiets. Dass sich das Industriegebiet dort etablierte, wo es sich heute befindet, ist im Wesentlichen seiner Person zu verdanken. Albert Wagner war Pfälzer, er wurde am 26. September 1882 in Kaiserslautern als jüngstes von zwölf Kindern geboren.

Sein Vater besaß eine Firma für Feuerung- und Heizungstechnik, was seinen beruflichen Werdegang im Rückblick vorzeichnete. Nach dem Studium am Staatstechnikum in Kaiserslautern machte er sich 1910 in Ludwigshafen mit seiner neu gegründeten Firma "Warmluft" selbstständig. Der Bau von Großraumheizungen wurde zu einem großen Geschäftserfolg.

Obwohl mit 32 Jahren eigentlich schon relativ alt für den Dienst in der Armee, meldete er sich 1914 nach Kriegsausbruch doch freiwillig. 1916 wurde er wegen Tapferkeit zum Offizier befördert und erhielt auch weitere hohe Auszeichnungen. Neben dem Eisernen Kreuz bekam er das Bayerische Militärverdienstkreuz 1. Klasse mit Schwertern. 1917 erlitt er eine schwere Verwundung.

Nach dem Krieg gelang es ihm in Ludwigshafen, an seine wirtschaftlichen Erfolge anzuknüpfen. Erst der nächste große Krieg brachte eine scharfe Zäsur in sein Leben. Der im Bereich der heutigen Rheinbrücken gelegene Betrieb wurde schwer bombengeschädigt.

Albert Wagner kam im Februar 1945 von Ludwigshafen nach Schriesheim und baute die Firma "Warm-Luft-Wagner" im heutigen Industriegebiet mit den Sparten Heizungen und Lüftungen sowie Wohnungsbau neu auf. Die Anfangszeit war sehr schwierig. Auch wenn man schon bald mit der Fertigung beginnen konnte, blieb vieles provisorisch. Die "Produktionshallen" waren Holzbaracken. Das erste Wohnhaus der Wagners bestand ebenfalls aus Holz.

Für Schriesheim war die Firma indessen ein Glücksfall, viele Schriesheimer fanden - in der schlimmen Zeit - hier ihr Auskommen. Die Erfahrung Wagners im Wohnungsbau bescherte dem Unternehmen gute Aufträge und den Schriesheimern neue moderne Wohnungen, als die Wohnungsnot am größten war.

Mit dem "Wirtschaftswunder" und den wirtschaftlichen Erfolgen der Firma Albert Wagner konnten neue Werkhallen, Wohn- und Geschäftshäuser, die zum Teil heute noch stehen, gebaut werden.

Heute sind in den Gebäuden unter anderem das Unternehmen BWT, die Tanzschule Nuzinger und die Firma Duscholux. 1952 zog Familie Wagner in das neue Haus in der Porphyrstraße 1. Zu seinem 70. Geburtstag wurde ihm am 26. September 1952 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Er nutzte seinen Ehrentag, um die zweite Werkhalle einzuweihen. Es war für Albert Wagner eine Ehrensache, dass solche Ereignisse immer mit den Werksangehörigen gefeiert wurden.

Nicht nur bei seinen Angestellten, auch bei den Schriesheimer Bürgern war er aufgrund seiner angenehmen, offenen und fairen Art sehr beliebt. Im Laufe der Jahre bekam er zahlreiche Ehrungen der verschiedensten Vereine und Verbände.

Der 80. Geburtstag wurde noch einmal groß gefeiert, vier Jahre später ging es gesundheitlich bergab. Am 13. November 1966 starb er. An ihn soll eine Gedenktafel erinnern. Im Auftrag seines Enkels Philipp wurde gestern eine Gedenktafel in der Porphyrstraße 1 enthüllt.

Literatur: Dirk Hecht: "Unternehmer und Gründer des Industriegebietes", Schriesheimer Jahrbuch 2016, 2016, Seite 179-189.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung