15.12.2017

"Trailhound" Tork aus Schriesheim: Der wohl schnellste Hund der Stadt (plus Video)

Durch Zufall kam Dirk Lehner (49) aus Altenbach zum "Bikejöring" - Mit "German Trailhound" Tork holt er jetzt Spitzenplätze

Von Frederick Mersi

Schriesheim-Altenbach. Tork schläft, seine langen Beine ein wenig ungelenk in den Sessel gezwängt. Dass der fünf Jahre alte Rüde genug Energie in sich hat, um mit bis zu 48 Kilometer pro Stunde über Wald und Wiesen zu hetzen, sieht man ihm an diesem Winterabend in Dirk Lehners Wohnung nicht an. "Wir waren am Wochenende auf einem Rennen, zwei Tage danach ist er noch nicht ruhig", sagt sein Herrchen. Tork und Lehner sind ein Team im "Bikejöring", eine Art Schlittenhunderennen - nur mit Mountainbike. Gefunden haben sie sich per Zufall, dieses Jahr haben sie Bronze bei der Weltmeisterschaft in Polen geholt.

"Wir haben schon im ersten Jahr zusammen die Deutsche Meisterschaft gewonnen", erinnert sich Lehner. Dazu kamen ein weiterer nationaler Titel und zwei dritte Plätze bei den Europameisterschaften in Schottland und England. Dabei kommen weder Dirk Lehner noch seine Frau Britta aus Familien mit eigenen Hunden. Als sie zusammenzogen, holten sie sich zunächst einen Border Collie.

Mountainbiking gehörte schon damals zu Dirk Lehners Hobbys. Sich dabei von seinem Hund ziehen zu lassen, kam ihm aber erst in den Sinn, als er einen Freund als Streckenposten zu einem "Bikejöring"-Rennen begleitete. Der Chemielaborant war begeistert von der engen Verbindung zwischen Mensch und Tier, der Mischung aus Adrenalin und der Ruhe der Natur. "Also habe ich mit meinem Collie angefangen", sagt er, "und das erste Rennen haben wir gleich gewonnen." Daraufhin stellte Züchter Heinrich Stahl dem Altenbacher einen der von ihm aufgezogenen Zughunde zur Verfügung: Tork zog bei den Lehners ein, sein Herrchen und er verstanden sich auf Anhieb. "Tork ist ein sehr intelligenter Hund, ich muss ihm beim Rennen kaum Befehle geben", lobt Lehner seinen Teampartner.

Regelmäßig trainieren müssen sie trotzdem, bis zu dreimal die Woche auf Schriesheimer Feldwegen oder im Viernheimer Panzerwald. "Dort ist der Boden sehr sandig, da muss man richtig arbeiten, um vorwärtszukommen", sagt Lehner. Im Labor kann er in Gleitzeit arbeiten, im Sommer trainieren die beiden so auch früh morgens. Denn Tork hat wie die meisten Zug- und Schlittenhunde ein Problem: Bei Temperaturen über 15 Grad läuft sein Körper Gefahr, zu überhitzen. "Andere Hunde bleiben dann stehen", erklärt Lehner, "aber bei ihm ist der Renntrieb so ausgeprägt, dass er weitermachen würde, bis er umkippt."

Dazu ist es aber noch nie gekommen. Wegen Tork vom Bike gestürzt sei er ebenfalls noch nicht, sagt der 49-Jährige: "Dass das mit uns beiden so gut geworden ist, hätte vorher niemand gedacht." Inzwischen legen die beiden pro Jahr zwischen 5000 und 7000 Kilometer Trainingsstrecke zurück, ihre Wettbewerbe führen sie nächstes Jahr nach Polen, Tschechien und Schweden. Lehners Frau Britta begleitet die beiden, auch die drei Jahre alte Trainingshündin Mystique ist häufig mit dabei.

Für ihre Reisen haben die Lehners sogar einen alten Kühlanhänger zu einem kleinen Wohnwagen für sich und ihre Hunde umgebaut. Was sie an Zeit und Geld in den Sport investierten, sei "eigentlich Wahnsinn", gibt Lehner zu. Doch zumindest verbinden sie die Rennen im nächsten Jahr mit einer Woche Urlaub.

"Bikejöring" an sich sei eigentlich gar nicht so teuer: "Das kann man mit jedem Hund und einem Mountainbike machen", sagt der Profi, "ein Freund von mir macht das mit einem Zwergpinscher." Gut, Scheibenbremsen am Rad und Ausrüstung in Form einer elastischen Leine und einer stabilen Antenne seien auch wichtig, dann könne es aber auch schon losgehen. Der Lohn: "Das Trainierte mit dem Hund umzusetzen", findet Lehner.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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