11.01.2018

Schriesheim: Dieser Raritäten-Jäger sammelt Schätze aus der Vergangenheit

Schriesheim: Dieser Raritäten-Jäger sammelt Schätze aus der VergangenheitDirk Heckmann sammelt außergewöhnliche Objekte vergangener Jahrzehnte - Seine Sammlung wird gern für Filmproduktionen genutzt

Zu Beginn war er auf Flohmärkten unterwegs, jetzt schaut er sich meist auf Fachmessen um: Dirk Heckmann (51) vermietet und verkauft unter anderem "Gas Globes" aus den USA, Ringerpuppen aus Tschechien und Industrieleuchten aus der Sowjetunion. Foto: Knopf

Von Volker Knopf

Schriesheim. Sendungen wie "Bares für Rares" oder "Die Antiquitätenjäger" erfreuen sich im deutschen Fernsehen derzeit großer Beliebtheit. Einer, der auch abseits der Kameras auf die Jagd nach Schätzen aus der Vergangenheit geht, ist Dirk Heckmann: Der 51-jährige Schriesheimer ist ein König der Sammler. Tanksäulen aus den USA der 1920er Jahre, historische Emaille-Schilder aus der Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg, Neon-Coca-Cola-Reklame aus den 50er Jahren oder Bistro-Stühle aus einem Pariser Café der Belle Epoque: Der passionierte Sammler und Händler hat nur feinste Ware im hochpreisigen Bereich - allesamt Originale, versteht sich.

"Ich liebe einfach schöne Dinge", sagt Heckmann. Bereits in jungen Jahren hat er auf Flohmärkten im Rhein-Neckar-Kreis historisches Blechspielzeug und Emaille-Schilder erstanden. Es ist ein wahrer Augenschmaus für Fans der vergangenen Jahrzehnte, die sich in seinen Räumen umschauen. Vor allem "Gas Globes", Werbeleuchten amerikanischer Zapfsäulen, hat er in Hülle und Fülle. "Gerade das Automobilthema repräsentiert anschaulich die Historie der USA. Es gibt viele Sammler in diesem Sektor", weiß der Familienvater.

Zu seinem Inventar zählen aber auch Ringerpuppen aus Tschechien der 30er Jahre und Industrie-Leuchten aus Russland aus frühen Zeiten der Sowjetunion. Der Nordbadener hat ein internationales Netzwerk und ein kleines Imperium für Deko im hochpreisigen Segment errichtet. Längst verkauft er seine Ware nicht nur, er verleiht sie auch an Filmproduktionen, die Objekte einer bestimmten Ära benötigen, oder an Mode-Fotografen, die ihr Model in einem Retro-Ambiente ablichten möchten. Auch Eventveranstalter oder Innenarchitekten zählen zu seinen Abnehmern.

"Meine Objekte dürfen gerne Gebrauchsspuren haben und eine Patina jener Zeit aufweisen. Das macht gerade den Charme aus", sagt Heckmann, "mich interessieren grafische Meisterwerke der Reklamekunst. 08/15 ist nicht mein Ding." Wie zum Beweis deutet er auf ein riesiges Emaille-Schild der Tabak-Firma Greiling aus dem Jahr 1920.

Auf blauem Grund schimmert ein Kopf mit Turban, eine Zigarette im Mund. Fast wähnt man sich in einer Kolonialwarenhandlung der "Wilden Zwanziger". Dass seine Kollektion außergewöhnlich ist, haben auch TV-Produzenten erkannt. In der britischen Sendung "Die Antiquitätenjäger" geht der Waliser Drew Pritchard regelmäßig auf Schatzsuche nach edlem Mobiliar in Schlössern und Herrenhäusern des Königreichs. In einer Sondersendung besuchte er auch deutschen Boden und machte einen Abstecher nach Schriesheim. "Das war recht nett. Drew hat einiges gekauft", sagt Heckmann und lächelt, "er wollte auch mein Indian-Motorrad aus den 20er Jahren, das ich mit meinem Vater restauriert habe. Aber das bekam er nicht."

Das Schmuckstück, das er einst Steilwandfahrern auf einem Jahrmarkt in Mannheim abgekauft habt, bleibt dem Inhaber von "Classic Objects" erhalten. Während er früher vornehmlich auf Flohmärkten und Sammlerbörsen unterwegs war, ist er heute eher auf Raritäten- oder Spezialmessen, die sich auf Wohn- und Industriedesign der 50er oder 60er Jahre spezialisiert haben.

Mit dem Internet hat er erstaunlicherweise relativ wenig am Hut. Dafür ist er dann doch noch zu sehr Jäger "alter Schule". Online ist Heckmann deshalb nicht so leicht zu finden. Sein Credo: "Wer mich sucht, der wird mich auch finden." Wer das tut, sollte aber bei Kaufinteresse auch das entsprechende Portemonnaie mitbringen, um sich die edlen Retro-Objekte als Akzent zur modern eingerichteten Wohnung zu leisten.

Oft ist regelrechte Detektivarbeit gefragt, wenn Heckmann Dinge verkauft. Denn nur wenn der richtige Kunde das entsprechende Teil wertzuschätzen wisse, passe der Käufer zum Objekt und umgekehrt. "Bei jedem Utensil, das ich in die Finger bekomme, frage ich mich: Wie selten ist es? Bekomme ich noch einmal die Chance, es zu erwerben?"

Falls dies geklärt sei, spiele der Preis fast keine Rolle mehr, merkt der Schriesheimer Raritäten-Jäger Schulter zuckend an.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung