16.01.2018

Kein Baum wurde zurückgelassen

Kein Baum wurde zurückgelassenZum 30. Mal sammelte die Jugendfeuerwehr Christbäume ein - Und hatte dabei sichtlich Spaß

Von Carolina Paul

Schriesheim. "Hallo, die Feuerwehr", hallt es am frühen Samstagmorgen aus einer Gegensprechanlage am Schillerplatz. Rauch ist hier aber nicht zu erkennen, auch die Stimme am anderen Ende der Leitung scheint eher erfreut als ängstlich. Grund zur Sorge besteht an diesem Morgen wirklich nicht: Die Jugend der Freiwilligen Feuerwehr sammelt zum 30. Mal die letzten Überreste der einstigen Weihnachtsbäume in ihrer Christbaumaktion auf.

Startpunkt sind die Gebäude am Schillerplatz, wo der uniformierte Nachwuchs jetzt von der Ladefläche des Traktoranhängers springt. Die ersten fünf Bäumchen, bei denen nur noch ein kleiner Streifen silbernes Lametta an die festliche Dekoration erinnert, warten schon auf ihre letzte Fahrt. Der Christbaumfriedhof ist in diesem Jahr eine Verbrennungsanlage, auf dem Festplatz stehen für den Transport dorthin zwei große Container der AVR-Müllentsorgung bereit. Sobald der Anhänger von Lisa Krämer voll ist, wird sie mit Mark Ries den Weg dorthin antreten.

Das könnte schneller als gedacht der Fall sein, denn in der Schillerstraße und am Schillerplatz waren die Anwohner scheinbar sehr fleißig. Schon von Weitem sind hier die angehängten Zettel mit dem Namen und der Adresse des ehemaligen Besitzers zu erkennen. Tage zuvor konnte man diese aus dem Gemeindeblatt entnehmen und die eigenen Bäume somit zur Abholung anmelden. Doch andernorts liegen auch Christbäume, die kein Schild tragen: "Die nehmen wir auch mit. Das passiert aber leider öfter, als man denkt", erzählt Ries.

Die Adresse auf dem Schild ist für die Jugendfeuerwehr wichtig, denn sie nehmen die Bäume gegen eine kleine Spende mit, die dann in die Jugendarbeit der Freiwilligen Feuerwehr fließt. An diesem Samstag haben die meisten Baumbesitzer das glücklicherweise nicht vergessen und belohnen die harte Arbeit in der klirrender Kälte.

Während sechs Jungs unten die Christbäume einsammeln, nehmen Ries und Nicolas Spatz die Bäume auf der Ladefläche entgegen und entspannen während der Fahrt auf dem gefederten Bett. Dieser Komfort währt aber nicht allzu lange: Schnell wird der Platz auf dem Wagen immer kleiner, schließlich müssen auch sie richtig mitanpacken. "Nach so einem Tag spart man sich die Muckibude", scherzt Kollege Pascal Schumann, der gerade ein etwas größeres Exemplar mit angestrengtem Gesicht schultert. Er habe vor Kurzem noch Tannennadeln aus der Aktion des Vorjahres in der Hosentasche gefunden, scherzt er gegenüber seinem Kameraden.

Am Ende der ersten Straße zeichnet sich langsam die erste Rückfahrt des Traktors ab. Bis zur Baustelle im Steinschleifenweg fährt Krämer noch mit. Dann teilt sich die Gruppe auf: "Die einen bringen jetzt die Bäume zum Festplatz. In der Zeit ziehen wir alle Tannen von der Baustelle nach unten an die Straßenecke, sodass sie später nur noch die Ecken anfahren müssen", sagt Spatz.

Zu ihrer Route gehört auch das Gewerbegebiet, das sie gegen Mittag ansteuern werden. Die Jugendfeuerwehr hat Schriesheim in insgesamt fünf Touren aufgeteilt: Eine weitere Gruppe nimmt sich die andere Hälfte östlich der B 3 vor, zwei andere teilen sich die Straßen unterhalb der Bundesstraße. Gegen 12 Uhr treffen sich alle im Feuerwehrhaus zum wohlverdienten Mittagsessen und einer kleinen Pause.

Gut gestärkt schwärmen sie dann wieder bis ungefähr 16 Uhr aus. Doch Feierabend ist erst, wenn alle Bäume eingesammelt wurden und am Ende des Tages nur noch vereinzelte Nadeln auf den Gehwegen an das vergangene Weihnachtsfest erinnern.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung