16.01.2018

Gesangsverein Liederkranz: Mit Schubidubidu die Tonleiter rauf und runter

Gesangsverein Liederkranz: Mit Schubidubidu die Tonleiter rauf und runterNeu strukturiertes Nachwuchsprogramm – Leiterin will auch Ehemalige reaktivieren

Zum Aufwärmen rhythmische Klatschübungen, zum Singen "One night I had a dream": Dirigentin Irmtrud Menz (r.) begrüßte bei der Jugendchorprobe fünf "riesige" Mädchen im Sängerheim. Foto: Dorn

Von Marco Partner

Schriesheim. Irmtrud Menz freut sich. "Athina!?", sagt die Chorleiterin überrascht, als ihr einstiges Mitglied plötzlich wieder vor ihr steht. Ein Jahr pausierte die Zwölfjährige mit den Gesangsproben. Weil der Wechsel von der vierten zur fünften Klasse - die Umstellung auf die Ganztagsschule - ihre ganze Energie erforderte. Aber auch, weil der Sprung vom Kinder- zum Jugendchor, von den Kleinen zu den Großen vielleicht doch etwas zu groß war. Inzwischen hat die junge Sängerin wieder etwas mehr Zeit - und verbringt diese am Freitagnachmittag mit ihren neuen und alten Kolleginnen.

Aus zwei mach drei: Seit vergangener Woche werden im Vereinsheim des GV Liederkranz 1841 drei statt wie bislang zwei Chorstunden angeboten. Bislang waren die Gruppen in Kinderchor (fünf bis elf Jahre) und Jugendchor (zwölf bis 18 Jahre) eingeteilt. Mit der Konsequenz, dass sich insbesondere die Zehn- bis 14-Jährigen weder in der einen noch in der anderen Gruppe richtig heimisch fühlten.

"Die Altersspanne war irgendwann zu groß. Bei den Kleineren fühlten sie sich unterfordert, bei den Größeren konnten sie noch nicht richtig mithalten", erklärt die Geschäftsführerin Charlotte Günther. Also kam Dirigentin Menz auf die Idee, die Gruppen neu aufzuteilen. Ab sofort umfasst der Kinderchor die Fünf- bis Neunjährigen, der Jugendchor ist für die Zehn- bis 15-Jährigen gedacht und der Junge Chor für alle ab 16 Jahre.

"Die bisherige Einteilung war lange kein Problem. Erst in den letzten drei Jahren ist es auseinander gedriftet", hat Menz nach und nach festgestellt, dass sich insbesondere bei den jungen Teenagern eine Lücke auftat, sie verstärkt den Chorstunden fernblieben oder dem Liederkranz ganz den Rücken kehrten.

Als externen Grund für das Fernbleiben führt Betreuerin Regina Ullrich aber auch die steigenden Anforderungen in der Schule an. "Wenn G 8 oder Ganztagsunterricht hinzukommen, werden Vereinsaktivitäten wie der Chorunterricht eben als Erstes von der Freizeitliste gestrichen", bedauert sie. "Also mussten wir aktiv werden. Es wäre wirklich schade, die Kleinen zu verlieren", ergänzt Menz.

Und die neue Dreiteilung trägt erste Früchte: Im Kinderchor sind die kleinsten Chormitglieder unter sich und werden spielerisch an die Musik herangeführt. "Tam, Tam, Tam", spielen und singen sie vor einem Xylofon kniend die tiefsten und höchsten Töne der Tonleiter nach. "Somit wird das Gehör geschult, bekommen sie ein erstes Gespür für Klänge bis hin zum Rhythmusgefühl", verrät Günther.

14 junge Sänger zählt der Kinderchor, doch nicht alle Mitglieder wohnen der ersten Stunde nach den Ferien bei. "Wir sind gespannt und lassen uns überraschen", sagt Menz, als anschließend die Stunde des neuen Jugendchors schlägt. Zumindest mit vier Teilnehmern rechnet die Leiterin im Vorfeld, dank Athina werden es fünf sein.

Zunächst wärmen sich die neun- bis zwölfjährigen Sängerinnen mit rhythmischen Klatschspielen auf, um Körper, Klang und Rhythmus in Einklang zu bringen. Dann wandeln sie mit "Schubidubidu"-Gesängen die Tonleiter auf und ab. "Vorwärts höher, rückwärts tiefer", erklärt Menz, ehe sich die Gruppe an den ersten Song heranwagt: "One night I had a dream" wird auf Englisch gesungen.

"Ich habe mir gedacht, ihr seid ja auch schon groß", sagt Menz zu den Mädchen, die bislang zu den großen Kleinen oder eben kleinen Großen gehörten. "Wir sind riesig", kontert Samira scherzhaft. Was ihr am Singen gefällt? "Man kann alle Gefühle ausdrücken. Von Traurigkeit bis zur Fröhlichkeit", erklärt sie. "Und man bekommt den Kopf frei von der Schularbeit", findet auch Athina, die froh ist, wieder in ihrer Chorgruppe zu sein.

"Ein, zwei Teilnehmer mehr hätte ich mir schon erhofft, vor allem ein paar Jungs wären noch gut. Aber es ist ja auch die erste Woche nach den Ferien", ist Günther frohen Mutes, dass in den kommenden Wochen vielleicht doch noch ein paar ehemalige Chormitglieder reaktiviert werden können, die wieder gerne mit Gleichaltrigen singen, tanzen und die Welt der Musik entdecken.

Info: Die Proben des Kinderchors (fünf bis neun Jahre) finden freitags von 15.45 bis 16.30 Uhr im Vereinsheim des Liederkranzes, Schmale Seite 6, statt. Im Anschluss (16.35 bis 17.20 Uhr) folgt der Jugendchor (neun bis 16 Jahre), gefolgt vom Jungen Chor ab 16 Jahre (17.30 bis 18.30 Uhr). Kontakt: Chorleiterin Irmtrud Menz, Telefon 0 62 20 / 62 01; Betreuerinnen: Regina Ullrich, Telefon 0 62 03 / 6 29 06, und Gerlinde Hartmann, Telefon 0 62 03 / 6 19 44.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung