09.02.2018

Mitfahr-App in Schriesheim: Per Anhalter durch den Odenwald

"Husch"-Mitfahrgelegenheiten sind jetzt auch ohne Smartphone verfügbar – Resonanz ist bisher äußerst gering

Schriesheim. (kaz/fjm) Michael Bering wohnt in "VHB", dem Ortsteil Vorderheubach der Odenwald-Gemeinde Heiligkreuzsteinach. In seinem Häuschen produziert er handliche Schilder mit Ortsnamen, laminiert und damit wetterfest. Wer damit am Straßenrand steht, sucht mit dem "Daumen-hoch-Logo" eine Mitfahrgelegenheit: Die Schilder sind eine Alternative zur kostenlosen "Husch-App", an der sich inzwischen sieben Städte und Gemeinde beteiligen.

Die Idee, im ländlichen Raum auf einfache Weise für mehr Mobilität zu sorgen, entstand in Heiligkreuzsteinach. Schon vor drei Jahren hat sich Bürgermeisterin Sieglinde Pfahl für die Sache stark gemacht. Zunächst sollten Stofftaschen mit entsprechendem Aufdruck auf Mitfahrer aufmerksam machen. Dann finanzierte die Gemeinde die Einrichtung der App. Der Name "Husch" setzt sich aus Buchstaben der Ortsnamen Heiligkreuzsteinach, Schönau, Wilhelmsfeld, Heddesbach und Schriesheim zusammen.

Inzwischen machen auch Neckarsteinach und Wald-Michelbach mit. Die sieben Kommunen teilen sich die Kosten in Höhe von etwa 1200 Euro jährlich. Derweil bringt Michael Bering ehrenamtlich Anbieter und Nutzer zusammen. Er registriert alle mit Namen und Anschrift, bei den angemeldeten Fahrern kommt das Autokennzeichen dazu. Das sorgt auf beiden Seiten für eine gewisse Sicherheit. Die Fahrer sind an der kleinen "Husch"-Plakette an der Windschutzscheibe zu erkennen. Die kann, wie die neuen Schilder, direkt bei Bering bestellt werden. Das neue Konzept ist eine Alternative zur Kontaktaufnahme via Smartphone, wenn der Bus erst wieder in einer Stunde fährt oder es in Richtung Zielort gar keinen gibt.

"Ich glaube fest, dass da noch viel mehr geht", sagt Bering. Derzeit seien für die Mitfahrgelegenheit 280 Personen registriert. Bering will nun gezielt Unternehmen und Organisationen für die "Husch-App" gewinnen. Nächster Schritt könnte die Gründung eines Vereins sein. Dann könnte die Initiative für finanzielle Unterstützung Spendenquittungen ausstellen.

In Schriesheim war die Resonanz auf das Angebot laut Bering bisher "geradezu unterirdisch": Insgesamt 22 Einwohner haben sich bis dato angemeldet. Bering würde sich mehr Unterstützung bei der Werbung für das Projekt wünschen. "Wenn ich bei der Verwaltung nachfrage, heißt es nur, ich könnte einen kostenlosen Marktstand bekommen", so Bering, "aber ich will ja keine Wurst verkaufen." Dennoch ist er von dem Angebot weiterhin überzeugt: "Ich glaube, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Info: Weitere Informationen im Internet unter www.husch-mobi.de, per Mail an info@husch.mobi sowie unter Telefon 0 62 20/ 9 22 78 37. Die "Husch-App" ist im Apple und Google Play Store zum Download verfügbar.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung