17.03.2018

Gegenwind Schriesheim-Hirschberg: "Das Thema birgt noch gesellschaftlichen Zündstoff"

Windkraftgegner der BI kritisieren Bürgermeister Höfer und geben sich kämpferisch

Schriesheim/Hirschberg. (mpt) Sie wollen mehr sein, als ein laues Lüftchen. Sie blasen zur Gegenattacke und hoffen, dass sich am Ende gar nichts dreht. Vor einem Jahr hat sich die Bürgerinitiative (BI) "Gegenwind Schriesheim-Hirschberg" zu einem Verein formiert, um geschlossen gegen die mögliche Errichtung von Windkraftanlagen auf Schriesheimer Gemarkung mobil zu machen. Nun luden die Gegner der Rotor-Türme zur ersten Jahreshauptversammlung ein, um die vergangenen zwölf Monate zu reflektieren sowie Taktik und Programme für die kommenden Wochen und Monate zu besprechen.

Zur Gründung im Januar 2017 zählte der Verein 15 Teilnehmer. Inzwischen ist er auf 53 Mitglieder sowie 25 weitere Sympathisanten angewachsen, 20 von ihnen fanden am Donnerstag den Weg ins Hotel "Neues Ludwigstal". Dort erinnerte der Vorsitzende, Hans-Jörg Goerlach, noch einmal an die spontane Idee, einen offenen Treff in eine Gründungsversammlung münden zu lassen. Seitdem war der Verein auf vielen Ebenen aktiv. Unter anderem beteiligte man sich an einer Demo am Windpark-Standort Stillfüssel und protestierte in Wald-Michelbach. Infoveranstaltungen der Grünen, CDU, SPD und Freien Wähler wurden besucht - und mit Gastredner Peter Geisinger von der BI "Vernunftkraft Odenwald" auch ein eigenes Event mit 80 Besuchern organisiert.

Eingeladen waren auch Bürgermeister Hansjörg Höfer und der Gemeinderat. "Aber niemand von ihnen war erschienen", bedauerte Goerlach. Leicht werde es der BI "Gegenwind" ohnehin nicht gemacht: Eine Teilnahme am Blütenwegfest sei wegen "politischen Hintergrunds" verweigert worden, den "Ökostromern" jedoch nicht. Sehr zum Leidwesen des Vereins sind zudem zwei am Naturfreundehaus angebrachte Info-Tafeln dem Vandalismus zum Opfer gefallen. Dennoch werde man weiterkämpfen, und auch in Altenbach wie im letzten Jahr wieder zu einem Stammtisch einladen.

Ob Schriesheim tatsächlich in die engere Auswahl bei der Suche nach neuen Windkraftanlagen kommt, ist noch in der Schwebe. Zuletzt wurde die Friesenheimer Insel in Mannheim ins Spiel gebracht. "Aber wir müssen jetzt handeln. Wenn der Flächennutzungsplan kommt, ist es vielleicht schon zu spät", erklärte der stellvertretende Vorsitzende, Frank Funcke. Das bereits für Januar erwartete Gutachten stünde nach wie vor aus. Vor allem ist die BI darüber verärgert, dass Schriesheim als einzige von 18 Gemeinden des Nachbarschaftsverbandes Heidelberg-Mannheim keine grundsätzlichen Bedenken gegen die Installierung der Windräder äußerte. "Damit sind wir die letzten Mohikaner", befürchtete Funcke: "Es ist wie bei der ’Reise nach Jerusalem’. Und unser Bürgermeister bleibt einfach sitzen", betonte auch Sabine Schönfelder-Funcke.

Dabei könne die BI genug Argumente contra Windenergie ins Feld führen: mögliche Waldschneisen und die Zerstörung von Lebensraum für Flora und Fauna. Die Unfälle bei Paderborn, wo zuletzt die tonnenschweren Flügel neuer Anlagen vor Inbetriebnahme auseinanderbrachen. Oder der Infraschall, welcher sich auch auf Gesundheit von Mensch und Tier niederschlagen könne. In Dänemark führte die Angst vor der unterschwelligen Belästigung durch das Drehen der gigantischen Rotoren zum Baustopp. Schlussendlich nachgewiesen werden konnte die Wirkung Studien zufolge aber nicht.

"Das Thema birgt noch gesellschaftlichen Zündstoff, wenn es zur Lagerbildung in Gegner und Befürworter kommt", betonte der zweite Stellvertreter, Dieter Haas. Wie der Einzelkämpfer Don Quijote möchte die BI aber nicht gegen die Windräder vorgehen. Stattdessen baue man auf die Unterstützung benachbarter Initiativen in Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz. Und man sei auch bereit, sich in Podiumsdiskussionen den Verfechtern von Windkraftanlagen zu stellen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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