15.04.2021

Neue Normalität der Musikschule währte nur kurz

Vor einem knappen Monat war kurzzeitig ein Präsenzunterricht möglich, dann wurden die Bestimmungen wieder verschärft. Bisher gab es aber kaum Kündigungen.

Von Max Rieser

Schriesheim. Wo sonst musiziert wird, herrscht seit einem Jahr Stille. Die Musikschule ist von den Coronamaßnahmen gebeutelt: "Es ist ein ständiges Auf und Ab. Wir müssen schließen, wir dürfen öffnen, wir müssen schließen, wir dürfen öffnen", berichtet Schulleiter Olaf Weithäuser. Mitte März hatte der Präsenzunterricht gerade wieder begonnen. Sogar Bläser und Sänger durften mit strengen Hygienevorschriften und einer Art Trennwand zwischen Lehrer und Schüler proben. Durch die seit Monatsende geltenden Bestimmungen ist das aber schon wieder obsolet.

Allerdings ist der Unterricht im Onlineformat mittlerweile erprobt, und die Musikstunden vor dem Bildschirm wird auch bisher gut angenommen. Das liegt laut Weithäuser nicht zuletzt am tatkräftigen Einsatz der Mitarbeiter. Er gibt aber zu bedenken: "Für unsere Lehrkräfte ist der Aufwand viel höher als in Präsenz, und der Onlineunterricht kann den Präsenzunterricht niemals ersetzen. Deshalb Hut ab an unsere Lehrer, wie sie das durchziehen." Das liegt auch daran, dass Mimik und Gestik der Musikschüler per Video schwieriger zu korrigieren sind.

Die Ausfälle durch jene Mitglieder der Musikschule, die das virtuelle Angebot nicht in Anspruch nehmen wollen, hält sich in Grenzen. Und auch die Nachfrage hat sich kaum verändert. So werden beispielsweise Blasinstrumente, bei denen mehr Aerosole ausgestoßen werden, weiterhin nachgefragt, und es kam bei diesen Instrumenten nicht vermehrt zu absagen.

Das Ausmaß an Kündigungen, sagt Weithäuser, weicht auch generell nicht sehr von dem in "normalen" Jahren ohne Pandemie ab. Die meisten bleiben über den Bildschirm am Ball. Nur die Nachrücker fehlen – und die wurden bisher immer stark über den Tag der offenen Tür, der jährlich im Juni stattfindet, angeworben. Momentan finden die Planungen statt, wie man das Event realisieren kann, selbst wenn sich die Situation bis dahin nicht entspannt. Ein weiteres Problem für den Tag der offenen Tür ist, dass sich die Räumlichkeiten der Schule weiterhin saniert werden. So können außer dem Container-Quartier aktuell nur zwei Räume genutzt werden. Das würde einen Publikumsverkehr zusätzlich erschweren. Im letzten Jahr präsentierten sich die einzelnen Lehrkräfte mit ihren Instrumenten über den Youtube-Kanal der Musikschule. Das könnte sich Weithäuser für dieses Jahr wieder vorstellen wie auch Zoom-Konferenzen mit den einzelnen Fachrichtungen. Diese sind eine der vielen Ideen für den Tag der offenen Tür.

Durch die Renovierungsarbeiten an der Musikschule würde sich die Umstellung in den kompletten Präsenzunterricht ohnehin schwierig gestalten: "Wir erhalten viel Unterstützung von Gymnasium und Realschule und dürfen ja zum Glück auch in die Mehrzweckhalle ausweichen", berichtet Weithäuser erleichtert. Trotzdem ist der zwangsweise Unterricht im Internet dadurch auch ein Stück weit hilfreich.

Andere musikalische Veranstaltungen sind vorerst nicht geplant, dafür ist die Situation laut dem Schulleiter zu ungewiss. Das ist auch ein finanzielles Problem, denn die Spendeneinnahmen aus diesen Konzerten fehlen. Dadurch und durch die Ausfälle bei den Mitgliedsbeiträgen fehlen der Schule 20 Prozent der jährlichen Einnahmen. Ob die im Nachhinein kompensiert werden können, ist noch unklar. Über den Verband der Musikschulen erhalten die Schriesheimer, die als gemeinnütziger Verein organisiert sind, aktuell immerhin zehn Prozent der Personalkosten erstattet. Der Rest ergibt sich aus Unterrichtsgebühren und Zuschüssen der Stadt Schriesheim sowie der Gemeinde Hirschberg. So musste bisher für keine der Lehrkräfte Kurzarbeit angemeldet werden.

Trotz aller Widrigkeiten konnte die Einrichtung über Videobeiträge beim bundesweit stattfindenden Wettbewerb "Jugend musiziert" mitmachen. Und nicht nur das. Zwei der Teilnehmer aus Schriesheim konnten sogar Preise erzielen. Paul Rinneberg (Klavier) und ein Duo, bestehend aus Emily Dressel (Klavier) und Jochen Vogel (Cello), konnten sich gegen die Konkurrenz durchsetzen.

Die Schulleitung hält weiter durch und versucht, das Beste aus allem zu machen. Schade sei es trotzdem, sagt Weithäuser, denn "der Musiker steht normalerweise auf der Bühne und wird beklatscht – und das fällt halt alles weg".

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung