19.11.2022

Der Abriss des Kompressorenhauses ist ausgesetzt

Der Abriss des Kompressorenhauses ist ausgesetzt

Etliche Schriesheimer finden es nicht gut, dass das alte Kompressorenhaus am Ölberg-Wanderweg abgerissen wird. Foto: Dorn
Das Regierungspräsidium will sich erst noch mit Denkmalschützern besprechen. Die Befürworter des Erhalts haben aber dennoch Zweifel.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Das ist nun mal eine überraschende Kehrtwende: Am Freitag teilte um 16.57 Uhr das Regierungspräsidium per Pressemittelung mit, dass der geplante Abriss des Kompressorenhauses ausgesetzt ist, "da noch eine Stellungnahme des Landesamts für Denkmalpflege abzuwarten ist". Eigentlich waren die Abbrucharbeiten für diesen Montag geplant, da hieß es allerdings noch von der beauftragten Baufirma, man müsse die Stellungnahme der Fledermausbeauftragten abwarten.

Wie es aus Karlsruhe heißt, gab es "aufgrund von Bedenken aus der Bevölkerung, es könne sich um ein denkmalwürdiges Gebäude handeln", am Donnerstag einen Ortstermin mit Vertretern des Regierungspräsidiums Karlsruhe, dem Landesamt für Denkmalpflege (Stuttgart) und dem Rathaus. Die Stuttgarter Behörde werde das Gebäude aus Sicht des Denkmalschutzes bewerten und in den nächsten Tagen eine Stellungnahme abgeben: "Auf Basis dieser Stellungnahme und in Abstimmung mit der Stadt Schriesheim wird das Regierungspräsidium über einen möglichen Abriss beziehungsweise Erhalt des Gebäudes entscheiden." Sobald die Entscheidung vorliegt, werde die Karlsruher Behörde über das weitere Vorgehen erneut informieren.

Inhaltlich steht diese weiter zu ihrer Begründung für den Abriss: "Das Gebäude liegt direkt an einem Wander- und Forstweg im Wald des Naturschutzgebietes Ölberg. Müll und andere Hinterlassenschaften zeigen, dass es als Lager-, Übernachtungs- und Partystätte genutzt wird. Dies ist nach Naturschutzgebietsverordnung nicht zulässig und stellt eine erhebliche Störung für das Naturschutzgebiet dar."

Tatsächlich gab es für einen möglichen Erhalt des Kompressorenhauses zwei Argumentationslinien: erstens den Denkmalschutz – schließlich handelt es sich um einen der wenigen Überreste des über 70-jährigen Porphyrabbaus in Schriesheim. Und zweitens den Artenschutz, gerade was die streng geschützten Fledermäuse angeht, die einige in diesem Gebäude vermuteten. Doch der Fledermausschutz ist nach RNZ-Recherchen zumindest fragwürdig, wie ein Experte erklärte (siehe unten).

Unklar war bisher die Sache mit dem Denkmalschutz: Eine RNZ-Anfrage beim Landesamt für Denkmalpflege hatte ergeben, dass es in bisherige Abrissplanungen nicht involviert gewesen sei, man wisse nichts von dem Kompressorenhaus (RNZ vom 10. November). Vorher hatten das Regierungspräsidium und die Stadt, der die Fläche gehört, immer damit argumentiert, das Kompressorenhaus sei nicht denkmalgeschützt – was wohl daran lag, dass die zuständige Behörde von ihm nie etwas gehört hatte. Zumindest hatte Matthias Schilling, der die Feldeisenbahn im Dossenheimer Steinbruch Leferenz betreibt, mit der Denkmalwürdigkeit argumentiert: "Das Kompressorenhaus repräsentiert mit dem angebauten Trafohaus und der Maschinenhalle ein typisches Steinbruchbetriebsgebäude aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ursprünglich aus behauenen Natursteinen errichtet, sind schön die Umbauten und Erweiterungen im Stil der jeweiligen Epoche zu sehen. Hier war einst der Betriebsmittelpunkt des Steinbruchs." Auch Stadtarchivar Dirk Hecht fand, dass "das Kompressorenhaus für den landschaftsprägenden Steinbruch eine große Bedeutung" habe.

Zuletzt hatte die grüne Landtagsabgeordnete Fadime Tuncer beim Umweltstaatssekretär Andre Baumann interveniert, "um den Naturschutz und das Industriedenkmal zusammenzubringen"; auch die Grüne Liste hatte sich in einem Brief das Regierungspräsidium um eine "Atempause" in Sachen Abriss gebeten – gerade angesichts wachsenden Widerstands aus der Bevölkerung gegen den Abriss. Der wiederum hat zumindest nach der jüngsten Pressemitteilung der Karlsruher Behörde offenbar nicht den Ausschlag gegeben – auch wenn mittlerweile an die 150 Unterschriften auf Listen gesammelt und eine Online-Petition von 262 Personen (Stand: Freitagabend) unterzeichnet worden waren.

Das wiederum enttäuscht Reiner Frank Hornig, der die Online-Petition initiiert hatte, auch wenn er den Abriss-Stopp einen "schönen Erfolg" und ein "Etappenziel" nennt: "Die Entscheidung wird nicht von den Bürgern, dem Gemeinderat oder dem Bürgermeister bestimmt, sondern einzig und allein von der Denkmalschutzbehörde. Wenn die Nein sagen, haben wir Pech gehabt." Und dann werde es auch nichts mit dem Förderverein, der das marode Gebäude in Eigenarbeit und durch Spenden sichern und herrichten wolle. Er sieht sogar in der Entscheidung des Regierungspräsidiums "einen geschickten Schachzug": Man schiebe den Abbruch etwas auf, um ihn dann mit dem Okay der Denkmalschützer doch noch vollziehen zu können – und "die Bürger sind trotz ihres großen Engagements davon komplett ausgeschlossen".


Für Fledermäuse "strukturell nicht geeignet"

Experte erwartet im Kompressorenhaus keine geschützten Tiere, denn die brauchen andere Lebensbedingungen

Schriesheim. (hö) Auch wenn der Abriss des Kompressorenhauses nun aufgeschoben ist: Eine Frage bleibt doch: Wohnen in ihm Fledermäuse? Und wäre das Gebäude, sollte es erhalten werden, ein geeignetes Quartier für die streng geschützte Tierart? Andreas Arnold, ein Mannheimer Fledermausexperte mit über 30 Jahren Berufserfahrung, glaubt nicht daran. Er ist sich sicher, dass es solche Tiere dort nicht gibt.

Der Wiesenbacher Bauunternehmer Claudio Capriglione, den das Regierungspräsidium Karlsruhe mit den Abbrucharbeiten beauftragt hatte, erklärte gegenüber der RNZ, dass er noch die Stellungnahme der Fledermausbeauftragten abwarten müsse, bevor er anfangen könne (RNZ vom Mittwoch). Dieses Ehrenamt bekleidet eigentlich für den Rhein-Neckar-Kreis Brigitte Heinz vom Naturschutzbund (Nabu) Heidelberg. Doch die ist erkrankt, außerdem kennt sie die Gegebenheiten im Schriesheimer Steinbruch nicht. Stattdessen wurde nun Arnold vom Regierungspräsidium beauftragt. Wie er auf RNZ-Anfrage berichtet, hatte bereits im Mai sein Fachkollege Christian Dietz für die Karlsruher Behörde ein Gutachten erstellt: Dietz konnte damals "nichts an Fledermäusen, aber auch Reptilien und Amphibien feststellen". Offenbar war, so Arnold, auch Gunnar Hanebeck, der sich sonst im Dossenheimer Steinbruch um die Fledermäuse kümmert, im Sommer am Kompressorenhaus, auch er fand nichts. Nun wird also Arnold – er kennt die Situation vor Ort bisher nur aus Bildern – am Wochenende vorbeischauen und für das Regierungspräsidium einen Bericht schreiben.

Allerdings ist er sich relativ sicher: "Beim Zustand dieses Gebäudes sind keine Fledermäuse zu erwarten." Denn für die 25 Arten, die es in Deutschland gibt, gelten zwar durchaus unterschiedliche Standortbedingungen, aber doch haben sie – bis auf das Braune Langohr, das meist in Baumhöhlen nistet – ähnliche Ansprüche an ihre Domizile: Sie mögen es im Sommer möglichst warm, um zu brüten und ihre Jungtiere aufziehen zu können. Das Kompressorenhaus wäre da nicht die erste Wahl: Ohne Fenster und auch ohne Dach wäre es zu zugig – und dazu noch unter den Bäumen im Schatten. Arnolds Fazit: "Das Kompressorenhaus ist kein gutes Quartier."

Im Spätjahr ist das anders: Da mögen es die Tiere lieber kalt, vor allem aber feucht, denn sonst trocknen sie im Winterschlaf aus – deswegen ziehen sie sich gern in Bergwerksstollen wie im Weiten Tal zurück, in denen eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht. Und vor allem: Die Tiere mögen Besucher nicht sehr gern, die seien "extrem störungsempfindlich". Und wenn ein Gebäude wie das Kompressorenhaus "ein Anziehungspunkt" (Arnold) sei, dann siedelten sie eher nicht hier. Also, alles in allem: "Dieses Gebäude ist strukturell als Fledermaus-Quartier nicht geeignet." Er werde dennoch "unvoreingenommen" sich das Kompressorenhaus anschauen, auch wenn er sich fast sicher ist, dass er dort nichts finden wird: "In der Fledermausforschung heißt es immer: Sag niemals nie. Aber man hat doch so seine Erfahrungen."

Update: Freitag, 18. November 2022, 19.50 Uhr

Kompressorenhaus-Abriss wird ausgesetzt

Schriesheim/Karlsruhe. (RNZ) Der Abriss des Kompressorenhaus ist vorerst abgesagt. Das teilte das Regierungspräsidium Karlsruhe am heutigen Freitag mit. Dass an dem Gebäude regelmäßig Müll und andere Hinterlassenschaften gefunden werden zeige, dass es als Lager-, Übernachtungs- und Partystätte genutzt wird. Dies sei nach Naturschutzgebietsverordnung nicht zulässig und stelle eine erhebliche Störung für das Naturschutzgebiet Ölberg dar.

Ursprünglich war der Abriss des Kompressorenhauses für kommende Woche geplant, werde nun aber ausgesetzt, da noch eine Stellungnahme des Landesamts für Denkmalpflege abzuwarten sei. Der Abriss war zwischen der Stadt Schriesheim und dem Regierungspräsidiums Karlsruhe abgestimmt worden.

Aufgrund von Bedenken aus der Bevölkerung, es könne sich um ein denkmalwürdiges Gebäude handeln, fand am gestrigen Donnerstag, ein Ortstermin mit Vertretern des Regierungspräsidiums Karlsruhe, dem Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart und der Stadt Schriesheim statt.

Das Landesamt für Denkmalpflege wird das Gebäude aus Sicht des Denkmalschutzes bewerten und in den nächsten Tagen dazu eine Stellungnahme abgeben. Auf Basis dieser Stellungnahme und in Abstimmung mit der Stadt Schriesheim wird das Regierungspräsidium Karlsruhe über einen möglichen Abriss beziehungsweise Erhalt des Gebäudes entscheiden.

Sobald die Entscheidung vorliegt, will das Regierungspräsidium Karlsruhe über das weitere Vorgehen erneut informieren.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung