16.11.2022

Zwei Poller für die Heidelberger Straße?

Zwei Poller für die Heidelberger Straße?

Bianca Sommerfeld, Liselore Breitenreicher und Hilmar Frey (v.l.) von der Initiative Schriesheimer Bürger haben schon einmal einen symbolischen Pfosten in die Heidelberger Straße vor den „Hirsch“ gestellt. Foto: Dorn
Die ISB hat einen Vorschlag, den sie mit Anwohnern und Geschäftsleuten am Donnerstag diskutieren will. Das Ziel ist mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Es ist schon länger ein Thema: Sollte die Heidelberger Straße am Wochenende für Autos gesperrt sein? Dafür gibt es wohl einen parteiübergreifenden kommunalpolitischen Konsens: Zuerst sprachen sich im Bürgermeisterwahlkampf beim RNZ-Forum die beiden Kandidaten Christoph Oeldorf und Fadime Tuncer dafür aus; dann machte der Fraktionssprecher der Freien Wähler, Bernd Hegmann, denselben Vorschlag; und schließlich fragte die Grüne Liste vor knapp vier Wochen die Wochenmarkt-Besucher, was sie davon halten: 66 der 71 Meinungsäußerungen (93 Prozent) waren dafür.

Dabei geht ein bisschen unter, dass sich die Initiative Schriesheimer Bürger (ISB), damals noch unter dem Namen Bürgergemeinschaft Schriesheim (BgS), schon länger um dieses Thema gekümmert hatte, zuletzt im September bei einem ihrer Treffen. Nun ist dazu am Donnerstag, dem 17. November um 19 Uhr in der Weinstube Hauser ein weiteres geplant – in der Hoffnung, dass möglichst viele Anwohner, Geschäftsleute und Gastronomen (und natürlich Bürger) zusammenkommen, um die Argumente dafür und dagegen auszutauschen: "Wir wollen nichts fordern oder vorgeben. Wir wollen nur, dass alle an einem Tisch zusammenkommen, um das Thema aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten", sagt Hilmar Frey von der ISB. Er meint zwar, dass es in der Stadt "eine gefühlte Mehrheit" für eine Wochenendsperrung der Heidelberger Straße gibt, aber auch ISB-Schriftführerin Bianca Sommerfeld gibt zu: "Mit den Anwohnern hatten wir bisher wenig Kontakt." Aber dass soll sich ja am Donnerstag ändern.

Ganz ohne eine Idee, wie man die zentrale Einkaufs- und Gastronomiemeile der Stadt verkehrsberuhigen und damit attraktiver machen könnte, gehen sie dann doch nicht in das Treffen: So schlägt die ISB vor, zwei Pfosten oder Poller in die Straße zu setzen: einen in die Heidelberger Straße zwischen "Hirsch" und Backhaus Höfer und einen in die Kirchstraße (Einmündung zur Heidelberger Straße) – und zwar ab Samstag, 14 Uhr (also wenn der Wochenmarkt vorbei ist), bis Sonntagabend, 20 oder gar 22 Uhr. In dieser Zeit sollen die Gastronomen Gelegenheit haben, in einem autofreien Ambiente mehr Tische und Stühle auf die Straße zu stellen.

Doch ganz autofrei wird es nicht zugehen: Denn erstens müssen die Anwohner zu ihren Grundstücken und die Gläubigen, zumindest die katholischen, zu ihrer Kirche gelangen. Daher soll zweitens, so zumindest die erste Idee, der Poller vor dem "Hirsch" umfahren werden können: über die Schulgasse, den unteren Schulhof, den Pfarrer-Eberhard-Platz und die Oberstadt wieder auf die Heidelberger Straße. Ob das alles auch in der Praxis klappt, könnte eine Probezeit für die Pfosten zeigen, meinen Frey und Sommerfeld. Dann wird man auch sehen, ob die Gastronomie auf den größeren Raum zum Entfalten reagiert – und vielleicht auch die Vereine. So denkt Frey beispielsweise daran, dass die ab und an den Platz vor dem Alten Rathaus für Veranstaltungen, also Lesungen oder kleine Auftritte, nutzen könnten: "Ich verspreche mir davon einen kulturellen Gewinn für die ganze Stadt."

Denn im Moment sieht die ISB das touristische Potenzial Schriesheims noch nicht ausgeschöpft, eine höhere Aufenthaltsqualität in der Altstadt könnte da der Anfang sein: "Das ist unsere große Chance, wenn wir schon keine Industrie wie Ladenburg haben." Apropos Ladenburg: Dort wird schon seit mehr als einem Jahrzehnt der Verkehr aus Altstadt am Wochenende mit zwei Pfosten (am Weinheimer Tor und am Neckartorplatz) herausgehalten – vor allem auch wegen der Touristen.

Die bisherigen Erfahrungen sind im Großen und Ganzen gut, zu größeren Aufregungen bei Anwohnern und Einzelhändlern kam es nicht – von Einzelfällen einmal abgesehen, als es um die Sperrung ab Freitagabend ging. Die Pfosten werden im Moment noch vom Bauhof per Hand eingesetzt, sollen aber bald durch hydraulische ersetzt werden. Ein Modell auch für Schriesheim? Frey zögert: "So weit sind wir noch nicht, wie die Poller aussehen sollen. Es geht erst einmal darum, ein Meinungsbild einzuholen und dann die Stadt um eine Einschätzung zu bitten, was technisch und finanziell überhaupt machbar ist."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung