05.08.2005

Pluto braucht 250 Jahre für eine Runde um die Sonne

Im Planetensystem ist er der Langsamste – Kinder-Ferienprogramm in der Christian Mayer-Volkssternwarte mit interessanten Infos

Auch das „Solarscope“ wurde von den Kindern umringt. Leider war der Himmel meistens bedeckt, so dass der Blick auf die Sonnenscheibe nur ab und zu möglich war. Foto: Dorn
Von Karin Katzenberger-Ruf

Schriesheim. „Wollt Ihr mal durch das Teleskop sehen“, fragt Martin Busemann. Natürlich wollen die Kinder das. Der Besuch der Volkssternwarte ist Auftakt des Ferienprogramms und stößt wie immer auf reges Interesse. Die Stühle im Vortragssaal reichen für die kleinen Gäste gerade so aus. Dort gibt Roland Janz einen kurzen Überblick über das Planetensystem. Der elfjährige Lukas meldet sich eifrig, um Fragen zu beantworten. Zum Abschluss darf er dann noch die Reihenfolge der Planeten in der kosmischen Ordnung aufzählen.

Allein schon Größe und Umlaufbahnen der Planeten um die Sonne beeindrucken. Die Erde ist bekanntlich 365 Tage unterwegs. Der Merkur, nur 60 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt, schafft seine Bahn in nur 88 Tagen. Dagegen braucht Pluto, der gewissermaßen „ganz weit draußen“ angesiedelt ist, stolze 250 Jahre. Zum Vergleich: Jupiter, der größte Planet ist mit zwölf Jahren noch einer der Schnelleren.

400 Grad Celsius auf Merkur

Der „Gasriese“ ist gut elf Mal so groß wie die Erde. Auf seiner Oberfläche soll ein Wirbelsturm mit Geschwindigkeiten von 2000 Stundenkilometern toben. Das ist für irdische Maßstäbe fast unvorstellbar. Ähnliches gilt für die Erkenntnis, dass es auf dem Mars eine Schlucht von 3000 Kilometern Länge gibt. Aus was besteht eigentlich der Ring des Saturn, will ein Junge wissen. Es sind Gesteinsbrocken. Könnte er sich darauf fortbewegen? Theoretisch schon, erfährt er. Allerdings: Die meisten Planeten, auch die weniger erforschten, dürften lebensfeindlich sein. So hüllt sich die Venus in rötliche Schwefelwolken und hat im Vergleich zur Erde den hundertfachen Luftdruck. Das Gasgemisch ist zudem völlig frei von Sauerstoff. Rund 400 Grad Celsius auf dem Merkur, minus 190 auf Uranus: Da ist unser Planet trotz ebenfalls großer Temperaturunterschiede schon richtig für uns. Der Abstand zwischen Erde und Sonne beträgt übrigens rund 150 Millionen Kilometer.

In Gruppen lernen die Kinder auch, wie man mit „Sternenscheiben“ umgeht und darauf die Konstellationen am Himmel ablesen kann. Ebenso, dass der Polarstern das ganze Jahr über gut sichtbar ist. Ein Blick ins Fotolabor steht auch auf dem Programm. Nur wird das Labor momentan eigentlich kaum noch genutzt, wie von Wilfried Muck zu erfahren ist. Digitalkameras liefern die Bilder schneller und besser.

Zum Auftakt der Nachmittagsveranstaltung ist das „Solarscope“ von Kindern umringt. Leider ist der Himmel meistens von Wolken bedeckt. So ist die Scheibe der Sonne, die sich durch das einfach konstruierte Gerät auf weißem Karton abzeichnet, nur ab und an zu sehen. Ähnliches gilt für den Blick durch das Teleskop, mit dem dank Spezialfilter das direkte Anschauen der Sonne möglich wäre, die übrigens nicht in der Mitte des Planetensystems sitzt, sondern eher an der Seite. Doch das System ist ja auch eine Elypse. „Die Sonne ist ein Stern und ein großes Atomkraftwerk“, erklärt Busemann den Kindern und warnt eindringlich davor, die „Lebensspenderin“ mit bloßem Auge betrachten zu wollen. Verbrennungen der Netzhaut wären die Folge. Noch eine interessante Zahl: Würde man das Gewicht der Sonne und aller Planeten zusammenrechnen, entfielen auf die Sonne 99 Prozent der Masse. Das restliche Gesamtgewicht würde zu 99 Prozent auf Jupiter entfallen.

Die Arbeitsgemeinschaft „Volkssternwarte Schriesheim“ bietet das ganze Jahr über Veranstaltungen an. Die Geschäftsstelle (Entengasse 3) ist telefonisch über unter der Nummer 06203/65002 zu erreichen. Leiter Roland Janz hat bei gleicher Vorwahl die Nummer 65218. Im Internet präsentiert sich die Einrichtung unter www volkssternwarte-schriesheim.de.

Wer deren Arbeit finanziell unterstützen will, kann vor Ort übrigens „ein Stück vom Himmel“ kaufen. Dabei handelt es sich um Meteoriten-Stückchen, die zum Preis von drei Euro erhältlich sind. Die Kinder hatten beim Besuch vor Ort die Chance, so ein Himmelsstück bei einem Quiz zu gewinnen. Benannt ist die Sternwarte (Ladenburger Fußweg 4) nach Christian Mayer. Der Hof-Astronom von Kurfürst Carl Theodor lebte von 1719 bis 1783 und galt als berühmtester Himmelsgelehrter seiner Zeit.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung