08.09.2005

Diesen Vorsprung kann keiner nehmen

Ausgezeichnete Arbeit im schwierigen Umfeld: Qualitätssiegel für den Talhof – Prüfungen gehen weiter

Auch das politische Interesse an der Verleihung des Zertifikats an den Talhof war groß. Die soziale Heimstätte hatte ihre Arbeitsabläufe durchleuchten lassen.
Schriesheim. (nip) Christian Dietrich, Geschäftsführer der Stadtmission Heidelberg, hat schon immer gewusst, dass der Talhof in Schriesheim ausgezeichnete Arbeit leistet. Doch jetzt ist die Qualität der Wiedereingliederungsstelle für wohnsitzlose Menschen auch ganz offiziell bestätigt und besiegelt. Und das bundesweit: „Das macht uns stolz“, sagte Dietrich. Als erste Einrichtung ihrer Art ging der Talhof einen ungewöhnlichen Schritt in Richtung Qualitätsmanagement nebst anschließender Zertifizierung nach ISO 9001 (wir haben berichtet). Den Erfolg des Verfahrens in der sozialen Einrichtung prüfte die 1997 gegründete Zertifizierungsgesellschaft proCum Cert GmbH aus Frankfurt nach vorgegebenen Standards.

Im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Talhof wurde das Qualitätssiegel von proCum Cert-Geschäftsführer Clemens Gattinger übergeben. Wenn es Noten in diesem Verfahren geben würde: der Talhof hätte eine „eins“ verdient. Wie Gattinger erläuterte, waren die Pflichtanforderungen für das Siegel im Vorfeld vom Talhof selbst schon in die Arbeitsabläufe in den einzelnen Gewerken wie Schlosserei, Gärtnerei, Wäscherei, Holzwerkstatt und Tierpflege integriert worden. „Das ist eindrucksvoll – bestehende und bewährte Vorgehensweisen wurden nicht verändert“, sagte Gattinger. Abweichungen von der Norm gab es nur geringfügig: „Spontan fällt mir keine ein“, sagte der zuständige Auditor Ulrich Seisler auf Anfrage. Für dessen außergewöhnlich gute Begleitung dankte Dietrich – aber auch dem Mitarbeiterteam um Einrichtungsleiterin Heidi Morath und ihren Stellvertreter Günther Förster, zugleich Qualitätsmanagementbeauftragter des Talhof. „Wir werden auf dem Markt trotz schwieriger Bedingungen überleben“, meinte Dietrich. Das Qualitätssiegel ist dafür ein Schritt in die richtige Richtung: „Es sind schwierige Zeiten und eine schwierige Klientel“, meinte der Geschäftsführer weiter – doch die Mitarbeiter seien ausgezeichnet. „Das Qualitätsmanagement stärkt unsere Arbeit“. Zu einem Zeitpunkt, in dem die Gewalt gegen Obdachlose bedrohliche Formen annimmt, ist der Talhof eine Anlaufstelle von Bedeutung zur Re-Integration wohnsitzloser Menschen.

„Wir arbeiten mit Herz und Verstand“, betonte Dr. Wolfgang Wagner. Der Vorstandsvorsitzende der Stadtmission begrüßte zur Übergabe des Zertifikats neben dem Stellvertretenden Bürgermeister Siegfried Schlüter weitere Vertreter aus Politik und Kirchengemeinden. Außerdem Förderer wie die Rotarier und den Lions-Club. Das Herz der Arbeit liege im christlichen Glauben. Gut gemeint sei jedoch nicht immer gut gemacht – deswegen gehöre der zweite Teil, der Verstand, unbedingt dazu. „Wir wollen Profis sein bei allem, was wir tun“, so Wagner. Und das zeigt sich eben in der Qualität der Arbeit. Die Sicherung dieser Qualität sei mit der Verleihung des Zertifikats nicht abgeschlossen.

Auch in Zukunft werden die standardisierten Anforderungen geprüft. Das heißt, die „Lebendigkeit des Systems“ kommt immer wieder auf den Prüfstand. Gattinger: „Den Vorsprung, den Sie jetzt haben, den kann Ihnen keiner nehmen – Sie sind damit auf dem richtigen Weg“. Übrigens auch in Verhandlungen mit Leistungsträgern. Dietrich verwies noch auf die neue und umgebaute Spendenuhr, von Hirschbergs Bürgermeister Werner Oeldorf doppeldeutig als „Parkuhr“ bezeichnet, die auch Scheine verträgt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung