11.11.2005

Besuch beim ökumenischen Vorbild

Besuch beim ökumenischen VorbildBürgermeisterkandidat Volker Arras informierte sich in der Kirchlichen Sozialstation – Knappe Finanzen

Bürgermeisterkandidat Volker Arras (Zweiter von rechts) sprach mit Gerhard Seiser, Christel Sauer und Siegfried Wachter (von links). Foto: Dorn
Schriesheim. (anzi) Kürzlich war Bürgermeisterkandidat Volker Arras zu Besuch in der Kirchlichen Sozialstation. Er wollte sich über die Arbeit der Einrichtung informieren, über ihre Erfolge und Probleme sprechen. Er lobte das vorbildliche ehrenamtliche Engagement der Mitarbeiter: „Davon könnten wir durchaus noch mehr gebrauchen“, so Arras.

Vereinsvorstand Siegfried Wachter, sein Stellvertreter Gerhard Seiser und Geschäftsführerin Christel Sauer freuten sich über den Besuch des Bürgermeisterkandidaten, denn es sei nun mal nicht so werbewirksam bei der Sozialstation vorbei zu schauen, wie beispielsweise in einem Altenheim, wo die Nutzer der Einrichtung direkt vor Ort seien, so Wachter. Doch Arras sieht die Sozialstation als eine wichtige Einrichtung an, die vorbildliche Arbeit leiste. Auch seine Familie habe die Einrichtung schon in Anspruch genommen, was sehr hilfreich gewesen sei.

Sorgen bereitet dem Verein die finanzielle Lage, gerade im Bereich der Tagespflege. Da sie eine kirchliche Einrichtung ist, wird die Sozialstation vorrangig durch die Kirchen finanziert.

Doch auch die Kirchen haben finanzielle Defizite. „Je weniger Gläubige, desto schwieriger“, so Wachter. Die Tagespflege wird mit dem Ziel betrieben, dass die Kommune sie unterstützt. „Wenn die Kirche dauerhaft zahlungspflichtig wäre, müssten wir aussteigen“, machte Wachter klar. „Wir werden also auf die Gemeinde zukommen“. Gibt es auf Dauer keine finanzielle Unterstützung, müsse man den Betrieb auf die Kranken- und Altenpflege reduzieren: „Wir wären dann ein reiner Versorgungsbetrieb“.

„Unsinnige Vorschriften“
Einig war man sich jedoch, dass es keine Lösung sei, die Tagespflege unter kommunaler Regie zu führen, denn billiger als sie im Moment geführt wird, ginge es nicht. Ein weiteres Problem sind zudem die oft „unsinnigen Vorschriften“ der Heimaufsichtsbehörde, die manch Anschaffungen verlangen, die nie gebraucht würden.

Arras konnte sich am Ende des Gesprächs über die Lage des Vereins ein Bild machen. Klar wurde auch, dass die Sozialstation gut läuft: „Wir sind ein gutes Team mit rund 40 Mitarbeitern, die zusammengenommen etwa 22 Vollbeschäftigte ausmachen“, unterstrich Wachter. Zudem sei die Kirchliche Sozialstation ein ökumenisches Vorbild in Bezug auf die Zusammenarbeit der beiden großen christlichen Konfessionen.

Am Ende hatte der Besuch des Bürgermeisterkandidaten noch einen weiteren Wert – neben dem des offenen Ohres. Arras wurde Mitglied im evangelischen Krankenpflegeverein und unterstützt somit die Sozialstation. Vor Ort unterschrieb er die Beitrittserklärung. Die Krankenpflegevereine (evangelisch und katholisch) sind unselbstständige Einrichtungen der Kirchengemeinde, deren Beiträge in die Sozialstation fließen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung