27.11.2006

Zwei Landräte blicken nun zu ihm auf

Schriesheim. Peter Riehl ist Ehrenvorsitzender des Madonnenbergvereins geworden – Kein Ehrenpate in diesem Jahr – Neuer Pate ist Dr. Walter Wolters

"Was wollen Sie denn noch erwidern auf einen Paul Kirchhof oder einen Erwin Teufel", begründete Claus Kretz den Verzicht auf einen Madonnenberg-Ehrenpaten mit einer rhetorischen Frage.
(pak) Dr. Jürgen Schütz und Claus Kretz blicken jetzt zu ihm auf – ähnlich wie zur steinernen Madonna, der Schutzgöttin der Madonnenberg-Weinlage. Denn Peter Riehl, Alt-Bürgermeister, Ehrenbürger und Gründer des Madonnenbergvereins, ist jetzt Ehrenvorsitzender der honorigen Weinbruderschaft. Der Karlsruher Landrat Kretz und der Heidelberger Landrat Schütz verliehen im Rahmen des festlichen Weinkonvents am Freitagabend ihrem langjährigen Wegbegleiter die Urkunde.

"Ohne Peter Riehl würde es den Madonnenberg und den Verein gar nicht geben", begründete der Verwaltungschef des Rhein-Neckar-Kreises die Entscheidung, die der Vorstand und das Kuratorium des Vereins einstimmig gefällt habe.

Schütz erinnerte an die Zeiten der "Hütten-Affäre", "in denen uns der Wind heftig ins Gesicht blies". Ausgerechnet in dieser harten Zeit sei Peter Riehls dritte Wiederwahl in Schriesheim angestanden. Und ausgerechnet in diesem Jahr fuhr der langjährige Bürgermeister das beste Ergebnis seiner Karriere ein. Schütz: "In solchen Momenten wird man wieder gläubig." Riehl nahm die Ehrung bewegt entgegen. Schließlich habe der Madonnenbergverein "ein Stück meines Lebens erfüllt", erklärte er, "und ist immer noch ein Mittelpunkt meines Lebens". Er spannte den Bogen vom Behördentag des Mathaisemarktes hin zum Madonnenberg. "Dadurch hat diese Stadt Menschen gewonnen, die für sie da sind", so der neue Ehrenvorsitzende.

Eine weitere Urkunde hatten die beiden Landräte für Dr. Walter Wolters parat, der als neuer Pate im Verein aufgenommen wurde. Und die erste Flasche Madonnenberg-Sekt des Jahrgangs 2005 bekam Heinrich Rufer, der große alte Mann des Schriesheimer Weinbaus. Rufer hegt und pflegt mit einer "Rentner-Band" die Rebstöcke unter der Augen der Madonna. Und am Vortag des Konvents feierte er bei bewundernswerter körperlicher und geistiger Frische seinen 84. Geburtstag. Kretz machte keinen Hehl daraus, dass es Rufer und seinen Leuten zu verdanken ist, dass die Mitglieder am 7. Oktober trotz eines schwierigen Herbstes eine Rekordernte eingefahren haben: 2000 Kilo Riesling-Trauben. Die professionelle Unterstützung von Werner Volk aus Leutershausen, so Kretz, war aber auch wichtig.

Der Madonnenbergverein kürte zum ersten Mal seit 14 Jahren in diesem Jahr keinen Prominenten als Ehrenpaten. Claus Kretz erklärte das: "Was wollen Sie denn noch erwidern auf einen Paul Kirchhof oder einen Erwin Teufel", so seine rhetorische Frage. Deshalb sei eine schöpferische Pause die beste Lösung. Und grinsend fügte er hinzu: "Wir haben kurzzeitig auch an den Stuttgarter Experten für badische Schriften gedacht, aber der soll ruhig erst noch ein bisschen das Regieren üben, bis er zu uns kommen darf." Allerdings: Ohne Publikumsmagnet war das Interesse am Konvent nicht so groß wie sonst, einige Tischreihen waren ganz leer geblieben.

Den ersten Konvent in der Ära von Bürgermeister Hansjörg Höfer nahm Kretz aber auch zum Anlass, um zu betonen: "Wir wissen uns auf gutem Wege und werden eine gute Partnerschaft mit der Stadt weiterpflegen."

Die Jagdhornbläser hatten den Abend eröffnet, Kretz hatte aus Karlsruhe seinen Freund Prof. Harald Siebenmorgen, den Direktor des Badischen Landesmuseums, mitgebracht, damit er eine launige Rede halte. Und für das Badische Essen zum Wein – Markklößchensuppe und dann Tafelspitz mit Grüner Sauce – sorgte Wilhelm Müller. Nach der deftigen Mahlzeit darbten die hohen Herren allerdings schwer, weil die meisten von ihnen – Kretz und Schütz voran – passionierte Zigarrenraucher sind und den Zehntkeller zum ersten Mal in ihrem Leben als rauchfreie Zone betraten. "Welche Pein", klagte der Karlsruher Landrat mit (halb) gespielter Entrüstung und konnte sich in Richtung von Bürgermeister Höfer nicht verkneifen: "Wir ertragen das nur mit Gelassenheit, solange Sie bei uns sind." ...mehr im RNZ E-Paper

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung