09.06.2003

Michelmann:

Gespräch mit der Jugendsozialarbeiterin

Von Christian Mörsch

Schriesheim. Im RNZ-Interview findet Jugendsozialarbeiterin Katrin Michelmann deutliche Worte für den Zustand des Juts. Es entspreche nicht mehr den Vorstellungen der heutigen Jugend. Dem Juts fehle der Nachwuchs, und die Räume seien "dunkel und versifft". Da helfe aber kein Meckern. Konstruktive Vorschläge seien gefragt, meint Michelmann. Mit Bürgermeister Peter Riehl könne man schließlich über alles reden.

In der Kommunalpolitik scheint sich nichts zu bewegen, die Leiter des Juts resignieren. Wie beurteilen sie den Status Quo des Juts?

Unser größtes Problem ist, dass wir in Schriesheim keine geeigneten Räume für Jugendliche haben. Das fängt schon bei mir an. Ich habe keinen Raum, in dem ich die Jugendlichen ansprechen kann, einen Raum, den sie mit mir assoziieren. Ein anderes Problem ist nach meiner Ansicht der Nachwuchs. Es muss dringend eine Verjüngung stattfinden. Das Juts hat bereits Probleme den Vorstand zu besetzen. Mit Veranstaltungen versuchen wir gezielt junge Leute anzusprechen. In Zukunft möchte ich dazu ein "Teenie-Café" etablieren.

"Warten und Meckern macht keinen Sinn"
Die Juts-Leiter klagen am meisten darüber, dass sie wegen der Lautstärke im Juts keine Konzerte und Parties mehr veranstalten dürfen.

Der Kern des Juts sind nicht die Konzerte, sondern die Öffnungszeiten an denen sich Jugendliche dort treffen und ihre Zeit verbringen können. Leider ist das Juts oft leer. Es entspricht nicht mehr den Vorstellungen der Jugendlichen von heute. Sie wollen es hell und aufgeräumt. Das Juts dagegen ist dunkel und versifft. Neue Sofas und Tische wären ein Anfang, aber das müssen die Jugendlichen selbst wissen. Ich kann sie dazu nicht zwingen.

Die Leiter des Juts fühlen sich von der Stadt im Stich gelassen. Es gäbe kaum Zusammenarbeit, keine Kooperation.

Man muss die Stadt fordern, Vorschläge und Anhaltspunkte bieten, auf die Stadt zugehen. Warten und Meckern macht keinen Sinn. Mit Bürgermeister Riehl kann man über alles reden, und er kommt einem eigentlich auch gerne entgegen. Man muss nur immer wieder seine Vorschläge wiederholen und voll dahinter stehen.

Im Sommer wollen Sie die Interessengemeinschaft Buschgelände ins Leben rufen. Was soll die bringen?

Eine Interessengemeinschaft würde dem Ziel Jugendhaus einen enormen Schub geben. Endlich würde sich jemand konstant darum bemühen. Es müssen allerdings noch eine Menge Gespräche geführt werden, und ich habe gesagt, dass ich das machen will. Mit einem neuen Bolzplatz auf dem Buschgelände fangen wir an. Der ist in diesem Jahr ein realistisches Ziel.

"Die Jugend in Schriesheim ist stark, sie steckt nur im Winterschlaf"

Die Leiter des Juts scheinen dennoch schwer frustriert zu sein, fast schon resigniert.

Die Jugendlichen in Schriesheim sind in der Tat frustriert. Selbst die Tatsache, dass ich eingestellt worden bin, sehen sie nicht als positiv. Sie haben den Eindruck, es ändert sich ja doch nichts. Trotzdem gibt es Jugendliche, die sich engagieren möchten, und denen muss man eine Perspektive geben. Und wenn es nur der Bolzplatz auf dem Buschgelände ist. Sie sollen aber mal sehen: Da passiert doch etwas.

Peter Riehl hat auf einer Podiumsdiskussion deutlich gemacht, dass seine Priorität nicht bei den Jugendlichen liegt. Steht die Jugend in Schriesheim also auf verlorenem Posten?

Das hängt von den Jugendlichen ab. Die Jugend in Schriesheim ist stark, sie steckt nur im Winterschlaf. Sie braucht ein Zeichen, dass es sich lohnt zu kämpfen. Da liegt meine Aufgabe. Ich bin dazu da, die Kraft der Jugendlichen zu bündeln und Druck aufzubauen. Ohne den Druck der Jugendlichen geht nichts.

Umfrage
Schriesheim. (mot) Was halten die Schriesheimer vom "Juts"? Die RNZ hörte sich in der Nachbarschaft um.
Hildegard Hartmann (82): "Das Schlimmste war, wenn der Verstärker bis in den frühen Morgen gewummert hat. Das ging manchmal bis morgens um fünf. Natürlich braucht die Jugend ihre Freiheit, aber sie soll auch auf die Anwohner Rücksicht nehmen. Die Musik und das Geschrei im Schulhof waren schon eine Katastrophe. Seit längerer Zeit hat es sich aber sehr gemäßigt. Wenn es jetzt etwas lauter wird, drücke ich auch mal ein Auge zu."

Thomas Nirmaier (31): "Mich persönlich stört das ,Juts' überhaupt nicht. Ich finde es gut, dass es einen Platz gibt, wo sich Jugendliche treffen können. Das ist besser, als wenn sie auf der Straße herumsitzen müssen."

Theresia Lutz (82): "Momentan komme ich mit dem ,Juts' sehr gut zurecht. Es wird wohl im Moment auch nicht so viel dort gefeiert, denn es war schon mal viel lauter."

Karin Fontius (37): "Momentan ist es ruhig. Ich fühle mich nicht gestört. Meine Nichten gehen manchmal dorthin und wenn meine Kinder größer sind, dann werden sie auch froh sein, sich im ,Juts' treffen zu können."

Christina Christ (53): "Ich habe kein Problem mit dem 'Juts'. Ich finde es gut, dass es das gibt. Dass Jugendliche ab und an zu laut sind, gehört doch dazu. Ich war schließlich auch mal jung."

Pfarrer Ronny Baier (36): "Negativ fällt mir das ,Juts' nicht auf. Im Gegenteil: Ich bin sehr dafür, dass es diese Einrichtung gibt und unterstütze sie auch. Manchmal kommen die Jungs vom ,Juts' und holen sich im Gemeindehaus Tische und Stühle. Frau Michelmann kümmert sich sehr darum, dass dort etwas Sinnvolles geboten wird. Es muss auch weiterhin eine Anlaufstelle für Jugendliche geben, vor allem für diejenigen, die nicht in Vereinen gebunden sind."

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung