28.09.2007

Damit man die Namen wieder lesen kann

(sk) Der klotzige Kubus aus Muschelkalk gehört zum Stadtbild wie die Strahlenburg. Er bildet das Zentrum der Kriegsopfergedenkstätte und erinnert an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs. Wer ihn näher in Augenschein nimmt, stellt fest, dass an den ursprünglich an drei Seiten des Würfels angebrachten Inschriften der Zahn der Zeit genagt hat: Die Namen der Toten sind nicht mehr oder nur noch mit Mühe zu entziffern. Das soll sich ändern.

Bürgermeister Hansjörg Höfer hat sich des Denkmals angenommen. Mit von der Partie ist die Projektgruppe, die schon die viel beachtete, ebenfalls durch Spenden ermöglichte Umgestaltung des Denkmals für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs und die Opfer des NS-Regimes organisiert hatte. Gemeinsam mit Monika Stärker-Weineck und Stadtarchivar Hans-Jörg Schmitt erklärte Höfer jetzt im Pressegespräch das Vorhaben: "Wir versuchen, die Sanierung wieder rein durch Spenden zu finanzieren."

Zum einen schont das die klammen Finanzen der Stadt – immerhin ist derzeit ein Gesamtvolumen von etwa 15 000 Euro für die Sanierung im Gespräch –, zum anderen wurde das Denkmal seinerzeit selbst durch Spenden finanziert.

So kamen in den Jahren 1925 bis 1928 genau 9984,40 Reichsmark an Spenden zusammen. Bei der 1927 initiierten Ausschreibung gingen 19 Beiträge ein. Die verantwortliche "Denkmalskommission" entschied sich damals für den "Kubus" des Mannheimer Architekten Josef Kuld. Die Grundsteinlegung erfolgte am 2. Oktober 1927– ein Datum, an das jetzt, 80 Jahre später, mit dem erneuten Spendenaufruf angeknüpft werden soll.

An drei Seiten des Kubus waren die Namen der Toten in den Stein graviert, an einer Seite ist bis heute die Aufschrift zu lesen: "Den Helden des Weltkrieges 1914-1918. Die Gemeinde Schriesheim". Sie soll bestehen bleiben.

Geplant sind zudem drei Bronzetafeln, die genau in die drei übrigen Aussparungen an den Seiten des Kubus’ eingepasst werden sollen. Auf ihnen sollen wie bisher Namen und Todesjahre der insgesamt 149 Gefallenen stehen. "Passend zur Farbe des Steins sollen die Platten grau patiniert werden", so Stärker-Weineck. Die Namen der Opfer werden veröffentlicht, so dass die Bürger und Familien die Liste kontrollieren und gegebenenfalls vervollständigen können.

Unter den Gefallenen finden sich auch drei jüdische Schriesheimer, wie Schmitt berichtete: Leopold Oppenheimer, Marx Bernhard und Abraham Fuld. Als Mitglied des Militärvereins war Fulds Bruder Julius, ebenfalls Kriegsveteran, federführend bei der Denkmalserrichtung. Er wurde später ins Lager Gurs deportiert.

Interessant ist auch die Geschichte der verschiedenen "Aufsätze" auf dem Denkmal, das als Mahnmal gegen den Krieg gedacht war. Gegen die Stimmen von Krieger- und Militärverein entschied sich die Denkmalskommission 1927 für ein christliches Symbol: In den Anfangsjahren zierte ein vergoldetes Johanniterkreuz das "Dach" des Kubus. Es sollte an die Vergangenheit der christlichen Ritterorden erinnern.

Ersetzt wurde es 1939 durch ein wuchtiges Eisernes Kreuz aus Stein, vermutlich aus demselben Material wie der Rest des Denkmals. Zwei Jahre nach Kriegsende erfolgte die erneute Kehrtwende. Seither steht ein Kreuz mit Alpha- und Omega-Symbolik auf dem Denkmal. Was aus dem alten Kreuz und dem Eisernen Kreuz wurde, ist bislang ungeklärt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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