03.12.2007

Grafiken zeigen Strahlenburg mit eckigem Turm

(sk) Es hat den Anschein, als ob die Vorstellung des Schriesheimer Jahrbuches in jedem Jahr etwas feierlicher gerät. Dieses Mal, also zur Vorstellung des 11. Jahrbuchs, erschien politische Lokalprominenz wie Gemeinderäte, Landtagsabgeordnete wie Georg Junginger und Uli Sckerl und Staatssekretär Georg Wacker, außerdem waren Amtsleiter aus dem Rathaus, Vertreter von Vereinen, Polizei und Feuerwehr gekommen sowie Ehrenbürger Peter Hartmann.

Bürgermeister Hansjörg Höfer begrüßte mit der früheren Stadtarchivarin Ursula Abele eine der Initiatoren des jährlichen Buchprojekts. "Das Jahrbuch ist zu einem wirklichen Erfolg geworden, denn mit dem Jahrbuch 2006 wurde erstmals eine zweite Auflage in Auftrag gegeben, so groß war die Nachfrage", so das Stadtoberhaupt. Abeles Nachfolger Dr. Hans Jörg Schmidt war für eine weitere Neuerung verantwortlich: Er präsentierte Bilder aus dem Jahrbuch mit dem Beamer.

Die dritte Neuerung war schließlich der Auftritt von sieben Musikschulkindern, die Blockflöte oder Altflöte spielten und von ihrem Lehrer Diethard Heß sowie Musikschulleiter Hans-Dieter Schotsch begleitet wurden.

Das neue Jahrbuch selbst ist die umfangreichste bisher veröffentlichte Chronik. Es ist 312 Seiten stark und – auch das ist neu – teilweise farbig illustriert. Durch den Farbdruck kommen einige besondere Kleinode besser zur Geltung: Im Beitrag von Dr. Helmut Jenne sind Rötel-Zeichnungen des Malers Stephan Christian Freiherr von Stengel abgebildet, die zu den ältesten Strahlenburg-Abbildungen zählen. Eines der Bilder ziert auch das Titelblatt des Jahrbuches.

Aus dem Jahr 1831 stammen zwei Grafiken, die die Strahlenburg kurioserweise mit eckigem Turm zeigen. Gefunden hat sie Jahrbuch-Autor Henner-W. Harling. Noch weiter zurück in der Geschichte geht Curt R. Full, der das abenteuerliche Leben des Gregor Hirsch schildert, dem 1509 die Rechte am Schriesheimer Steinbruch übertragen wurden. Im Jahr 1617 fand das erste Reformationsjubiläum in Schriesheim in der ehemaligen Stadtkirche statt, 1717 fiel es aus, weil die Kurpfalz katholisch geworden war.

Diese Zeiten stehen im Mittelpunkt von Gerhard Merkels Beitrag "Reformationsjubiläen in Schriesheim von 1617 bis 1917". Auf die symbolische Bedeutung von Glocken und deren Demontage im Verlauf der Kriege im 20. Jahrhundert verweist Merkels Artikel "Schriesheimer Glockenabschiede in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts". In die Zeit um 1870/71 entführt Heinrich Rufer seine Leser: Er berichtet von Christiane Bühler, der Schwester seines Großvaters, die den deutsch-französischen Krieg miterlebte.

Dass in Schriesheim der erste badische Staatspräsident, der Sozialdemokrat Anton Geiß, beerdigt ist, ist bislang wenig bekannt. Der Beitrag von Konstantin Groß stellt das Leben des "vergessenen Pioniers unserer Demokratie" dar. Ebenfalls von Groß ist ein Bericht über die Reise der Familie Höfer in die USA, wo sie frühere jüdische Einwohner Schriesheims traf. Über die großen Zusammenhänge, die Verbindung des Menschen mit seiner Vergangenheit und Zukunft, sprach Prof. Dr. Hans-Peter Schwöbel bei der Vorstellung des letzten Jahrbuches. Die Rede ist im neuen Jahrbuch abgedruckt.

Mit zwei Widerstandskämpfern, Karlheinz Klausmann und Walter Mohr, beschäftigen sich Beiträge von Monika Stärker-Weineck und Prof. Dr. Joachim Maier. Auch aus der Feder von Schmidt stammt ein Artikel. Er schildert die Geschichte der Kriegsopfergedenkstätte.

Einen Blick auf die neuesten technischen Errungenschaften in der Luftfahrt um 1936 wirft Georg Döringer. Der Flug zweier Zeppeline versetzte die Schriesheimer damals in große Begeisterung.

Wie jedes Jahrbuch endet auch dieses mit dem Jahresrückblick, der von Andrea Erdmann zusammengestellt wurde. Die Angestellte aus dem Liegenschaftsamt ist neben Schmidt verantwortliche Redakteurin. Schmidt dankte ihr: "Ohne Sie wäre das Jahrbuch nicht zustande gekommen." Mit dem letzten Beitrag gedenkt Schwöbel auf eindrucksvolle Weise seines Freundes Fritz Hartmann. Der in diesem Jahr verstorbene bekannte Schriesheimer, dem das Buch gewidmet ist, war nicht nur selbst einer der Autoren früherer Jahrbücher, sondern beeindruckte durch sein couragiertes Auftreten für Behinderte. "Das ist einer der anrührendsten, denkwürdigsten Beiträge", so Höfer über das Vorbild Hartmann.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung