02.07.2003

Als zwischen den Pfarrern Fäuste flogen

Schriesheims und Hirschbergs Kunstfreunde waren auf Mittelalter-Exkursion durch Ladenburg.

Bergstraße. (stu) Der Kulturverein Schriesheim und der Kunstförderverein Hirschberg machten auch in diesem Jahr gemeinsame Sache. Die Exkursion führte die beiden befreundeten Vereine nach Ladenburg, um das Mittelalter zu entdecken.

Nachdem die Mitglieder beiden Vereine im vergangenen Jahr auf den Spuren der Römer wandelten, war die Nachfrage nach "mehr Ladenburg" deutlich zu spüren. "Wir haben uns daher entschlossen, eine weitere Kunstexkursion in unsere Nachbarstadt zu planen", berichteten Romy Schilling vom Kulturverein Schriesheim und der Hirschberger Vorsitzende, Gerhard Cossaeus, übereinstimmend. Mit fast 50 Besuchern durften sich die Organisatoren sogar über eine Rekordbeteiligung freuen. "Man sieht: Unsere Vereine wachsen zusammen, und das ist auch unserer gemeinsames Ziel", erklärte Romy Schilling, dass es nicht zweckmäßig sein könne, wenn jeder sein eigenes Süppchen koche. Während sich die Schriesheimer Kunstfreunde um das Theo-Kerg-Museum in der Weinstadt kümmern, organisieren die Hirschberger um Cossaeus diverse Kunstausstellungen in Leutershausen und Großsachsen.

Das Angebot, sich in Ladenburg künstlerisch und kulturell zu betätigen, sei einmalig. Die Schriesheimerin zeigte sich regelrecht begeistert von der Altstadtsanierung. "Die vorhandenen Möglichkeiten wurden konsequent genutzt, so dass Ladenburg sicherlich zur Perle der Rhein-Neckar Region geworden ist", lobte die Kunstkennerin die Weitsichtigkeit der Stadtverantwortlichen. Besonders das Wissen des Ladenburger Denkmalpflegers, Dr. Berndmark Heukemes, ist der Vorsitzenden in bester Erinnerung. Zwar führt der Doktor, wie der Archäologe in Ladenburg genannt wird, heute selbst keine Stadtführungen mehr durch, doch mit den Stadtführern des Heimatbundes stehen ebenfalls kompetente Geschichtskenner zur Verfügung. Davon konnten sich die Kunstfreunde von der Bergstraße auch am Samstag überzeugen. Vom Benzhaus führte der Geschichtsrundgang über die Bleiche zum Martinstor und zum Hexenturm. Dort erfuhren die Besucher, dass es in Ladenburg niemals Hexenverfolgungen gegeben hat, was für die Zivilisation der Stadt am Neckar spricht.

Beeindrucken konnten aber auch die zahlreichen Adelshöfe, wie etwa das Preysingische Palais, in dem heute die Werbeargentur Schmölzer und Hollinger untergebracht ist. Viele mittelalterliche Geschichten gab es auch auf dem Marktplatz zu berichten. Dort fand im späten Mittelalter sogar ein geistlicher Boxkampf statt, denn der evangelische und katholische Seelsorger ließen bei Streitigkeiten schon mal die Fäuste sprechen.

Ideen lässt hingegen der Ladenburger Künstler Werner Menrad sprechen, dessen Atelier die Kunstfreunde zum Abschluss der bestens organisierten Exkursion besuchten. "Die Vielfältigkeit von Werner Menrad hat uns sehr beeindruckt", lobte Romy Schilling die Kreativität des Ladenburger Künstlers. Menrad zählt zu den bekanntesten Industriedesignern in Deutschland. Die Umgestaltung der ABB-Hallen in seiner Heimatstadt Ladenburg ist nur ein Beispiel, wie in einer tristen Industriehalle moderne Arbeitsplätze geschaffen werden können. "Die Leistungsbereitschaft und Produktivität der Mitarbeiter nimmt dadurch erheblich zu", wusste Menrad zu berichten, dass Kunst in einer Industriehalle nichts mit Spinnerei zu tun hat.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung