13.07.2009

Biene Maja flog durchs Megafon

Von Carsten Blaue.

Schriesheim. Albert Kesselers Pessimismus bezüglich der Großwetterlage erwies sich als unbegründet: Beste äußere Bedingungen begleiteten "Schriesheim jazZt" am Samstagabend – und das hatten sich die Organisatoren um den Kulturkreis-Chef sowie die vielen Helfer auch verdient. Viele Jazz-Fans bevölkerten die Höfe und Plätze der Innenstadt und sorgten so für volle Bank- und Tischreihen vor den acht Bühnen. An vielen Spielorten standen die Menschen fast gedrängt. Oft war es ein stetes Kommen und Gehen. Schließlich gab es an diesem Abend viel zu hören. Andere setzten sich aber lieber fest und hielten weniger vom steten "Bühnenwechsel".

Dabei war die Dichte der musikalischen Qualität enorm hoch. Den Unterschied beim Publikum machten lediglich individuelle Vorlieben für einzelne Stile und Spielarten des Jazz. Überhaupt fühlten sich die Gäste des kleinen Musikfestivals in der Stadt einfach wohl, was auch am Engagement der beteiligten Wirte lag (siehe weiteren Bericht). Zudem ist das Ambiente der Altstadt einzigartig, das durch das Lichtdesign der Ladenburger Firma "Exodus" an den historischen Gebäuden noch unterstrichen wurde. Die Strahlenburg leuchtete beispielsweise in tiefem Rot. Der Kulturkreis, der mit dem Verkehrsverein und der Stadt zu "Schriesheim jazZt" einlud, hatte also wieder bestes Stadtmarketing gemacht.

So war Kesselers entspanntes Lächeln kurz vor Mitternacht mehr als berechtigt. Da hatte er längst vergessen, dass die "German Gospel Singers" von Albert Göken ihren Auftritt so kurzfristig abgesagt hatten, "dass es sogar zu spät war, sich darüber aufzuregen", wie es Kesseler am frühen Abend auf der Bühne vor dem Alten Rathaus formulierte.

Hier hatte er die Gäste gemeinsam mit dem verbliebenen "Newborn International Gospel Choir" zu "Schriesheim jazZt" begrüßt, das Programm vorgestellt und den vielen helfenden Händen hinter den Kulissen gedankt, etwa den "Jungs vom Bauhof": "Ohne sie ging’s nicht." Bürgermeister Hansjörg Höfer hatte Kesseler und Verkehrsvereinschef Karl-Heinz Schulz zuvor auch für ihren Mut gelobt, auch die finanziellen Risiken eines solchen Festivals zu schultern. Mit Hinweis auf das "Festival der Chöre" vor zwei Wochen, "Schriesheim jazZt" sowie das große "Konzert für Ralf" am gestrigen Sonntag, sagte Höfer: "In dieser Stadt ist Musik." Und die klang am Samstag vielfältig.

Mit dem Gospelchor in der evangelischen Kirche ging es fast wie in einem amerikanischen Gospel-Gottesdienst los. Beim Jazz am Abend erspielten sich Sinti-Jazzer Vano Bamberger und Band im Diehm-Hof, die feschen Herren der "Firebrigade" am Stadtbrunnen sowie die ausgelassene "Blassportgruppe Südwest" (BSG) im evangelischen Kirchgarten schnell den Status der Publikumslieblinge. Die "Firebrigade" gab vor allem Swing-Klassiker – da fehlte es weder am coolen Schmelz in der Stimme von Marcus Int-Veld, noch an der Flasche Jack Daniel’s auf dem nagelneuen, von "Piano Mertens" für diesen Abend extra zur Verfügung gestellten Flügel. Dean Martin und Frank Sinatra hätten ihre Freude gehabt. Die BSG legte mit vollem Blech, Heiterkeit und ganzem Körpereinsatz im evangelischen Kirchgarten los. Sie machte vor nichts Halt und schickte das Lied der Biene Maja sogar durch ein Megafon.

Doch auch alle anderen Ensembles hatten ihr begeistertes Publikum, dessen harter Kern sich nach Mitternacht noch auf dem Schulhof traf, wo Klaus Gaas Band "Come Tomorrow" gemeinsam mit Olaf Weithäuser eine abschließende Session spielte.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung